Jevenstedt : Milchbauern stellen Grünen zur Rede

Anton Hofreiter beim Besuch im Kälberstall in Hohenwestedt.
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Anton Hofreiter beim Besuch im Kälberstall in Hohenwestedt.

Anton Hofreiter prangert Oligopol im Lebensmittelhandel an. Landwirte fordern Selbstbewusstsein der Politik gegenüber den Konzernen.

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18. Mai 2015, 10:27 Uhr

Die Quotenregelung für die Milchproduktion ist ausgelaufen, der Konkurrenzkampf für die Milchbauern hat sich weiter verschärft. Um sich eine Bild von der Lage der Betriebe zu machen, besuchten Dr. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, und der agrarpolitische Sprecher Friedrich Ostendorf jetzt einen Milchviehbetrieb in Hohenwestedt (wir berichteten). Im Anschluss stellten sich die beiden Politiker zusammen mit Heiner Rickers, dem agrarpolitischen Sprecher der Landes-CDU, den Fragen von Landwirten in „Möhls Gasthof“ in Jevenstedt. 100 Milchbauern waren der Einladung des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) gefolgt, um sich über die politischen Lösungen für die Herausforderungen der Branche zu informieren. Darüber hinaus wurde über das Freihandelsabkommen TTIP, über den Trend zu immer größeren Höfen und über mehr Tierschutz diskutiert.

Die Stimmung unter den Milcherzeugern sei nicht gut, machte Kirsten Wosnitza, BDM-Landesteamleiterin Schleswig-Holstein, deutlich. Nach Preiseinbrüchen 2009 und 2012 sei der Milchpreis nach dem Wegfall der Quote überraschend schnell wieder unter 30 Cent gesunken. Wosnitza forderte, Regulierungsinstrumente zu schaffen, um die Milchmenge auf dem Markt bei sinkenden Preisen zu begrenzen. Dem stimmte auch Hofreiter zu, der die vier großen Lebensmittelketten für den Preisdruck verantwortlich machte. Es gebe ein „Oligopol von vier Mächtigen, gegen das die Milchbauern keine Chance haben“. Es sei eine „groteske Vorstellung“, dass es einen fairen Markt gebe. Auch Ostendorff betonte, dass die Bauern keine starke Marktposition hätten. „Die Milchbauern bekommen das Restgeld.“ Heiner Rickers wies darauf hin, dass der freie Markt bei der Milchproduktion gewollt sei. Der Markt müsse sich jetzt einpendeln. „Wer gut aufgestellt ist und investiert hat, ist besser dran als die Milchbauern, die sich nicht auf Veränderungen eingestellt haben.“

Dem widersprach Wosnitza vehement. In der Realität würde aus „wachsen oder weichen“ häufig „wachsen und weichen“. Das treffe auch sogenannte Zukunftsbetriebe. Sie setze auf moderates Wachstum und auf Politiker, die der Industrie die Stirn bieten.

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