Schiffbrückenplatz : Milchkaffee 2,90 Euro – Lärm gratis

Der größte Leidtragende der Baustelle: Niklas Puls, Inhaber von „Fräulein Möhls“ am Schiffbrückenplatz. Fotos: Riebensahm (3)
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Der größte Leidtragende der Baustelle: Niklas Puls, Inhaber von „Fräulein Möhls“ am Schiffbrückenplatz. Fotos: Riebensahm (3)

Cafébetrieb neben der Baustelle: Wie „Fräulein Möhls“ im Zentrum von Rendsburg gegen Krach, Staub und andere Widrigkeiten kämpft.

shz.de von
19. Juli 2018, 10:21 Uhr

Ein Glas Weißwein bei sommerlichen Temperaturen: Karin Jürgensen-Knoblauch und Brigitte Stücken genießen das Wetter bei „Fräulein Möhls“ am Schiffbrückenplatz. Plötzlich zittert der Boden unter ihnen. Ein Bagger fährt wenige Meter von ihrem Tisch entfernt von links nach rechts. Gleich daneben fräst eine Kreissäge ein Loch in frisch verlegte Pflastersteine. Staub wirbelt auf. Die anschließenden Rüttelarbeiten veranlassen einige Kunden zu gehen.

Seit Monaten ziehen sich die Arbeiten zur Modernisierung der Holsteiner Straße am nördlichen Ende der Rendsburger Fußgängerzone hin. „Das geht uns so auf den Geist“, sagt Karin Jürgensen-Knoblauch. „Man möchte einfach entspannen. Stattdessen sitzt man im Lärm und im Dreck.“ Besonders die Tatsache, dass die Bauarbeiten im Hochsommer stattfinden, stört die Rendsburgerin. Auch Brigitte Stücken überlegt, ob sie überhaupt noch in die Rendsburger Innenstadt kommen soll. „Das ist ein ganz schlimmer Zustand, der nicht endet.“

Der größte Leidtragende ist Inhaber Niklas Puls. Er führt „Fräulein Möhls“ seit zwei Jahren. Täglich ab 9 Uhr ist geöffnet. Den Lärm müssen er und seine Mitarbeiter bis in den Nachmittag hinein ertragen. Dann machen die Bauarbeiter Feierabend. Dass die Baustelle kommt, wusste er. Das Ausmaß kam unerwartet. „Ich habe einen Groll auf die Stadt, die das geplant hat. Sie hat sich verschätzt“, meint Puls. Ihm sei gesagt worden, dass die Arbeiten schon im vergangenen Jahr abgeschlossen sein würden. Stattdessen verzögern sie sich wieder und wieder. „Das ist ein sehr blauäugiges Verhalten“, findet der Chef. Die Auswirkungen: Kunden beschweren sich, verlassen das Lokal oder bleiben ganz weg. „Ich kann ihnen das nicht übel nehmen.“ Im Vergleich zum vergangenen Sommer hat er bislang etwa 30 Prozent weniger Umsatz gemacht. Das sei besonders auf den verkleinerten Außenbereich zurückzuführen, so Puls.

Statt 80 Sitzplätzen stehen nur noch 40 zur Verfügung. Und die befinden sich direkt an den Absperrungen – mit Blick auf die Baustelle. Gern würde Puls wieder mehr Tische und Stühle aufstellen. Doch dafür muss die Stadt erst grünes Licht geben. „Selbst auf Nachfrage ist bis heute nichts passiert. Ich hätte mir gewünscht, dass mal jemand vorbeikommt.“

Auch die Belastung im Team ist hoch. „Wir müssen gegensteuern. Und das mit weniger Mitarbeitern.“ Trotzdem: „Wir kommen irgendwie über die Runden. Aber es ist nicht schön.“ Von einer Existenznot spricht Puls nicht. Stattdessen will er das Beste aus der Situation machen. Denn obwohl die Stimmung alles andere als positiv ist, gibt er den Bauarbeitern keine Schuld: „Die müssen schließlich auch vorankommen.“

Ende August, pünktlich zum Stadtfest „Rendsburger Herbst“, soll die Holsteiner Straße fertig sein. Die Stadt investiert insgesamt 1,1 Millionen Euro in die Erneuerung des letzten alten Abschnitts der Fußgängerzone.

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