verhandlungen : Millionen-Poker um den Uhrenblock

Der Uhrenblock aus der Vogelperspektive: Das Gebäude wurde 1881 fertig.
Der Uhrenblock aus der Vogelperspektive: Das Gebäude wurde 1881 fertig.

Der Backsteinbau an der Kaiserstraße steht zum Verkauf. Es gibt mehrere Interessenten – doch der Insolvenzverwalter mauert.

shz.de von
22. Mai 2015, 12:05 Uhr

134 Jahre nach seiner Fertigstellung strahlt das Gebäude noch immer einen ganz besonderen Charme aus. Zum Teil haushohe Rhododendren, schweres Kopfsteinpflaster und ein prachtvoller Garten umgeben den Uhrenblock an der Kaiserstraße. Das einstige Kasernen-Hauptgebäude wirkt gepflegt, die dicken Mauern unverwüstlich. 1982 hatte die Familie Hartmann den Backsteinbau übernommen und von Grund auf restaurieren lassen. Drei Jahrzehnte später steht der Uhrenblock zum Verkauf.

Nach der Pleite von Teilen der Hartmann-Gruppe sucht der Insolvenzverwalter nach einem neuen Hausherrn. Der Preis – anfänglich elf Millionen Euro – soll inzwischen deutlich gesunken sein. Von zuletzt sieben Millionen Euro ist die Rede. Eingeweihte berichten von fünf Playern, die beim Poker um den Prachtbau mitbieten.

Der Hauptakteur hüllt sich in Schweigen: „Aktuell gibt es hier nichts Neues zu vermelden“, sagt Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt. Auch die Geschäftsführung des Ankermieters möchte sich nicht äußern und verweist auf den Fachanwalt aus Hamburg. Die Hartmann Finanzdienstleitungen GmbH beschäftigt 60 Mitarbeiter im Uhrenblock. Die Gesellschaft wurde erst vor eineinhalb Jahren gegründet. Sie ging aus Teilen der Hartmann und Partner Unternehmensgruppe hervor, die eng mit der jüngeren Geschichte des Gebäudes verbunden ist. Unter der Führung des Firmengründers und Diplom-Kaufmanns Dietmar Hartmann, der bereits mit dem Technologiezentrum Blomenburg im Kreis Plön (Insolvenz 2011) Schiffbruch erlitt, war der Finanz- und Versicherungsspezialist mit Sitz im Uhrenblock ebenfalls in wirtschaftliche Not geraten, meldete 2013 Insolvenz an. Die Verbindlichkeiten der Hartmann-Gruppe bezifferte Insolvenzverwalter von Buchwaldt damals auf einen Betrag „zwischen zehn und 20 Millionen Euro“. Mit dem Geld aus Rendsburg soll Hartmann versucht haben, die Löcher aus dem Blomenburg-Großprojekt östlich von Kiel zu stopfen.

Wer den Uhrenblock erwirbt, übernimmt ein nicht mehr vollständig, aber noch gut belegtes Objekt. 8500 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Auf 4000 Quadratmetern befinden sich Wohnungen. Sie sind im Westflügel des Gebäudes untergebracht. Außerdem beherbergt der Uhrenblock ein Restaurant, ein Fitness-Studio, Arztpraxen und weitere Geschäftsräume. Eine Apotheke im Untergeschoss steht seit Ende vergangenen Jahres leer.

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