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Landeszeitung

21. Oktober 2017 | 19:33 Uhr

Mit der Transall im Ruhestand gelandet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach über 9000 Flugstunden und 37 Jahren bei der Bundeswehr wurde Stabshauptmann Gerit Pietryga gestern in Hohn verabschiedet

shz.de von
erstellt am 29.Aug.2014 | 06:00 Uhr

Pünktlich um 10.30 Uhr landete Gerit Pietryga gestern auf dem Flugplatz Hohn und stieg aus der Transall aus. Mit dem Verlassen der letzten Stufe hatte der 57-Jährige wieder festen Boden unter den Füßen und machte den letzten Schritt in den Ruhestand. Fester Boden ist dabei nicht unbedingt das gewohnte Terrain des Stabshauptmanns, der es in seinem Fliegerleben auf überdurchschnittliche 9000 Flugstunden brachte.

9007 Stunden und 25 Minuten um genau zu sein: Über 375 Tage seines Lebens verbrachte Pietryga in Einsatzflugzeugen der Bundeswehr. „Für Pflichterfüllung und Einsatzbereitschaft spreche ich Dir meinen Dank aus“, sagte Oberstleutnant Thies Voigt, stellvertretender Kommodore des Luftwaffengeschwaders (LTG) 63, übergab die Urkunde über den letzten Flug und verabschiedete sich mit einer herzlichen Umarmung von seinem Kameraden. Dann schloss Gerit Pietryga seine Ehefrau Anke in die Arme, musste sie aber für einen allerletzten Flug auf dem Rollfeld zurücklassen. In einer Miniatur-Transall sitzend, wurde der gebürtige Bremer – ganz der Tradition entsprechend – über das Feld gezogen und dabei aus der Spritze eines Löschfahrzeugs „unter Beschuss“ genommen. „Zum Glück ist das Wetter perfekt“, sagte er völlig durchnässt nach der freiwillig-unfreiwilligen Abkühlung. „Bestes Pensionierungswetter“, gab es einen kleinen Seitenhieb von LTG-Sprecher Stabsfeldwebel Thomas Bagemühl.

Mitte der 1970er Jahre war Pietrygas Weg vorgezeichnet. Die Werkstatt in Wilhelmshaven, wo er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker machte, lag genau in der Einflugschneise des Fliegerhorstes Jever. Zu einem Gesellen habe er damals gesagt: „Da oben will ich drin sein.“ Pietryga holte das Abitur nach und wurde Zeitsoldat bei der Bundeswehr. Los ging es als Flugzeugführeranwärter in Budel (Niederlande). 1981 wurde er beim LTG 62 in Wunstorf in der zweimotorigen Dornier Do 28 und der Transall geschult. Im Folgejahr kam Pietryga zum LTG 63 nach Hohn, wurde dort 1987 Kommandant und 1993 Fluglehrer.

An seinen ersten Auslandsflug mit der Transall kann er sich noch gut erinnern. „Das war 1981 nach Decimomannu auf Sardinien.“ Es folgten noch zahlreiche weitere Übungen und Einsätze. „In den 1980ern waren es zeitweise über 500 Flugstunden pro Jahr, darunter Afrika-Einsätze bei der Äthiopien-Hilfe oder der Operation Lifeline im Sudan.“ Als besonders dramatisch empfand Pietryga die Nachtflüge über Ost-Bosnien während der Balkankonflikte in den 1990ern. Von Frankfurt aus ging es über Alpen und Adria über das ehemalige Jugoslawien. Da es Nacht war, habe man die Kampfhandlungen und Feuergefechte eindeutig sehen können. „Ich war viele, viele Stunden da oben – und es war nicht immer lustig.“ Doch auch schöne Momente bleiben. So zum Beispiel eine Übung im Sommer in Alaska – „eine wahnsinnig schöne Landschaft“. Von der Welt hat Pietryga sehr viel gesehen, meistens von weit oben. „Der Blick aus dem Cockpit wird nie langweilig.“

Dennoch: Das Kapitel Selberfliegen sei für ihn nun abgeschlossen. „So wie wir Fliegen verstehen, mit unseren Sicherheitsstandards – das lässt sich privat nicht leisten“, betont der Flugsicherheitsoffizier . Vermissen werde er es natürlich, „vor allem aber auch die Kameradschaft und die Nähe zum Zeitgeschehen“. Langeweile wird es jedoch nicht geben. Mehr Zeit bleibt für Dinge, die sonst zurückstecken mussten. Unter anderem ist der 57-Jährige Fährmann beim Hohner Fährverein und sitzt in der Hohner Gemeindevertretung. Schon im September geht es auf große und gemächliche Fahrt. Dann nimmt er mit seinem Oldtimer-Trecker an der Traktor-WM in Österreich teil.

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