Mit Ausfällen ist zu rechnen

Vier  Tage ohne Festnetz: Blick auf marode Kabel bei Reparaturarbeiten Ende Juli. Foto: blunck
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Vier Tage ohne Festnetz: Blick auf marode Kabel bei Reparaturarbeiten Ende Juli. Foto: blunck

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16. September 2010, 07:05 Uhr

Friedrichsgraben | In alte Zeiten zurückversetzt fühlen sich die Einwohner der kleinen Gemeinde Friedrichsgraben - in Zeiten, als es nur einen Telefonanschluss im Dorf gab. Seit 1921 ist der abseits gelegene Ort an das Telefonnetz angeschlossen. Der erste Apparat stand als "Öffentlicher Fernsprecher" im Haus des damaligen Bürgermeisters Heinrich Kuhrt, Großvater des langjährigen "Vossbarger" Dorf-Chefs Helmut Kuhrt. Nun sollte man annehmen, dass diese technische Errungenschaft längst die Kinderkrankheiten hinter sich gelassen hat. Dem ist aber nicht so.

Seit geraumer Zeit fallen immer wieder Telefone in der 65-Einwohner-Gemeinde aus - im einen Haus drei bis vier Tage, im anderen einen Tag. Landwirt Peter Koll musste sogar zusammenhängende drei Wochen auf seinen Anschluss verzichten. Ende Juli war sogar ganz Friedrichsgraben vier Tage ohne Telefonverbindung.

Wenn der Arbeitstrupp im Auftrag der Telekom anrückt, um die Fehlfunktion zu beheben, wird erst mal gebuddelt, um eine Muffe, eine der 56 (!) Flickstellen zwischen Friedrichsgraben und Friedrichsholm zu finden. Mit einem Prüfgerät kann dann der Schaden bis innerhalb von etwa 300 Metern Entfernung geortet werden. Zuschauer bei den Erdarbeiten trauten ihren Augen nicht: Sie erblickten poröse, ausgefranste Leitungen, die seit etwa 40 Jahren in dem feuchten und schwankenden Moorboden liegen. Deutlich zu sehen sind Teile der Kabelummantelung mit einem Material, das die Arbeiter mit "Pappmaché" bezeichneten.

In Friedrichsgraben gibt es fünf Landwirte mit Rindern, einen Schweinezuchtbetrieb und einen Ponyhof. Telefoniert werden muss auch hier immer: Mit dem Tierarzt, um das Futter zu bestellen oder um die gesetzlichen Auflagen rund um den Betrieb weiterzugeben.

Ärgerlich ist auch Friedrichsgrabens Bürgermeisterin Linda Derner, die selbst kürzlich "ohne Anschluss" war. "De ölleren Lüüd in uns Dörp hebbt keen Handy, se sünd op ehr Telefon anwiest. Dat Telefonieren mutt klappen." Da müsse sich die Telekom eine vernünftige Lösung einfallen lassen, meint die Bürgermeisterin. "Wir bezahlen schließlich dafür", empört sie sich. Anrufe bei der Störungsstelle führten erst nach mehreren Versuchen zum Erfolg. Und bei einem Anruf an einem Donnerstag sei sie von der Telekom mit der Antwort "Vor Montag kommen wir nicht" vertröstet worden.

Angesichts der schwierigen Bodenverhältnisse schlägt Derner vor, die Leitung im Dorf neu zu verlegen, und zwar oberirdisch, bis das Leerrohr für die Breitbandversorgung in den Erdboden gebracht wird. Und das wird wohl noch etwas dauern. Wie berichtet, ist kürzlich mit mehreren Ämtern ein Zweckverband gegründet worden, um ein schnelleres Internet einzurichten.

Telekom: "Kein erhöhtes Störungsaufkommen"

Wie von einem anderen Stern klingt da die Erklärung der Telekom, die Pressesprecherin Stefanie Hall auf Anfrage der Landeszeitung per E-Mail schickte: "Nach eingehender Prüfung konnten wir kein erhöhtes Störungsaufkommen in Friedrichsgraben feststellen. Sollte es zu Störungen kommen, ist dies nicht auf veraltete Leitungen zurückzuführen. Das Netz der Deutschen Telekom ist eines der modernsten der Welt. Die Hauptursache bei Störungen von Glasfaser-oder Kupferleitungen sind meistens unsachgemäße Tiefbauarbeiten oder Wasserschäden durch starke Witterungseinflüsse. In solchen Fällen sind unsere Techniker sofort zur Stelle, um den Schaden zu beheben und die Kunden wieder ans Netz zu bringen."

Allerdings räumt die Pressesprecherin auch ein, dass es bei rund drei Millionen Kundenkontakten pro Woche "leider auch zu Fehlern kommen" könne. Weiter schreibt die Telekom-Frau: "Sollte ein Kunde einen Schaden durch einen Telefonausfall erlitten und nachweisen können, dann kann er das jederzeit beim Kundenservice melden, und eine Entschädigung wird geprüft."

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