Rendsburg neu erleben : Mit Hoffnung durch die Innenstadt

Einst und heute:  Das historische Bild zeigt das Torhaus vom Alt Holsteiner Tor, jetzt steht dort das Haus Struwe.
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Einst und heute: Das historische Bild zeigt das Torhaus vom Alt Holsteiner Tor, jetzt steht dort das Haus Struwe.

Einmal im Monat bietet Hans-Otto Kühl Wandern mit spirituellen Elementen an. Das Interesse ist groß: Es kommen Stammpublikum und Touristen.

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28. Juli 2014, 11:38 Uhr

Am Anfang steht ein Zitat. Hans-Otto Kühl setzt die schwere Umhängetasche auf einer Bank am Lornendenkmal ab, zieht einen dicken Ordner heraus. All jene, die schon des öfteren mit ihm durch die Stadt gewandert sind, kennen das Ritual. „Hoffnung“ lautet das Motto dieses Tages. Kühl liest vor: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas einen Sinn hat – egal wie es ausgeht.“ Das müssen die Wanderwilligen erst einmal verdauen.

„Wandern durch Rendsburg mit spirituellen Elementen“ wird im Freizeit- und Kulturprogramm der Stadt angeboten. Schon viele Male ist Kühl die Tour gelaufen. Oft unter ähnlichen Stichworten und auf ähnlichen Wegen. Aber jede Wanderung ist anders. Denn Kühl sucht den Dialog mit seinen Gästen. Mit einer weiten Armbewegung deutet er auf den Stadtpark. „Welcher Zusammenhang bestehen zwischen dem Park und der Hoffnung?“, will er wissen. Karin Pollak, die zu den Stammgästen der Kühl-Touren zählt, fällt sofort das berühmte Luther-Zitat vom Apfelbäumchen ein: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“. Der Setzling als Zeichen der Hoffnung.

Karin Pollak ist selbst Führerin: In der St. Marien-Kirche. In der Gemeinde engagiert sich auch Hans-Otto Kühl (Jahrgang 1946) auf vielfältige Weise. Auch als städtischer Führer hat er Erfahrung. Aber er legt Wert darauf, dass die „spirituellen Elemente“ nicht nur aus christlicher Sicht zu sehen sind, sondern Menschen jeden Glaubens ansprechen sollen. So stammt sein Eingangszitat auch nicht aus Kirchenkreisen, sondern vom dem tschechischen Dichter und Politiker Vaclav Havel. Und so verknüpft er die Hoffnung immer wieder mit historischen Elementen der Stadt. Wie am Park neben dem Lornsendenkmal.

Die Wanderer wandeln unter dem dichten Blätterdach der hohen Bäume, freuen sich über die Kühle und blicken nach oben: Esskastanien, Silberahorn, Mammutbaum, Walnuss und Gingko entdecken sie. Die teilweise exotischen Gewächse kamen auf ungewöhnliche Weise in die Stadt, berichtet Kühl. Das Gelände sei einst Eidersumpf gewesen. Als die Bastion Rendsburg abgebrochen wurde, schüttete man das Material hier auf. Der Verschönerungsverein bat dann im Ausland lebende Rendsburger, Baumsaat zu schicken. Diese wurde großzügig auf dem Gelände verteilt – in der Hoffnung auf einen schönen Park. Als den Wanderern eine Frau begegegnet, die nach dem Weg fragt, wird ihr natürlich geholfen. „Hans-Otto Kühl ist so herzlich“, schwärmt Sigrid Biemann, die immer wieder mit wandert. Mal hat die Tour zwölf Teilnehmer, mal nur einige wenige.

Kühl kennt sich aus – mit Stadtführungen genauso wie mit Wanderungen. 2006 ist er mit seiner Frau den kompletten Jacobsweg entlang gepilgert, wandert ihn etappenweise immer wieder. Unter anderem mit behinderten Menschen, „um ihnen Selbstbewusstsein zu geben“. Glaube und Kirche prägen das Leben von Hans-Otto Kühl. In Angeln geboren, lebte er als Kind kurze Zeit in der Rendsburger Wilhelmstraße, bevor ihn der Beruf wieder in die Kanalstadt führte. Er arbeitete als Ingenieur bei der Schleswag, bevor er den Ruhestand nutzte, sein Rendsburg-Wissen auf verschiedene Weise weiter zu geben.

Wo der Stegen die Straße Am Holstentor kreuzt, zückt der Wanderführer noch einmal einen seiner zahlreichen Ordner. „Früher hatte ich bei Vorträgen immer einen Projektor zur Verfügung“, sagt er. Den müssen jetzt die eingeschweißten Pläne und Bilder ersetzen. Ein altes Foto zeigt das Torhaus vom Alt Holsteiner Tor. Dort steht heute das Haus Struwe. Es wird verglichen, Kühl erzählt historische Details.

Dann geht es weiter. Aber egal, wie diese Wanderung ausgeht – die Hoffnung auf eine weitere Tour haben die Teilnehmer. Und einen Sinn hatte der Rundgang in jedem Fall. Nämlich, das Wissen über die Heimat auf eine sehr angenehme Art zu vertiefen.

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