Kanalgeflüster : Minimal-Deal, Graffiti-Verbot, Fuß-Stapfen

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Von Redaktionsleiter Dirk Jennert

shz.de von
10. November 2013, 12:16 Uhr

Den Rotstift nehmen Kommunalpolitiker ungern zur Hand. Sie denken dann sehr schnell an ihre Wähler, die sie durch Kürzungen oder sogar Streichungen nicht vergraulen wollen. Und so zeigt sich landesweit das gleiche Phänomen: Alle wollen sparen, dennoch steigen die Schulden.
Das ist in Rendsburg leider nicht anders. Wenn kein kommunalpolitisches Wunder geschieht, werden die Verbindlichkeiten der Stadt im kommenden Jahr auf 50 Millionen Euro steigen. Dies hat Kämmerer Herwig Schröder im Finanzausschuss verkündet. Darüber wurde intensiv diskutiert, aber mehr in die Breite als in die Tiefe. Empfehlungen der Fachausschüsse standen auch noch aus. Dennoch war Vorsitzender Klaus Brunkert stark darum bemüht, ein Ergebnis zu erzielen. Das war eine harte Arbeit, die Mandatsträger auf Kurs zu bringen. Am Ende einigten sie sich darauf, dass sie das Defizit verringern und den Schuldenberg abbauen wollen. Irgendwie.
Noch allgemeiner und unverbindlicher hätte man diesen Kompromiss kaum formulieren können. Dieses dünne Ergebnis erinnerte an die Debatte zweier zerstrittener Meteorologen, die sich am Ende auf folgende Vorhersage einigen: Dass es nach der nächsten Nacht höchstwahrscheinlich wieder hell wird.

Wo wir gerade beim Geld sind: Auf dem Parkdeck Nienstadtstraße gibt es ein Schild, dessen Kauf sich die Stadt hätte sparen können. Dieses Schild soll alle bösen Buben davon abhalten, die Anlage nach eigenem Ermessen zu verschönern. Konkret ist da zu lesen: „Im gesamten Parkdeck ist jegliches Aufbringen von Graffiti verboten.“ Donnerwetter, das ist mal eine klare Ansage. Die Stadt droht im Falle der „Zuwiderhandlung“ sogar mit Konsequenzen. Nur mit was sie droht, kann man leider nicht lesen. Denn das befindet sich unter einer dicken Schicht Graffiti-Farbe.

Gestern Abend waren wir kurz davor, unsere Seitenplanung umzuwerfen. Denn die Redaktion erreichte das Gerücht, Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer sei als Kandidat für das Oberbürgermeisteramt in Kiel im Gespräch. Anruf bei Schwemer: Was ist da dran? Der Chef der Kreisverwaltung wiegelte amüsiert ab: „Nichts!“ Da sind wir aber froh. In die winzigen Fußstapfen, die Frau Gaschke hinterlassen hat, hätten Schwemers große Füße sowieso nicht hineingepasst.

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