zur Navigation springen

Lütjenwestedt : Mit Fernglas und Handy auf Kiebitz-Tour

vom

Vogelschützerinnen markieren die Nester der Wiesenvögel.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 08:58 Uhr

Lütjenwestedt | Der Kiebitz ist ein beeindruckender Flugkünstler und an seinen schwarzen Flügelenden gut zu erkennen. Früher hörte man den charakteristisch pfeifenden Ruf im Frühjahr allerorten über dem Grünland. Die Kiebitze balzen und fangen im April an, ihre Gelege mitten auf den Wiesen auszubrüten. Doch die intensive Bewirtschaftung der Wiesen und Äcker hat den Vögeln das Leben schwer gemacht. Immer wieder werden die Gelege beim Schleppen und Walzen zerstört. Durch den "Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutz" möchte die "Interessengemeinschaft zum Erhalt des Zwergschwans in der Haaler Au Niederung" die letzten verbleibenden Kiebitze und andere Wiesenvögel schützen. Ute Hebbeln hat sich dieser Aufgabe vor drei Jahren angenommen. Sie und andere ehrenamtliche Gebietsbetreuer suchen nun Jahr für Jahr die Wiesen und Äcker ab, um die Gelege der Kiebitze und anderer Wiesenbrüter zu markieren. Sie spricht mit den Landwirten, denen diese Wiesen gehören und versucht, diese zu überzeugen, die Umgebung der Gelege bei der Bewirtschaftung auszusparen. Für jeden Hektar, den ein Landwirt dann für eine Weile nicht bearbeitet, wird er von der Landesregierung entschädigt. Dies geschieht alles auf freiwilliger Basis.

Unterstützt wird Ute Hebbeln in diesem Jahr von der Biologin Heike Jeromin und der Umweltwissenschaftlerin Anne Evers bei der Suche nach Gelegen. Sie haben schon große Erfahrung im "Gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutz" in der Eider-Treene-Sorge-Region und bilden nun die ehrenamtlichen Gebietsbetreuer aus.

Mit Ferngläsern bewaffnet, fahren die Frauen langsam die Landstraßen und Spurbahnen ab. Entdeckten sie Kiebitze auf einer Wiese oder in der Luft, schauten sie genauer hin. Aus der Ferne, im Auto "getarnt", werden die Wiesen mit dem Fernglas abgesucht. "Das Auto funktioniert wie ein Tarnzelt. Wenn wir einfach über die Wiesen laufen, scheuchen wir die Vögel nur auf und so können wir die Gelege nie finden", erklärt Heike Jeromin.

Wichtig sei es, die Vögel zu entdecken, wenn sie noch auf ihren Gelegen sitzen. Dann hieß es anpeilen und möglichst gerade darauf zulaufen. Ist der Vogel erst einmal aufgeflogen, haben die Vogelschützerinnen kaum eine Chance, das Nest wiederzufinden. Deshalb arbeiten sie am liebsten zu zweit. Eine bleibt im Auto und lässt die Stelle, an der der Vogel saß, nicht aus den Augen. Per Mobiltelefon dirigierte sie die andere, die sich möglichst vorsichtig dem Nest zu nähern versucht, um es mit zwei Bambusstäben zu markieren.

Erfolgserlebnisse und Rückschläge bestimmten die Arbeit. Auf einer Wiese, auf der sich tags zuvor noch etliche Kiebitze getummelt hatten, wurde nun frisch gewalzt und geschleppt, noch bevor ein einziges Nest markiert werden konnte. Doch die Naturschützerinnen geben nicht auf. "Bis zu vier Mal legen die Kiebitze bei Verlusten neue Nester an", erklärt Anne Evers. Und einige Gelegen könnten sie an diesem Nachmittag noch ausmachen finden und vor der Zerstörung bewahren. Dass diese Aktionen langfristig erfolgreich sind, hat sich in der Eider-Treene-Sorge Region schon gezeigt. Weitere Informationen: Ute Hebbeln, Telefon 04872/7933.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen