Mit Horn, Hellebarde und Laterne

Stadtführung bei Nacht: Patrick Goeser (re). zeigt das historische Rendsburg von einer unbekannten Seite.  Foto: Wickers
Stadtführung bei Nacht: Patrick Goeser (re). zeigt das historische Rendsburg von einer unbekannten Seite. Foto: Wickers

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03. Mai 2010, 07:14 Uhr

Rendsburg | Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es sie in allen Städten. Sogar in einigen Dörfern waren sie vertreten: die Nachtwächter. Als ehrbare und waffenfähige Bürger einer Stadt gingen nachts durch die Gassen, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Doch mit der Einführung einer flächendeckenden Strom- und Gasversorgung sowie Straßenbeleuchtungen wurde dieses Berufsbild bald überflüssig. So zieht der Rendsburger Nachtwächter Patrick Goeser nun im Auftrag der Tourist-Information Nord-Ostsee-Kanal durch die historische Altstadt und Teile des Neuwerks.

"Was ich euch heute berichte, entspricht der Wahrheit", beteuert Goeser zu Beginn des Rundgangs. "Ein Nachtwächter lügt schließlich nicht", fügt er grinsend hinzu. Ausgestattet mit Horn, Hellebarde und Laterne präsentiert der Stadtführer die Rendsburger Geschichte in mittelalterlichem Flair "möglichst ohne viele Zahlen und Daten". Er erzählt jene Geschichten und Anekdoten, die bei einer herkömmlichen Stadtführung meistens ausgelassen werden. Seine Lieblingsgeschichte ist nach eigenen Angaben die des Soldaten Jonas, der in den Gewölben unterhalb des Schloßplatzes den Leibhaftigen angebetet haben, erwischt, angeklagt und infolgedessen 1724 hingerichtet worden sein soll. "Ich erzähle hier nur eine Kurzfassung der Jonas-Geschichte", so Goeser. Seine Informationen habe er dabei dem Roman "Aufgegebene Zeiten" des Stadthistorikers Edward Hoop entnommen.

Goesers Tour lebt vor allem von seiner Flexibilität. "Ich passe meinen Rundgang der jeweiligen Situation an", erklärt der Rendsburger. Vor allem bei schlechtem Wetter nehme er Rücksicht auf seine Begleiter. Einige Fixpunkte, die bei jeder Nachtwächterführung angelaufen werden, gibt es dennoch. So zum Beispiel Schiffbrückenplatz, Laboratorium, Altstädter Markt, St. Marienkirche und Schloßplatz. "Das sind immer die Stationen, bei denen ich in das Nachtwächter-Horn blase und meine Verse singe", so Goeser.

Gut eineinhalb Stunden dauert der Rundgang durch Altstadt und Neuwerk, der sich großer Beliebtheit erfreut. "Meistens sind es etwa 15 bis 20 Teilnehmer dabei", sagt Stadtführer Goeser, der Jung und Alt bereits seit drei Jahren in der Dämmerung als Nachtwächter durch Rendsburg führt.

Öffentliche Führungen gibt es im Schnitt einmal im Monat und werden rechtzeitig in der Landeszeitung angekündigt. Dabei wird jedoch ob der Popularität dieses Angebots stets um eine Anmeldung unter 0 43 31 / 2 11 20 gebeten.

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