zur Navigation springen
Landeszeitung

16. Dezember 2017 | 05:16 Uhr

Mindestlohn – Fluch oder Segen?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Während Gewerkschaft nach einem Jahr positive Bilanz im Kreis zieht, sieht Unternehmensverband Nachteile für Arbeitnehmer und Firmen

shz.de von
erstellt am 26.Jan.2016 | 11:55 Uhr

Gewerkschafter jubeln: Der Mindestlohn hat für einen Beschäftigungsschub auf dem Arbeitsmarkt im Kreis Rendsburg-Eckernförde gesorgt. Das hat zumindest die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) herausgefunden. Vom „Schreckgespenst Mindestlohn“, vor dem Arbeitgeberverbände bei der Einführung vor einem Jahr gewarnt hätten, sei nichts übrig geblieben. Das Vorurteil, die einheitliche Bezahlung mit 8,50 Euro pro Stunde vernichte Arbeitsplätze, sei nun widerlegt. Das sieht der Unternehmensverband Mittelholstein (UVM) jedoch anders. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei eine Folge der guten konjunkturellen Entwicklung, sagte UVM-Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich.

Ihre aktuelle „Mindestlohn-Analyse“ hatte die Gewerkschaft beim Pestel-Institut in Hannover in Auftrag gegeben. Dessen Wissenschaftler werteten auch die Beschäftigungssituation der Gastronomie und Hotellerie im Kreis Rendsburg-Eckernförde aus. „Anstatt Servicekräfte und Küchenpersonal zu entlassen, haben Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten neue Kräfte eingestellt“, sagte Finn Petersen, Geschäftsführer der NGG Schleswig-Holstein Nord. Das Institut zählte im Juni 2015 – ein halbes Jahr nach Einführung des Mindestlohns – 2518 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in dieser Branche. „Das sind 10,3 Prozent mehr als noch im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den gesetzlichen Mindestlohn noch nicht gab“, so Petersen.

Seinen Angaben zufolge hat der Mindestlohn zudem dazu geführt, dass etliche Arbeitgeber aus Mini-Jobs reguläre Stellen gemacht haben. Das gelte nicht nur für die Gastro-Branche. „Durch den Mindestlohn sind viele Mini-Jobber über die 450-Euro-Grenze gerutscht. Und das sind jetzt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Diese Menschen haben damit etwas Besseres als den Mini-Job. Das ist ein Riesenerfolg“, sagte Finn Petersen.

Der Unternehmensverband verzeichnet laut Michael Thomas Fröhlich ebenfalls einen „erheblichen Wegfall der Mini-Jobs“, kommt in der Bewertung jedoch zu einem ganz anderen Ergebnis. „In den seltensten Fällen kommt es zu Umwandlungen in unbefristete Arbeitsverhältnisse“, so Fröhlich. Im Gegenteil: Das Mindestlohngesetz habe dazu geführt, dass vielen Menschen die Möglichkeit genommen wurde, sich etwas auf 450-Euro-Basis dazuzuverdienen. „Hausfrauen wollen, Studenten können und Rentner dürfen eben keine sozialversicherungspflichtigen Stellen annehmen“, nannte Fröhlich Beispiele auf Nachfrage der Landeszeitung. Auch das Argument der Gewerkschaft, die Arbeitslosigkeit habe im „Mindestlohn-Jahr 2015“ abgenommen, lässt Fröhlich nicht gelten. Laut NGG waren im vergangenen Dezember rund 7000 Menschen im Kreis Rendsburg-Eckernförde ohne Beschäftigung – 3,2 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Auch die Beschäftigtenzahl insgesamt habe sich mit dem gesetzlichen Mindestlohn positiv entwickelt: Im Sommer des vergangenen Jahres gab es im Kreis Rendsburg-Eckernförde 1180 Menschen mehr, die einen Job hatten, als noch im Sommer des Vorjahres. Fröhlich sagte dazu: „Die gute wirtschaftliche Entwicklung des Jahres 2015 hat die Folgen des Mindestlohns noch verdeckt.“ Zudem zeige die Arbeitsmarktstatistik, dass es keinen Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit gegeben habe. Die habe sich eher noch verfestigt. Die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage unter den Unternehmen, die sein Verband im April vorstellt, werden genau zeigen, welche Nachteile der Wirtschaft in der Region durch den Mindestlohn entstanden sind, kündigte Fröhlich an.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen