Tatort Nienstadtstrasse : Messerstecher-Fall geht in dritte Runde

Das Oberlandesgericht in Schleswig ist für Revisionen gegen Landgerichtsurteile zuständig.
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Das Oberlandesgericht in Schleswig ist für Revisionen gegen Landgerichtsurteile zuständig.

Landgericht verwirft Berufung gegen Haftstrafe. Verurteilter will vor das Oberlandesgericht ziehen.

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07. Februar 2018, 20:16 Uhr

Er hatte auf einen Freispruch gehofft. Doch wahrscheinlich muss der 55-jährige Rendsburger Ali K. für drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Wie berichtet, soll er am 23. Dezember 2015 in Rendsburg an der Nienstadtstraße Jan O. (40) mit zwei Messerstichen lebensgefährlich verletzt haben. Das Opfer leidet bis heute an den Folgen.

Ali K. gestand die Tat. Das Amtsgericht Rendsburg verurteilte ihn im März 2017 zu drei Jahren und sechs Monaten Haft, doch sein Anwalt legte Berufung ein. Richter Gunther Döhring hörte im Januar am Landgericht Kiel zahlreiche Zeugen an. Am Ende des zweiten Verhandlungstags verwarf er die Berufung und schloss sich dem Schuldspruch des Amtsgerichts an, berichtete Landgerichtssprecherin Rebekka Kleine. Anwalt Peter Schmidt beantragte eine Revision. Das Oberlandesgericht Schleswig muss daher prüfen, ob dem Landgericht formale Fehler nachzuweisen sind, ob zum Beispiel der Angeklagte anwesend war. Kleine zufolge kommt es aber selten vor, dass ein Berufungsurteil aufgrund einer Revision aufgehoben wird. Dann müsste der Fall am Landgericht neu verhandelt werden.

Jan O. und sein Kumpel Daniel E. hatten am 23. Dezember 2015 den Rendsburger Weihnachtsmarkt und die Disco „Parkhaus Lounge“ besucht. Gegen 23.15 Uhr traten sie den Heimweg an und gingen Richtung Stegen. Als sie ein Tor zu einem Hinterhof erreicht hatten, hupte es hinter ihnen. Ali K. wollte mit seinem Opel-Kombi durch das Tor fahren. Seiner Erinnerung nach standen Jan O. und Daniel E. im Weg. Nach kurzem Wortwechsel stieg der damals 18-jährige Sohn des Angeklagten aus dem Wagen aus. Es kam zu einem Gerangel. Am Ende saß Jan O. blutend am Boden. Er wurde in der Imland-Klinik notoperiert und lag mehrere Tage im künstlichen Koma.

Wie Kleine berichtet, wollte der Verteidiger zunächst einen Freispruch erreichen. Der Angeklagte hatte in einem schriftlichen Geständnis die Tat als Nothilfe dargestellt, das heißt als stellvertretende Notwehr für seinen Sohn. So hatte Ali K. behauptet, dass Jan O. den 18-Jährigen geohrfeigt hätte. Ali K. sei seinem Sohn zur Hilfe gesprungen, aber von Jan O. zu Boden gedrückt worden. Daraufhin habe Ali K. in Panik aus der Beifahrertür ein Messer gezogen und auf das Opfer eingestochen. Wäre der Angeklagte mit der Erklärung durchgekommen, wäre er freigesprochen worden. Kleine: „Nothilfe setzt einen Angriff voraus und führt zum Freispruch.“

Nach Darstellung von Jan O. und anderen Zeugen ging die Aggression aber von Ali K. und seinem Sohn aus. Der Disco-Türsteher erinnerte sich zudem, dass das Auto fünf bis zehn Meter vom Tatort entfernt stand. Demnach hätte der am Boden liegende Ali K. das Messer nicht aus der Beifahrertür ziehen können.

Kleine zufolge pochte der Verteidiger im Schlussplädoyer selbst nicht mehr auf Nothilfe. Stattdessen wollte er eine Minderung des Strafmaßes und eine Bewährung erreichen. Sie kann für Strafen von bis zu zwei Jahren gewährt werden. Doch Richter Döhring hielt das Urteil des Amtsgerichts Rendsburg für angemessen.

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