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Bier selbst brauen : Mit hellem Bockbier zur Meisterschaft

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hobbybrauer Bernd Drescher, Maler aus Erfde, fährt zum Wettbewerb nach Stralsund. Das Siegerrezept wird in großem Umfang nachgebraut.

Aller Anfang ist schwer. Die ersten beiden Male braute Bernd Drescher sein Bier in der heimischen Küche. „Da ist er dann aber rausgeflogen“, schimpft Ehefrau Karin heute noch. Der Grund: Dem „Braumeister“ war im Einweckkocher die Maische „übergekocht“. Diese hatte sich dann wie Klebstoff in der Küche ausgebreitet. Heute braut Drescher etwa vier- bis fünfmal im Jahr verschiedene Biersorten in seiner Werkstatt. Alles ist vorschriftsgemäß beim Zoll angemeldet. Von Sohn Jörgen und Ehefrau Karin bekam er extra zu Weihnachten ein automatisches Rührgerät geschenkt. Und an diesem Wochenende will es der Mann aus Erfde wissen. Er nimmt in Stralsund an der ersten Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer teil.

Eigentlich ist Bernd Drescher (54) von Beruf Malermeister. „Ich bin seit 25 Jahren als Ein-Mann-Betrieb selbstständig und muss ständig irgendetwas Kreatives tun“, so Drescher. Vor zwei Jahren erlitt er einen Arbeitsunfall. „Die rechte Hand war kaputt und ein dreiviertel Jahr musste ich als Maler aussetzen“, fährt er fort. In der Klinik beschaffte er sich Fachliteratur über die Kunst des Bierbrauens. „Ich hatte ja Zeit, die Theorie des Brauens zu studieren“, schmunzelt er heute. Über das Internet bestellte er dann ein „Einsteiger-Brau-Set“ und die entsprechenden Zutaten für das Brauen.

Ehefrau Karin (51) und Sohn Jörgen (29) mussten ihm zur Hand gehen. „Karin musste das Wasser kochen und schleppen und Jörgen musste permanent die Maische rühren“, erzählt er. „Wir haben das gern gemacht und uns gefreut, dass er trotz seiner Verletzung wieder zufriedener wurde“, erinnert sich Karin Drescher. Doch diese Zeiten sind ja dank des automatischen Rührgerätes vorbei.

Etwa acht Stunden benötigt man für einen Brauvorgang von 20 Litern Bier. Das „Meisterschaftsbier“ soll laut Ausschreibung ein „helles Bockbier unter- oder obergärig“ sein, die Stammwürze bei „mindestens 16 Grad Plato“ und der Alkoholgehalt „bei etwa 6,5 Prozent“ liegen. Nach einer genauen Rezeptur hat Drescher sein Bier schon lange fertig. „Das Abwiegen und Protokollieren macht meine Frau“, so der Hobbybrauer. Rund sechs Wochen muss es bei zehn Grad Celsius in der Flasche gären. „Ich habe einen Hauptguss von 14 Litern und einen Nachguss von 18 Litern Bier fachgerecht eingelagert“, erklärt Drescher. „Welches ich für den Wettbewerb mit nach Stralsund nehme, entscheide ich kurz vorher“, erklärt er.

Auf jeden Fall hat er von einem Notar schon seine Kennnummer erhalten. Die eingereichten Biere werden nämlich von Sommeliers und Bierexperten in einer Blindverkostung bewertet. Zusätzlich zum Wettbewerbs-Bier hat Drescher noch weiteres Bier für einen Zuschauerwettbewerb dabei. Denn das Publikum und Experten bestimmen bei dem Event das schmackhafteste Bier. Hier setzt Drescher auch ganz bewusst auf das Regionale. Sein Bier heißt „Stopelholmer Soot“ (Brunnen) und als Hinweis ist zu lesen „Broet no dat düütsche Reenlichkeitsbotten vun 1516 vun Molermeester Drescher ut Arf“. Das Logo hat Sohn Jörgen entworfen. Er bereitet sich zurzeit auf seine Malermeisterprüfung vor. „Wir sind jetzt aufgeregt wie kleine Kinder vor Weihnachten“, erzählt Ehefrau Karin. Jetzt ist die Familie bereits in Stralsund und hofft darauf, dass Bernd am 29. Juli um 18.30 Uhr zum ersten Deutscher Meister der Hobbybrauer gekürt wird. Dann wird sein Bier mit seiner Rezeptur im größeren Umfang von der Störtebeker Braumanufaktur nachgebraut. Und auch hier hat Drescher schon wieder einen Plan. „Vierzig Kisten bekomme ich dann nach Erfde geliefert, und denn geht hier die Post ab“, so der Malermeister.

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erstellt am 28.Jul.2017 | 12:57 Uhr

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