Nindorf : Mit Wasser trinken kann man Gutes tun

Erfolgreiche Testläufe: Elsbeth Wendt an der Abfüllanlage, die beim „Quell-Tag“ am 7. Mai besichtigt werden kann.
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Erfolgreiche Testläufe: Elsbeth Wendt an der Abfüllanlage, die beim „Quell-Tag“ am 7. Mai besichtigt werden kann.

Tag der offenen Tür an der Kimberquelle am 7. Mai. Einzige artesische Quelle im Norden.

shz.de von
05. Mai 2015, 09:59 Uhr

Mit einem „Quell-Tag“ wird die Einweihung des Quellwasser-Abfüllhauses der Hohenwestedter Werkstatt am Donnerstag, 7. Mai, gefeiert. Von 14 bis 17 Uhr kann man sich bei einem „Tag der offenen Tür“ ansehen, wie das aus der Kimberquelle sprudelnde „gut2“-Wasser abgefüllt wird, und natürlich auch testen, wie es schmeckt. Eine neue Ausstellung im Produktionsgebäude präsentiert Wissenswertes zu den Themen Wasser und Naturpark Aukrug. Dazu gibt es Harfenmusik sowie Kaffee und Kuchen vom Café „Himmel + Erde“ aus Itzehoe, das wie die Hohenwestedter Werkstatt zur Gruppe Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie (NGD) gehört.

Als kundige „Fremdenführer“ für wissbegierige Gäste des „Quell-Tages“ werden unter anderem Bernd Ramm und Hans-Detlef Häufle am 7. Mai im Einsatz sein. Der ehemalige Werkstattleiter Ramm und der Kimberquellen-Eigentümer Häufle wissen am besten über die Vorgeschichte des „Leuchtturmprojekts“ an der Kreisstraße 20 zwischen Nindorf und Luhnstedt Bescheid. Die beiden hatten schon seit 2005 die Idee, das Ende des 19. Jahrhunderts bei Erdölbohrungen zufällig entdeckte Quellwasser zu vermarkten und dabei Arbeitsplätze für Beschäftigte der Hohenwestedter Werkstatt zu schaffen. Wasser, das wie in Nindorf allein durch den Druck des Grundwassers an die Erdoberfläche sprudelt, nennt man in Anlehnung an die französische Landschaft Artois (wo dies Phänomen bereits 1126 entdeckt wurde) „artesisch“.

Der ursprüngliche Plan von Ramm und Häufle bestand darin, das Quellwasser in Tanks nach Hohenwestedt zu bringen, um es dort von Menschen mit Behinderung in Flaschen abfüllen zu lassen. Dagegen legte allerdings die Lebensmittelbehörde ihr Veto ein – mit dem Hinweis auf eine EU-Verordnung, der zufolge reines Quellwasser nur direkt am Quellort abgefüllt werden dürfe. Das Quellwasser-Abfüllhaus, das nun in Nindorf gebaut werden musste, wurde 2011 vom Landesbeirat der Aktivregionen als „Leuchtturmprojekt“ eingestuft, was mit der Bewilligung von Fördergeldern verbunden war: 270  000 Euro aus dem EU-Zukunftsprogramm „Ländliche Räume“. Bei der Grundsteinlegung am 27. August 2013 hatte man eine Inbetriebnahme im Juli 2014 angepeilt, aber dieses ehrgeizige Ziel war nicht zu realisieren. „So eine Anlage, wie sie hier steht, gibt es so nirgendwo anders noch einmal“, vermerkt Hans-Joachim Muxfeldt. „Das Einfahren der Filtertechnik und die Feinabstimmung haben länger gedauert, als wir gedacht hatten“, ergänzt Elsbeth Wendt.

Seit Jahresbeginn läuft die Anlage nun erfolgreich im Testbetrieb. Verkaufsstart bei Edeka in Hohenwestedt war am 7. März (wir berichteten). „Wir haben ein wunderbares Produkt: artesisches Quellwasser aus dem Naturpark Aukrug“, sagt Einrichtungsleiter Björn Ott. „Außerdem kommen wir mit diesem Projekt unserem Primärauftrag nach: gute Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen.“ Der Produktname „gut2“ soll den doppelt positiven Effekt des Quellwasserkaufs zum Ausdruck bringen. Mit dem Erwerb des absolut schadstofffreien und bekömmlichen Wassers tun die Käufer für sich selbst etwas Gutes – aber auch für andere, wie Ott hervorhebt: „Die Käufer fördern ja gleichzeitig auch unsere NGD-Arbeit für Menschen mit Behinderung.“

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