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Warder : Met und Kaffee in der „Drachenschänke“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In der Arche Warder trafen sich Mittelalterfans zum Erlebnis-Wochenende. Mit Korbflechten und Kämpfen den Alltag hinter sich lassen.

350 mittelalterlich gewandete Darsteller sorgten mit ihren Vorführungen dafür, dass die Besucher der Arche Warder am Wochenende eine Zeitreise in die Vergangenheit antreten konnten. Ein Großteil der Darsteller hatte sich als Wikinger ausstaffiert. „Wikinger gehören ja auch an die Nord- und Ostsee“, befand Holger Hensel, der ebenso zum Stamme „Flaekingur“ gehört wie Marco Ehlers: „Als wir uns als geschichtsinteressierte Gruppe für eine Epoche entschieden haben, waren alle dafür, dass wir Wikinger sein wollen.“ Die „Flaekingur“ (heißt so viel wie Vagabunden, Streuner) waren aus Steinburg und Dithmarschen nach Warder angereist und beteiligten sich zum ersten Mal auch an den Kampfvorführungen des „Mittelalter live“-Programms.

Ebenfalls als Wikinger unterwegs sind die Mitglieder des Mittelaltervereins „Op de Vogelwiesch“ aus Bordesholm. „Der Tierpark ist eine ganz besondere Umgebung für so einen Mittelaltermarkt“, stellte die „Op de Vogelwiesch“-Vorsitzende Anja Nitschmann fest, „unsere Kinder kommen am allerliebsten mit her, denn hier können sie nicht nur andere Lager oder die Musikbühne, sondern auch noch all die Tiere besuchen.“ Sieben bis acht Mal pro Jahr verwandeln sich die Bordesholmer in Wikinger und versuchen, einigermaßen authentisch so zu leben wie vor 1000 Jahren. „Man schlüpft in eine Rolle und kann den Alltag hinter sich lassen“, erläuterte Anja Nitschmann, „die Gemeinschaft und das Zusammengehörigkeitsgefühl sind tolle Erfahrungen, und für einige von uns sind alte handwerkliche Fertigkeiten wie Korbflechten oder Spinnen ein zusätzlicher Anreiz.“

Nebenan hatten die Ritter und Edelfräulein vom Verein „Erlebtes Mittelalter Kiel“ (EMK) ihre Zelte aufgebaut. „Ich wollte als Kind schon Ritter werden“, erklärte Gunnar Nagel, der im richtigen Leben mit dem Beruf des Informatikers vorlieb nehmen musste, nun aber bei EMK Gelegenheit hat, seine ritterlichen Wesenszüge zur Geltung zu bringen. Die EMK-Mitglieder legen großen Wert auf Authentizität. „Das Himmelbett in meinem Zelt hab ich nach einem aus dem Jahre 1438 stammenden Exemplar aus einem Museum nachgebaut“, berichtete Nagel. Die Mittelalter-Fans vom EMK haben auch die Blide gebaut, die seit ein paar Jahren zum Inventar der Arche Warder gehört. Bei den „Mittelalter Live“-Wochenende führt Rolf Wieczorrek das Gegengewichtsgeschütz vor – und zwar als „Blidenmeister Graf Rolf von Nortorf“.

Die auch als „Trebuchet“ bezeichnete Belagerungswaffe wurde zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in China erfunden und erreichte den Mittelmeerraum im 6. Jahrhundert nach Christus. Die Blide verdrängte andere Wurfmaschinen und behauptete sich sogar noch nach der Erfindung des Schießpulvers. Während Rolf Wieczorrek die Funktionstüchtigkeit der Blide in regelmäßigen Abständen unter Beweis stellte, indem er mit kleinen Helfern zehn Kilo schwere Steine 100 Meter weit auf die nächste Wiese katapultierte, schenkte seine Ehefrau Birgit an ihrer „Drachenschänke“ Met und Kaffee aus. Eine Wiedersehensfeier gab es jedes Mal, wenn die Tierkarawane der Arche an der „Drachenschänke“ vorüberzog, denn im Tross der Tierpark-Bewohner trottete auch der westafrikanische Zwergziegenbock „Othello“ mit, den die Wieczorreks gezüchtet und vor zwei Jahren der Arche Warder überlassen haben.

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