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Handball-SH-Liga : „Mit uns muss man rechnen“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der neue Trainer Thomas Carstensen peilt mit den Handballern der HSG Eider Harde einen Platz in der Spitzengruppe der SH-Liga an.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2015 | 05:46 Uhr

Die Premierensaison verlief für die HSG Eider Harde nicht wie erhofft. Nach dem Zusammenschluss der HSG Hohn/Elsdorf und der HSG Hamdorf/Breiholz hatten sich die Verantwortlichen Aufbruchsstimmung und den Klassenerhalt in der Handball-Oberliga erhofft. Doch am Ende stand nicht nur der Abstieg zu Buche, mit Christian Gosch hatte auch der Trainer Anfang Februar entnervt die Brocken hingeschmissen. Sein Nachfolger Christian Voss konnte den Gang in die SH-Liga nicht verhindern. Mit Thomas Carstensen auf der Trainerbank soll nun wieder Ruhe einkehren. Der 46-Jährige hatte in der vergangenen Saison die Drittliga-Frauen der HSG Kropp-Tetenhusen trainiert, davor war er drei Jahre lang beim TSV Alt Duvenstedt tätig. Die Landeszeitung hat den Mönkeberger zum Interview gebeten.

Herr Carstensen, nach einem einjährigen Ausflug in den Frauenbereich trainieren Sie jetzt wieder eine Herrenmannschaft. Waren ihn die Damen zu anstrengend?

(lacht) Nein, das nicht. Ich hätte auch gerne in Kropp weitergemacht, doch letztlich hat sich das aus verschiedenen Gründen zerschlagen. Aber nicht, weil ich keine Frauen mehr trainieren wollte. Allerdings ist Frauenhandball etwas, woran man sich erst ein halbes Jahr lang gewöhnen muss. Ich hatte anfangs schon so meine Probleme damit. Frauen ticken eben ganz anders als Männer. Die muss man anders anpacken. Ich bin mehr so ein Kumpeltrainer und sehe mich als ein Teil der Mannschaft. Das funktioniert bei den Frauen nicht.

Vor Ihrem Engagement in Kropp waren Sie bei den Herren des TSV Alt Duvenstedt tätig, nun bei der HSG Eider Harde. Dabei wohnen Sie doch in Mönkeberg. Sitzen Sie so gerne im Auto, dass Sie nur Mannschaften aus dem Rendsburger Raum trainieren?

Nein. Ich wäre auch ganz gerne im Kieler Raum gelandet, weil die Fahrerei schon ein bisschen nervig ist, das muss ich zugeben. Aber erstens ist es sehr schwierig, eine geeignete Stelle bei einem Kieler Verein zu finden. Und zweitens hat mich das Gesamtpaket bei der HSG Eider Harde überzeugt. Das ist ein sehr gut geführter Verein mit einem tollen Umfeld und einer guten Jugendarbeit. Schon bei den ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen habe ich gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen. In der vergangenen Saison ist hier einiges schief gegangen. Jetzt habe ich die Möglichkeit, etwas Neues mit aufzubauen. Die Aufgabe ist sehr reizvoll.

Nun hatten es Trainer bei der HSG Eider Harde beziehungsweise beim Vorgängerverein HSG Hohn/Elsdorf mit Ausnahme von Thies Schmalfeld nicht immer einfach. Die Fluktuation auf der Trainerbank war doch sehr hoch. Hat Sie das nicht abgeschreckt?

Nein. Ich habe nur davon gehört, dass es früher eine wechselhafte Geschichte war, aber viele der damals handelnden Personen sind heute nicht mehr am Ruder. Letztlich liegt es auch immer ein Stück weit am Trainer selbst, was er bereit ist, für den Verein zu geben und wie viel er einstecken kann. Mitentscheidend für meine Zusage war auch, dass etablierte Spieler wie Steffen Oeltjen, Jörg Gosch, Gerald Dobratz und Sven Bendixen entgegen ihren ursprünglichen Plänen nun doch noch weitermachen. Wenn die aufgehört hätten, hätte ich sicherlich nicht so viel Bock auf diesen Job gehabt. Die Spieler sind nicht nur sportlich, sondern auch menschlich unheimlich wichtig für die Mannschaft.

Wie ist Ihr erster Eindruck von der Mannschaft?

Wir haben zwei Vorbereitungsphasen. Die erste lief sehr gut. Die Trainingsbeteiligung war sehr hoch. Jetzt haben wir gerade mit Phase zwei begonnen. Die läuft ein bisschen schleppend an, weil viele Spieler noch im Urlaub sind. Aber die Motivation ist bei denjenigen, die da sind, sehr hoch. Es macht Spaß.

