Rechtsstreit : Mieterhöhung ist vom Tisch

Nach Lächeln ist ihm nicht zumute. Der Erfolg kostete ihn Kraft: Horst-Jürgen Kuberna zeigt das Schreiben, mit dem die Klage gegen ihn zurückgezogen wurde. Zufrieden ist er trotzdem nicht. Links über seinem Kopf ist bereits die nächste feuchte Stelle im Mauerwerk zu sehen.  Fotos: JH Frank (5)
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Nach Lächeln ist ihm nicht zumute. Der Erfolg kostete ihn Kraft: Horst-Jürgen Kuberna zeigt das Schreiben, mit dem die Klage gegen ihn zurückgezogen wurde. Zufrieden ist er trotzdem nicht. Rechts über seinem Kopf ist bereits die nächste feuchte Stelle im Mauerwerk zu sehen. Fotos: JH Frank (5)

Immobilienkonzern BGP hat Klage gegen einen Bewohner zurückgezogen. Tauziehen um Mängelbeseitigung endet mit Vergleich.

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02. August 2018, 09:32 Uhr

Rendsburg | Der Immobilienkonzern BGP knickt ein. Das Unternehmen hat eine Klage gegen den Mieter Horst-Jürgen Kuberna zurückgezogen. 15 Monate hatte er sich geweigert, in eine Erhöhung der Kaltmiete um 44 Euro auf 293 Euro pro Monat für seine Wohnung an der Kolberger Straße einzuwilligen. Der 64-Jährige hat sich durchgesetzt. Er braucht weiterhin nur die alte Miete zu zahlen. „Nach Lächeln ist mir trotzdem nicht mehr zumute“, sagte er gestern.

Wie berichtet, schrieb die BGP im Mai des vergangenen Jahres 685 von 1426 Kunden an, die vor allem in Rendsburg leben. Sie sollten einer etwa 15-prozentigen Mieterhöhung zustimmen. Angesichts des Zustands ihrer Wohnungen verweigerten viele aber die Unterschrift – auch Kuberna. Sein 29 Quadratmeter großes Appartement wies etliche Schäden auf: Der Regen lief durch ein Fenster in das Wohnzimmer. Das Waschbecken im Bad und der Heizkörper in der Küche gingen kaputt. Der Boiler fiel aus. Erst als Kuberna den Konzern auf Beseitigung der Mängel verklagte, standen die Handwerker auf der Matte.

Die BGP wiederum wollte vor Gericht die Einwilligung der Bewohner in die Mieterhöhung erstreiten. Es kam zu Verhandlungen vor dem Amtsgericht Rendsburg. Im Fall Kuberna forderte Amtsrichter Ulrich Borst, dass ein Gutachter einen Boiler überprüft. Die BGP hatte das Gerät reparieren lassen. Kuberna zufolge funktionierte es trotzdem nicht. Am Mittwoch sollte um 15 Uhr ein Gutachter erscheinen, der insgesamt überprüfen sollten, ob die Gebäudesubstanz den erhöhten Mietpreis rechtfertigt. Allerdings hätte die BGP sein Honorar von 1500 Euro vorstrecken müssen. Vor zwei Wochen schickten die Anwälte des Konzerns daher einen Brief und teilten mit, dass sie die Klage „aus rein wirtschaftlichen Gründen“ zurückziehen.

Kubernas Klage auf Mängelbeseitigung endete mit einem Vergleich: Er hatte sechs Monate weniger Miete gezahlt, insgesamt 275 Euro. Der Konzern akzeptierte diesen Schritt zum Teil. Kuberna muss noch 87,50 Euro nachzahlen. Die BGP übernimmt die Anwaltskosten.

Kuberna ist trotzdem nicht zufrieden. Am Montag entdeckte er eine neue feuchte Stelle an der Zimmerdecke. Im Keller sind Rohre verrostet. „Das ist kein Zustand.“ Die alte Miete, die er weiterhin zahlt, entspreche einem Quadratmeterpreis von neun Euro. „Für so’ne Bruchbude hier?“ Er will sich eine neue Wohnung suchen. Aber einige Vermieter winkten bereits ab, als sie hörten, dass er nur eine Rente von 723 Euro hat.

Die BGP beantwortete Fragen der Landeszeitung zu dem Fall gestern nicht.

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