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Hohenwestedt : Mit 15 000 jungen Bäumen fing es an

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Eine neue Ausstellung im Hohenwestedter Heimatmuseum erinnert an die 125-jährige Geschichte des Parks „Wilhelmshöhe“.

Mit leichter Verspätung präsentiert das Heimatmuseum Hohenwestedt eine Jubiläumsausstellung zum Park „Wilhelmshöhe“. Ab dem 22. Februar werden einen Monat lang viele Fotos und Dokumente zur Geschichte des Parks gezeigt, dessen 125-jähriges Bestehen 2014 gefeiert wurde. „Zum Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen mit dem steigenden Wohlstand in Hohenwestedt auch das Selbstbewusstsein und die Unabhängigkeit der Bürger“, vermerkt Museumsvereins- Chef Heino Redinger: „Dies drückte sich nicht nur in der wohn- und straßenbaulichen Gestaltung des Ortszentrums aus, sondern auch in der Schaffung eines Naherholungsbereichs am östlichen Rande der aufstrebenden Mittelpunktsgemeinde. Schon immer bestand bei den Bürgern der Wunsch, eine Parkanlage nach städtischem Vorbild zu schaffen. Geklärt werden musste nur noch die Standortfrage, die sich aber fast von selbst erledigte.“

Malermeister Detlef Meyer, Bäckermeister Carl Stange und Kaufmann Friedrich Tappenbeck konnten sich nach einem Besuch einer Auktion in Tappendorf quasi im Vorbeigehen darauf einigen, dass die Koppel „Mühlenkamp“ am Ostrand von Hohenwestedt für die Anpflanzung und Gestaltung eines Parks bestens geeignet sei. Noch am selben Abend wurde mit dem Besitzer – dem Landwirt Detlef Koll in Lerchenfeld – der Kauf der über vier Hektar großen Koppel geregelt. Schnell fanden die drei Initiatoren mit Friedrich Boie und Adolf Behrens zwei weitere Mitstreiter und im August 1889 wurde eine „Anpflanzungs-Genossenschaft“ mit 28 Mitgliedern gegründet, die dann das Gelände für 6000 Mark erwarb. Zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. wurde das Areal „Wilhelmshöhe“ genannt. Genau 15  720 Jungbäume wurden gepflanzt, und zwar aus Kostengründen zunächst im südlichen Teil der Anlage. Der nördliche Teil wurde für fünf Jahre in zehn Parzellen aufgeteilt und an Kleingärtner verpachtet. 1897 wurde die Wirtschaft auf „Wilhelmshöhe“ an zwei Genossenschaftsmitglieder verpachtet, die auf eigene Rechnung ein Gebäude errichten ließen, dazu Tanzplatz, Schießstand und Kegelbahn. „Diese zunächst positive Entwicklung weckte allerdings Begehrlichkeiten bei einigen Partnern, so dass ein Verkauf und die Privatisierung des Geländes drohten“, berichtet Redinger.

Auf Drängen des Verschönerungsvereins kaufte die Sparkasse Hohenwestedt 1904 für 9000 Mark das gesamte Gelände. Den Kleingarten-Pächtern wurde gekündigt, der nördliche Teil ebenfalls mit Bäumen bepflanzt. 1913 wurde der neu gestaltete Park für die Öffentlichkeit frei gegeben. In der Mitte des Parks wurde eine Freifläche für Spiel und Sport eingerichtet, auf der sich die Bürger vergnügen konnten. „Der größte Verdienst der Sparkasse war allerdings 1917 der Kauf der östlich des Parks gelegenen Flächen für 18  000 Mark, auf denen anschließend Sportanlagen gebaut wurden“, betont Redinger.

Nach dem Ende des I. Weltkriegs bemühte sich der Kriegerverein Hohenwestedt darum, ein Ehrenmal für die 287 Gefallenen aus dem Kirchspiel Hohenwestedt zu errichten. Ein gebürtiger Hohenwestedter lieferte den Entwurf: der königliche Baudirektor Albert Brodersen aus Berlin. Am 3. Juli 1921 wurde das Ehrenmal eingeweiht. Während des II. Weltkriegs wurden in der Mitte des Parks zwei Holzbaracken erstellt, die zunächst militärischen Zwecken dienten. Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen nach Beendigung des Krieges wurden diese als Unterkünfte ausgebaut, die noch bis weit in die 50er Jahre Bestand hatten.

Auf den Sportflächen im östlichen Teil verlief die Entwicklung in der Folgezeit rasant. Fußballfelder, weitere Sportanlagen für die Leichtathletik und eine Trabrennbahn zeigten, dass es in Hohenwestedt aufwärts ging. Besonders die Trabrennbahn festigte den Ruf des Ortes als Traberhochburg in Schleswig-Holstein. 1959 erhielt die Sportfläche ihr heutiges Aussehen. Auch das Gesellschaftliche kam nicht zu kurz. Im Restaurant „Parkhaus“ entwickelte sich eine in der ganzen Region bekannte „Tanztee-Szene“.

Nach einer kurzzeitigen Besetzung durch Jugendliche, die dort ihr neues Jugendzentrum errichten wollten, fiel das Gebäude 1981 der Spitzhacke zum Opfer. „Heute stellt sich das gesamte Parkgelände in einem Zustand dar, der wenig an die ruhigen, manchmal verwunschenen Ecken des alten Parks erinnert“, meint Redinger, „ohne erkennbare Struktur, mit wenig bis gar keinem Unterbau, geprägt von hochstämmigen Bäumen, sieht der Hohenwestedter Park nicht so aus, wie ein Park aussehen sollte. Nur im Frühling – zur Krokusblüte – und zu Pfingsten beim Mittelalter-Spektakel zeigt der Park, was in ihm steckt und was man mit ihm machen kann.“ Das Heimatmuseum hat donnerstags und sonntags (jeweils 14 bis 17 Uhr) geöffnet.

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