Dienstleistung wird teurer : Mindestlohn verunsichert Arbeitgeber

Im Hotel- und Gastronomiegewerbe könnte der Mindestlohn laut Unternehmensverband zum Problem werden.
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Im Hotel- und Gastronomiegewerbe könnte der Mindestlohn laut Unternehmensverband zum Problem werden.

Firmen schlagen Mehrkosten für Personal auf die Preise auf. Gewerkschaftsbund: Vor allem Teilzeitarbeitnehmer und Minijobber profitieren.

shz.de von
07. Januar 2015, 11:12 Uhr

Mehr als 4000 Vollzeitbeschäftigte im Kreis Rendsburg-Eckernförde profitieren vom jetzt eingeführten gesetzlichen Mindestlohn, das geht aus Berechnungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. Der Mindestlohn werde zu mehr Gerechtigkeit führen, ist sich der DGB-Geschäftsführer für die Region Kiel, Eckernförde, Rendsburg und Neumünster (Kern), Frank Hornschu, sicher. Sebastian Schulze vom Unternehmensverband Mittelholstein hingegen lässt kein gutes Haar an der neuen Regelung. Sie schwäche die Wettbewerbsfähigkeit, erschwere den Job-Einstieg und sei ein Bürokratiemonster. Derzeit verursache der Mindestlohn Verunsicherung bei den Unternehmen im Kreis. Hotellerie und Gastronomie, Einzelhandel sowie Taxigewerbe – in diesen Branchen hat der Mindestlohn Schulze zufolge große Auswirkungen.

Seit dem 1. Januar gilt der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde für alle Beschäftigten. Ausnahmen gibt es unter anderem bei Praktikanten, Lehrlingen und Arbeitnehmern, die nach einer Langzeitarbeitslosigkeit wieder eine Beschäftigung annehmen.

„16  000 Euro Mehrkosten pro Jahr habe ich nur durch den Mindestlohn“, sagt Joachim Clausen, der drei Star-Tankstellen in Hohn und Eckernförde betreibt. Sieben Euro haben seine Leute verdient, jetzt sind es 8,50 Euro. Um dem Kostendruck zu begegnen, will er mehr Mitarbeiter fest anstellen. „Für Festangestellte zahle ich 22 Prozent an Personalnebenkosten, für Minijobber 30 Prozent“, sagt Joachim Clausen. Sein Problem: „Viele Leute wollen gar nicht fest arbeiten, sondern einen Nebenjob haben.“

Gerade diejenigen sollen laut der DGB-Berechnung am meisten von dem Mindestlohn haben. Regionale Angaben ließen sich dem Gewerkschaftsbund zufolge zwar nicht machen, doch der DGB gehe davon aus, dass bei den rund 26  400 sozialversicherten Teilzeitbeschäftigten und bei den etwa 25  000 Minijobs viel mehr Menschen profitieren, als unter den Vollzeitbeschäftigten. Etwa 4000 (neun Prozent) von diesen rund 44  200 Arbeitnehmern mit einer vollen Stelle verdienen demnach weniger als 1500 Euro im Monat und fallen damit unter das neue Gesetz. Bei den Minijobbern seien es hingegen zwei Drittel.

„Machen wir uns nichts vor – in den tarifgebundenen Branchen wird bereits mehr als der Mindestlohn gezahlt. Aber kleinere Unternehmen bekommen Probleme, weil dort oft Aushilfen und geringfügig Beschäftigte arbeiten“, sagt Sebastian Schulze. Die Auswirkungen des Gesetzes werden ihm zufolge zwar erst Ende des ersten Quartals abschätzbar sein. Doch er rechnet damit, dass es geringer Qualifizierte schwerer haben werden, eine Stelle zu finden, weil ihnen genauso viel gezahlt werden muss wie Bewerber mit einem höheren Bildungsabschluss. Zudem befürchtet er, dass Unternehmen besonders gegenüber Konkurrenten aus dem Ausland an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen. Darüber hinaus müsse sich noch herausstellen, ob Kunden bereit sind, höhere Preise für Waren und Dienstleistungen zu zahlen. Denn die Firmen werden die steigenden Kosten durch den Mindestlohn zumindest zum Teil auf die Preise aufschlagen.

Die Verunsicherung unter den Firmen der Region sei groß, weil auch Auftraggeber haften müssen, wenn das Mindestlohngesetz nicht eingehalten werde. „Bei uns stehen die Telefone nicht still“, so Schulze. Die Firmen wollten wissen, wie sie sich von einem Auftragnehmer rechtssicher nachweisen lassen können, dass der tatsächlich mindestens 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Das sei Schulze zufolge jedoch noch nicht endgültig geklärt.

Auch das Taxigewerbe rechnet mit negativen Auswirkungen. Deshalb hat der Landesverband im Oktober bei der Kreisverwaltung einen Antrag auf eine Erhöhung der Tarife von bis zu 30 Prozent gestellt (wir berichteten). Der werde derzeit noch bearbeitet, bestätigte Barbara Rennekamp von der Kreisverwaltung der Landeszeitung. Klar sei, dass die Tarife geändert werden, jedoch noch nicht in welchem Umfang.

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