Interview : Misstöne zum Jahresende

Zieht Bilanz des Jahres 2014:  Bürgermeister Horst Krebs.
Zieht Bilanz des Jahres 2014: Bürgermeister Horst Krebs.

Nortorfs Bürgermeister Horst Krebs zieht zum Jahresende Bilanz. Sein größter Wunsch für 2015: Der Spaß an der Arbeit soll zurückkehren. Denn das Miteinander in den vergangenen Monaten war nicht immer schön.

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29. Dezember 2014, 08:45 Uhr

NORTORF

Soll der DRK-Kindergarten umgebaut werden oder entsteht ein Neubau? Darf das Museum die Räume beziehen, die es verdient hat? Wie kann die Haushaltslage der Stadt verbessert werden? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Kommunalpolitiker in Nortorf besonders zum Jahresende intensiv. 2014 war viel los in der Stadt am geografischen Mittelpunkt Schleswig-Holsteins. LZ-Mitarbeiterin Julia Borrmann sprach im Interview zum Jahresabschluss mit Bürgermeister Horst Krebs über den Umgangston unter Politikern und zukünftige Projekte.

Herr Krebs, wie war das Jahr 2014 für Sie als Bürgermeister?

„Es war eigentlich ein ganz normales Jahr. Nur in einigen Bereichen war es etwas schwierig. Wir sind mit den Plänen für den DRK-Kindergarten nicht voran gekommen. Da hätte ich mir einen schnelleren Abschluss gewünscht. Und für das Museum wurde hart gekämpft. Das war alles nicht so einfach und am Schluss war es kein gutes Ende.“

Sie sprachen den DRK-Kindergarten bereits an. Über das Thema wurde viel diskutiert. Wie haben Sie das empfunden?

„Bei den Umbauplänen zum Kindergarten hieß es erst, das machen wir, dann wieder nicht. Das hat mich erschüttert. Ebenso die Entscheidung zur NDR-Sommertour: Das wurde intern bereits besprochen und plötzlich wird es im Ausschuss abgelehnt. Dabei wird das finanziell für uns eine Nullnummer und einige Kollegen haben leider nicht erkannt, was für eine einmalige Chance das für Nortorf und seine Bürger ist.“

In der letzten Stadtverordnetenversammlung wurde teils hitzig diskutiert, es fielen Kraftausdrücke . . .

„Das Miteinander in der letzten Zeit war schlimm. Besonders einige Situationen in der Stadtverordnetenversammlung. Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll. Es war mal angedacht, interne und nicht öffentliche Sitzungen alle Vierteljahr mit den Fraktionsvorsitzenden zu führen, um schon vorab einige Themen zu besprechen. Das wurde aber leider von der Mehrheit nicht gewünscht. Die Kraftausdrücke und das Vorwerfen in der jüngsten Zeit ist mir erst im Nachhinein so richtig bewusst geworden. Ich wurde viel darauf angesprochen. Diese Kultur möchte ich hier nicht weiter erleben. Da muss sich was ändern.“

Die Stadt hat kein Geld. Ein Kredit wurde aufgenommen. Wie wollen Sie die Haushaltslage in Zukunft wieder richten? Wo kann die Stadt sparen?

„Anfang Januar haben wir ein Gespräch zusammen mit den Stadtwerken/Bauhof. Da wollen wir gemeinsam besprechen, wo man bei den Bauhofkosten sparen kann. Beim Umbau des DRK-Kindergartens wird ebenfalls nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Da wird genau geguckt, was ist nötig, was vielleicht nicht. Zudem erwarten wir höhere Steuereinnahmen.

Wenn das Museum umzieht, was passiert dann mit den Gebäuden und dem städtischen Grundstück im Jungfernstieg?

„Die sollen abgerissen und das Grundstück verkauft werden. Das ist Land, das wir nicht brauchen und für den Wohnungsbau freigeben.“

Wie sehen die nächsten Schritte bezüglich des neuen Museumsgebäudes aus?

„Ende Januar wird es zur Unterschrift kommen. Dann ist der Kaufvertrag in trockenen Tüchern. Anschließend wird ein Architekt beauftragt, der speziell für Museen zuständig ist und Gelder bei der Aktiv-Region werden beantragt. Vorstellbar wäre auch ein Bauplan in Etappen. Zusätzlich steht der Museumsverein mit viel Man-Power hinter dem Projekt und wird viel in Eigenregie leisten. Größere Baumaßnahmen wird es aber erst 2016 geben.“

Rund 80 Flüchtlinge leben derzeit in Nortorf. Wie ist die Situation?

„Auf dem Wohnungsmarkt sieht es noch entspannt aus. Auch das Soziale läuft sehr gut. Kirche, Volkshochschule und die Paten kümmern sich um die Flüchtlinge. Allerdings wissen wir nicht, was nächstes Jahr auf uns zu kommt. Da kann sich die Anzahl ja nochmal erhöhen.“

Was wünschen Sie sich als Bürgermeister für 2015?

„Dass ich gesund bleibe und mir die Arbeit wieder mehr Spaß macht, indem wir ein besseres Miteinander erleben.“

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