Welche sportliche Qualität hat das Team?

Die Qualität ist schon sehr hoch. Wir haben eine sehr gute Mischung aus alten, erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern. Wir haben den Kader nicht massiv mit externen Spielern aufgebläht, die vielleicht auch nicht stärker sind, als die, die jetzt schon bei der HSG Eider Harde spielen. Mit Boris Hohnsbehn und Eike Möller kommen lediglich zwei Spieler von außerhalb. Und die werden uns mit ihrer Qualität sicherlich weiterhelfen. Zudem haben beide früher hier schon gespielt und kennen die Mannschaft und das Umfeld, so dass es bei der Integration keine Probleme geben dürfte. Wir haben von der ersten Sieben, vielleicht sogar von der ersten Zehn, einen richtig guten Kader. Und natürlich haben immer noch die Möglichkeit, Spieler aus dem A-Jugend-Bundesligateam einzubauen. Georg Rohwer hat beispielsweise ein Vorbereitungsspiel mitgemacht und war da bester Mann. Man muss aber abwarten, wie hoch die Belastung in der A-Jugend-Bundesliga ist. Wir dürfen die Jungs nicht verheizen. Deshalb haben wir den Kader schon so aufgebaut, dass wir auch unabhängig von der A-Jugend leben können.

Ist der Wiederaufstieg das vorrangige Ziel?

Nein, der Wiederaufstieg ist kein Muss. Wir sind aber, wenn wir als Team funktionieren, eine Mannschaft, mit der man bei der Titelvergabe sicherlich rechnen muss. In der Schleswig-Holstein-Liga tummeln sich allerdings einige Mannschaften, die oben mitspielen wollen. Mein Topfavorit ist die HSG Ostsee N/G. Die haben sich auf die Fahnen geschrieben aufzusteigen und dementsprechend auch aufgerüstet. Allerdings haben die sich viele Spieler geholt, die in der Vergangenheit schon die eine oder andere schwere Verletzung hatten wie Tjark Müller (Knorpelschaden, d. Red.) oder Martin Ambrosius (Kreuzbandriss, d. Red.). Da bleibt abzuwarten, wie die durch die Saison kommen. Zum erweiterten Favoritenkreis zählen sicherlich auch Mannschaften wie die HSG Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg, der TSV Alt Duvenstedt oder der ATSV Stockelsdorf. Aber ich halte Schülp/Westerrönfeld/Rendsburg oder Alt Duvenstedt nicht für stärker. Wenn eine der beiden Mannschaften aufsteigen sollte und wir nicht, dann haben wir etwas falsch gemacht.

Wie wichtig wäre ein Aufstieg, um den nachrückenden A-Jugendlichen eine bessere sportliche Perspektive zu bieten?

Es wäre meiner Ansicht nach der verkehrte Weg zu sagen, wir müssen aufsteigen, weil uns sonst die Leute weglaufen. Die Schleswig-Holstein-Liga ist mittlerweile so stark, dass sie auch eine gute Basis für den Nachwuchs ist. Vielleicht sind die Spieler, die gerade frisch aus der A-Jugend kommen, in der Schleswig-Holstein-Liga sogar besser aufgehoben als in der Oberliga. Was im Umkehrschluss aber nicht heißt, dass wir nicht aufsteigen wollen, wenn wir es schaffen sollten. Und wenn jemand woanders eine bessere sportliche Perspektive sieht, dann kann man ihn sowieso nicht halten.

Werden Sie an der Spielphilosophie der HSG Eider Harde, die bekannt für ihren Tempohandball ist, etwas ändern?

Nein. Das ist ja auch mit ein Grund, warum ich bei der HSG Eider Harde zugesagt habe. Das ist genau meine Auffassung von Handball und das habe ich auch vergangene Saison mit den Frauen der HSG Kropp-Tetenhusen praktiziert. Wir waren in der Rückrunde mit Abstand die beste Mannschaft im Angriff und haben einen Großteil der Tore über die erste und zweite Welle erzielt. An der Philosophie der HSG Eider Harde wird sich nichts ändern. Ich glaube, wir können auch gar nicht anders. Wir haben nicht diese Zwei-Meter-Leute im Rückraum für die einfachen Tore. Wir müssen über schnelle Beine, über schnelle Bewegungen, über viel Spielintelligenz versuchen zum Erfolg zu kommen.

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