Historische Gasthöfe : Mit neuem Konzept in die Zukunft

Die jahrelangen Betreiber, Gerhard und Renate Schmidt (rechts), haben die Geschicke des Gasthofes in die Hände von Tochter Kerstin und Schwiegersohn Stephan gegeben.
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Die jahrelangen Betreiber, Gerhard und Renate Schmidt (rechts), haben die Geschicke des Gasthofes in die Hände von Tochter Kerstin und Schwiegersohn Stephan gegeben.

„Zur Doppeleiche“: Hollingstedt bleibt der letzte Gasthof erhalten. Tochter übernimmt den Betrieb von Gerhard und Renate Schmidt.

shz.de von
20. Juli 2015, 13:55 Uhr

Treffpunkt der Dorfbewohner und Heimstatt auf Zeit für Durchreisende – in den Gasthöfen der Region kommen seit jeher viele Menschen zusammen. Wir stellen die Häuser mit Geschichte in einer Serie vor. Heute: „Zur Doppeleiche“ in Hollingstedt.

Seit anderthalb Jahren ist die Gastwirtschaft in Hollingstedt geschlossen. Frost- und Wasserschäden hatten seinerzeit dazu geführt, dass der Gasthof die Schotten dicht machen musste. Nur wenige Veranstaltungen, die keinen Saal benötigten, fanden seitdem vereinzelt in dem historischen Gasthof statt, der doch vorher gesellschaftlicher Dreh- und Angelpunkt der Gemeinde gewesen war und den Landfrauen, den Mitgliedern des Sportvereins und des Sozialverbandes, den Jägern, den Schützen und der Feuerwehr im großen Saal immer Platz für Zusammenkünfte und Feste geboten hatte. Nach langer Sanierungszeit ist die „Doppeleiche“ nun wieder geöffnet. Sonnabend feierte die Hollingstedter Schützengilde von 1833 dort ihren Ball in geschlossener Gesellschaft. Und es wird noch besser: Anschließend will das neue Betreiber-Ehepaar Kerstin (46) und Stephan (45) Schmidt, das bereits den gemeindeeigenen Dörpstreff in Börm bewirtschaftet, den Gasthof auch wieder für andere Vereine und die Bürger öffnen.

In den letzten anderthalb Jahren ist in der „Doppeleiche“ viel passiert. Das Gebäude wurde neu eingedeckt und mit einer neuen Heizung ausgestattet. Der Saal wurde entkernt und moderner gestaltet. Auch der Gastraum und der Clubraum wurden zeitgemäß renoviert. Eine überraschende Wendung, denn ursprünglich wollten Kerstin Schmidts Eltern, Gerhard (73) und Renate (67), die 1981 den Gasthof kauften und mehr als 30 Jahre lang in der Küche und hinter dem Tresen standen, das Gebäude veräußern, da die beiden Töchter Kerstin und Petra zu diesem Zeitpunkt noch ganz andere Lebensplanungen hatten. Doch Interessenten für das Landgasthaus zu finden, war nicht einfach. Es lief nicht so, wie man es sich vorstellte. Unter Preis wollte das Ehepaar Schmidt senior aber auch nicht verkaufen.

Also wurden die Karten nochmal neu gemischt und Kerstin Schmidt entschied sich, doch das gastronomische Erbe ihrer Eltern anzutreten, aber mit einem ganz neuen Konzept. „Die ,Doppeleiche’ soll ein Veranstaltungshaus werden. Der Wandel in der Gesellschaft macht sich bemerkbar. Tägliche Öffnungszeiten in Landgasthöfen ohne touristisches Umfeld sind nicht mehr rentabel“, sagt Stephan Schmidt. Folglich werde kein Tagesgeschäft angeboten. Der Gasthof stehe aber für alle Veranstaltungen, Feiern, Feste, Geburtstage und Tagungen zur Verfügung – auch mit vollem Programm, mit Speisen und Getränken nach Wahl. Spezielle Menüangebote wie Spargel- und Grünkohlessen oder Brunch sollen im Angebot ebenfalls enthalten sein. Speisen nach Wahl werde es auch weiterhin außer Haus geben. „Dieses Konzept hat sich in Börm bewährt. Wir machen dies dort seit 2010 sehr erfolgreich. Wir öffnen unsere Türen für das Dorfleben“, sagt Kerstin Schmidt. „Wir gehen mit dem neu gestalteten Gasthof, dem neuen Konzept und dem neuen Logo ,Mit Schmidt’ in die Zukunft und hoffen auf viel Zuspruch.“

Nachdem die früheren Gastwirtschaften „Zur Treene“ und „Bols“ bereits 1978 und 2005 ihre Pforten in Hollingstedt geschlossen haben, ist Bürgermeisterin Petra Bülow froh, dass der Gasthof „Zur Doppeleiche“ bleibt. „Die Familie Schmidt hat in den zurückliegenden Monaten mit sehr viel Engagement und Arbeit ihren Gasthof saniert und modernisiert und kann heute sehr stolz auf eine der wohl schönsten Gasthöfe im ländlichen Raum sein. Wir in Hollingstedt freuen uns jedenfalls darauf, nach eineinhalb Jahren nun endlich wieder Feste dort feiern zu können“, sagte die Bürgermeisterin.

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