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Immer schön auf den Nebenstrassen bleiben : Mit dem Trecker auf Europa-Tour

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Peter Thomsen (64) aus Erfde begibt sich auf eine 5000-Kilometer-Reise auf den Spuren der Weltkriege – mit einem Trecker, der fast so alt ist wie er selbst.

Mit einem Oldtimer-Trecker durch Europa auf den historischen Spuren der beiden Weltkriege – für Peter Thomsen (64) aus Erfde war das ein lang gehegter Wunsch, den er nun in die Tat umsetzt. Heute startet er mit seinem Allgaier R 22, Baujahr 1949, und einem Wohnwagen von 1978 im Schlepptau.

Thomsen ist aufgeregt: „Ständig überlege ich, ob ich an alles gedacht habe.“ Dabei ist er erfahren, was große Touren angeht, denn vor 16 Jahren war er schon einmal mit seinem Allgaier unterwegs, allerdings nur in Deutschland und nicht, wie jetzt, im europäischen Ausland. Seine erster Anlaufpunkt ist die Stadt Pisz (Johannisburg) in Polen. Sie ist Patenstadt des Kreises Schleswig-Flensburg und für Peter Thomsen nicht unbekannt: „Im Jahr 2001 bin ich das erste Mal mit dem Kreisfeuerwehrverband dort gewesen“, erzählt der Ehrenwehrführer der Erfder Wehr. Als mittlerweile pensionierter Realschullehrer an der Stapelholm-Schule habe er zudem vor zehn Jahren einen Schüleraustausch mit Pisz organisiert. Somit führt ihn ein Weg für einen Vortrag zur Partner-Schule. Mit der Lehrerin habe er bereits Kontakt aufgenommen, seine Fahrt werde dort als Schulprojekt bearbeitet und ihm wurde zugesagt: „Wenn du wirklich mit deinem Trecker kommst, binden wir dir eine Girlande.“

Dafür hat die Schule noch genügend Zeit, denn mit 22 PS bei einer Höchstgeschwindigkeit von 18 km/h wird die 5000 Kilometer lange Treckerfahrt gemächlich verlaufen. Über Lübeck an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns entlang geht es nach Polen und in Richtung Masuren. Zuvor will Peter Thomsen einen Abstecher nach Rastenburg (heute: Ketrzyn) machen und dort die Gedenkstätte an der ehemaligen Wolfsschanze besuchen.

Thomsen hat fast 40 Jahre lang Geschichte unterrichtet. Daher rühre auch sein Interesse an den historischen Orten der beiden Kriege, die ihn zu der Fahrt bewogen haben. „Ich wollte diese Tour im Hinblick auf den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren, des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren und dem Fall der innerdeutschen Grenze vor 25 Jahren machen. Ohne Wegfall der Teilung könnte ich nicht nach Polen fahren, das muss man sich mal überlegen“, so Thomsen. Warschau, Krakau und die KZ-Gedenkstätte Auschwitz sind weitere Besichtigungs-Stationen in Polen, bevor er über die Slowakei und Österreich nach Frankreich tuckert. Dort steuert er Verdun und die ehemaligen Festungsanlagen, Schauplatz eines der schrecklichsten Schlachten im Ersten Weltkrieg, an.

Von dort aus geht es zurück nach Deutschland und nach Erfde, wo er seine Rückkehr für den September plant. Pro Tag möchte er an die 100 Kilometer zurücklegen, sofern sein betagtes Fahrzeug und sein Körper die Tortur mitmachen, und dabei möglichst viel Land und Leute erleben. Werkzeug, Ersatzleuchten und eine Kupplungsscheibe hat er mit an Bord, sowie Navi, Campingplatzführer, Handy und ganz wichtig: einen Fotoapparat, um die Eindrücke und Erlebnisse einzufangen. „Außerdem brauche ich sehr viel Wasser, denn mein Allgaier hat eine Verdampferkühlung. Da werde ich oft mit dem Nachfüllen beschäftigt sein“, sagt Thomsen.

Wo es ihm gut gefällt, möchte er auch mal ein oder zwei Tage länger bleiben. Sollte er auf dem Weg nach Pisz eine Panne haben, hoffe er auf die Hilfsbereitschaft und Improvisationskunst der Polen, die er ebenso wie die landestypische Küche zu schätzen weiß.

Und Thomsen hat noch eine ganz besondere Vorsichtsmaßnahme getrroffen: „An meinem Wohnwagen kleben Feuerwehr-Aufkleber, die sind international bekannt. Feuerwehrangehörige sind überall im Ausland angesehen, das wird mir helfen, wenn ich Unterstützung brauche“, weiß Thomsen. Fahren wird er auf Nebenstrecken, Hauptverkehrsachsen möchte er meiden, ebenso wie die starken Steigungen in den Alpen, um seinen Trecker zu schonen. Sollte es dennoch passieren, dass der Oldtimer seinen Geist aufgibt, kann er sich auf seine Erfder Feuerwehrkameraden verlassen: „Die haben mir versprochen, mich abzuholen, egal wo ich bin.“

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