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Landeszeitung

17. Dezember 2017 | 22:50 Uhr

Mit Schwung ins Berufsleben

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

13 Jugendliche holen ihren Realschulabschluss nach und leisten gleichzeitig Bundesfreiwilligendienst in sozialen Einrichtungen

von
erstellt am 19.Mai.2014 | 17:19 Uhr

Um sechs Uhr morgens aufstehen, um halb sieben losgehen, arbeiten, lernen und um sechs Uhr abends wieder zu Hause sein: Für Gero Gericke (19) aus Kiel ist dieser Tagesablauf seit nunmehr fast zwei Jahren Alltag. Er beteiligt sich am Projekt „Fifty-Fifty“ des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein und der Rendsburger Volkshochschule. Die dort teilnehmenden Schüler machen in 24 Monaten ihren Realschulabschluss nach und arbeiten parallel dazu in einer sozialen Einrichtung als Bundesfreiwilligendienstler.

Trotz der Anstrengungen ist sich Gero Gericke sicher: Für seine berufliche Zukunft hat er die richtige Entscheidung getroffen. Für ihn stand immer fest, dass er seinen Realschulabschluss nachmachen möchte. Aber: „Mit dem normalen Schulsystem komme ich nicht so gut klar.“ Nach der Hauptschule absolvierte er ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Dort erfuhr er von dem „Fifty-Fifty“-Programm, das es damals jedoch nicht in Kiel gab.

Aber „Fifty-Fifty“ ist mehr als nur der Realschulabschluss, der an drei Tagen in der Woche von 16 bis 19 Uhr im Fokus steht. Im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes sind die „Schüler“ vormittags in einer sozialen Einrichtung – zum Beispiel in Kindertagesstätten oder Altenheimen – im Einsatz. „Für mich war es wichtig, auch etwas Neues kennen zu lernen“, sagt der 22-jährige Merlin Möck aus Rendsburg. Er arbeitet bei den Rendsburger Werkstätten in der Küche. „Ich leite dort die Menschen mit Behinderung an, betreue sie und helfe, wenn es mal Konflikte gibt.“ Seine Aufgabe macht ihm Spaß, denn: „Ich sehe es nicht nur als Arbeit. Ich bekomme von den Menschen sehr viel zurück.“

Stephan Mohr von der Diakonie betreut die Freiwilligendienstler. Neben der beruflichen Orientierung hat er noch einen weiteren wichtigen Effekt ausgemacht: „Die Jugendlichen haben verantwortungsvolle Aufgaben. Das unterstützt die Entwicklung der Persönlichkeit.“ Mareike Rottmerhusen (17) aus Breiholz beispielsweise betreut Demenzkranke bei der Pflege Lebensnah. „Ich kannte vorher niemanden mit der Krankheit.“ Deswegen musste sie erst lernen, damit umzugehen. „Man darf es nicht so nah an sich heranlassen“, hat sie für sich als Strategie zurecht gelegt. Allein gelassen mit ihren Erfahrungen werden die Schülerinnen und Schüler jedoch nicht. Einmal in der Woche gibt es einen Studientag, wo alle über ihre Erlebnisse reden können.

Die meisten der 13 Absolventen, die Ende Juni ihre Ausbildung beenden werden, haben am Anfang den Arbeitsaufwand unterschätzt. „Es gab Höhen und Tiefen und war nicht ganz einfach“, sagt Mohr. Merlin gibt unumwunden zu: „Ich dachte, es wird easy.“ Schnell war allen jedoch klar: Nur mit Disziplin ist der Abschluss zu erreichen. „Es ist anstrengend, aber es lohnt sich“, sagt Mareike. Die meisten der Schüler wollen weiterhin im sozialen Bereich tätig sein. Mareike, Gero und Fabian planen eine Ausbildung, nachdem sie Ende Juni ihre Abschlusszeugnisse erhalten haben.

Für alle, die in diesem Jahr ihre Ausbildung beginnen, hat Fabian Schulz aus Rendsburg noch einen guten Rat: „Unterschätzt die Arbeit und das Lernen nicht, aber es lohnt sich.“

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