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Meeresbiologin aus Büdelsdorf : Mit der „Polarstern“ in die Antarktis - und zur Queen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Als Kind durfte Katrin Linse die „Polarstern“ nicht besichtigen. Ihren Forscher-Traum machte die Büdelsdorfer Meeresbiologin trotzdem wahr.

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2014 | 09:33 Uhr

Nicht jeder Satz, den ein bockiges und beleidigtes Kind von sich gibt, muss ernst genommen werden. Doch es steckte damals mehr dahinter, als die zwölfjährige Katrin Linse trotzig behauptete: „Ich werde als Meeresbiologin mit der ‚Polarstern‘ in die Antarktis fahren.“ 1982 durfte das noch nicht ganz fertige Forschungsschiff besichtigt werden, doch Kindern war der Zutritt zum Nobiskrug-Werftgelände nicht gestattet. Mittlerweile hat die international renommierte Meeresbiologin diverse Fahrten auf der „Polarstern“ unternommen und war mit dem Eisbrecher mehrfach in der Antarktis.

Katrin Linses Leidenschaft für die Meeresbiologie wurde schon früh geweckt. Im Dänemark-Urlaub 1975 zeigten ihr ein paar Studenten aus Kiel, die im Nachbarzelt wohnten, wie man Seeigel präpariert. Die beiden Exemplare, die noch heute im Keller von Mutter Doris in Büdelsdorf aufbewahrt werden, hatte sie als Fünfjährige bei dänischen Fischern aus dem Netz geholt. Der Weg zur Polarforscherin war geebnet, von ihm ließ sich die gebürtige Eckernförderin nicht mehr abbringen. Dem Abitur auf dem Gymnasium Kronwerk folgte eine Ausbildung zur Chemisch-technischen Assistentin in Neumünster, anschließend ab 1991 ein Zoologie-Studium an der Kieler Universität – Schwerpunkte waren dabei unter anderem Biologische Meereskunde und Physikalische Ozeanographie. Im Jahr 2000 promovierte sie in Hamburg. In ihrer Doktorarbeit befasste sie sich mit Muscheln und Schnecken aus dem südamerikanischen Raum und deren biogeografischen Beziehungen zum Antarktischen Ozean.

Zum ersten Mal setzte Katrin Linse 1996 einen Fuß auf die „Polarstern“ – allerdings nicht in der Antarktis. Von der chilenischen Siedlung Puerto Williams ging es per Schlauchboot zur „Polarstern“. „Dann haben wir eine Woche lang vor Kap Hoorn Proben gezogen. Die waren der Grundstein für meine Doktorarbeit“, erzählt die 43-Jährige. Ihr „Versprechen“ aus dem Jahr 1982 machte sie 1998 wahr, als es auf dem Forschungsschiff erst in die antarktische Weddelsee und dann zur britischen Forschungsstation Rothera ging. Dort erhielt sie wenig später für dreieinhalb Monate einen Platz als Gastwissenschaftlerin.

Seit 2000 hat Katrin Linse in England ihren Lebensmittelpunkt. Mit ihrem Mann Peter Enderlein, den sie während des Studiums kennenlernte, und Sohn Tim (5) wohnt sie bei Cambridge. Die Eheleute sind dort beim Polarforschungsprogramm British Antarctic Survey (BAS) tätig. Sie ist mittlerweile Leiterin ihrer eigenen Arbeitsgruppe, er ist unter anderem für die biologische Unterwassertechnik verantwortlich.

Durch ihre Forschungen kam Katrin Linse auch mit dem britischen Königshaus in Berührung. 2007 traf sie Prinzessin Anne bei der Eröffnung des Internationalen Polarjahres in der Royal Society. 2012 gehörte sie zu den geladenen Gästen im Buckingham Palast anlässlich der 100-Jahr-Gedenkfeier der Südpol-Expedition von Robert Falcon Scott und wechselte ein paar Worte mit Queen Elizabeth.

Mittlerweile hat Katrin Linse – alle Aufenthalte zusammengerechnet – gut zwei Jahre in der Antarktis verbracht. Neben Büdelsdorf und Cambridge ist sie so etwas wie ihr drittes Zuhause, Weihnachten 2014 wird sie wieder dort sein. Die Forschung, etwa das Entdecken von so genannten hydrothermalen Quellen wie den so genannten Schwarzen Rauchern am Grund der Tiefsee, begeistert sie noch immer: „Was ich gesehen habe in meiner Welt, das habe ich mir so nie vorstellen können.“ Im Frühjahr 2013 ging für sie eine achtjährige „Polarstern“-Durststrecke zu Ende. Die Zuneigung zu dem Schiff ist ungebrochen. „Für mich ist die ‚Polarstern‘ das beste Polar-Forschungsschiff der Welt. Daran hängt mein Herz.“

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