Meisterhaftes Comeback der Storm-Spieler

Akrobaten im Varieté: Die Turner des TSV Vorwärts Hademarschen gehören ebenfalls zum Ensemble.
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Akrobaten im Varieté: Die Turner des TSV Vorwärts Hademarschen gehören ebenfalls zum Ensemble.

Schimmelreiter-Ensemble präsentiert „John Riew“

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23. August 2018, 14:28 Uhr

1885 vollendete Theodor Storm in seiner Villa in Hademarschen die Erzählung „John Riew“. 133 Jahre später wird der Novellenstoff zum ersten Mal auf die Bühne gebracht: von Laiendarstellern aus Hanerau-Hademarschen und Umgebung, unter der Regie von Storm-Preisträger Frank Düwel. Alle zwölf geplanten „John Riew“-Aufführungen sind seit Wochen ausverkauft. Fast acht Monate lang hat das Ensemble geprobt – gestern war Premiere.

Zwölf Novellen hat Theodor Storm in Hademarschen verfasst, und eine von ihnen hat eine ganz besondere Bedeutung für die Einheimischen. „Weil wir in unserem Ort einige Schauplätze der Erzählung haben, ist John Riew neben dem Schimmelreiter unsere Hauptnovelle“, erklärt die Vorsitzende des Heimatbund-Ortsvereins, Waltraut Barnstedt. Mit „John Riew“ hat Storm seinem „Altersparadies“ Hademarschen und dem Gut Hanerau, wo er Stammgast war, einen bleibenden Platz in der Weltliteratur verschafft. Deshalb war „John Riew“ auch die erste Wahl, als es darum ging, ein Stück zu finden, mit dem man das 130. Sterbejahr von Storm feiern und zugleich dem örtlichen „Schimmelreiter“-Ensemble, das Storms Meisterwerk von 2013 bis 2015 auf Gut Hanerau aufführte, Gelegenheit zu einem Comeback geben konnte.

Das Problem: Es gab keine Theaterfassung, die man für die Aufführungen zu Rate ziehen konnte. Die Bühnenversion von „John Riew“ hat Frank Düwel seit Jahresbeginn während der Proben fortlaufend geschrieben und vollendet. Als „total verrückt“ bezeichnet der Autor, Regisseur und Hochschuldozent die besondere Atmosphäre seines neuen Projekts, denn die Proben und Aufführungen auf Gut Hanerau finden nur wenige hundert Meter von einem Haus in der Mannhardtstraße statt, das die Storm-Experten als Schauplatz der Rahmenhandlung von „John Riew“ ausgemacht haben: „ein Haus am Ende des Gutsortes“, in dem „kein Leben“ zu erkennen ist, das aber doch von einem „Auswärtigen“ sowie „von einer ältlichen kränkelnden Frau und von einem gar argen zwölfjährigen Buben bewohnt sein“ soll („John Riew“).

Der „Auswärtige“ ist John Riew‘ (gespielt Herbert Sierk) – und mit einem Besuch des Ich-Erzählers Bernd Krüger (der auch im richtigen Leben in Hanerau wohnt) beginnt das Theaterstück. Der alte Riew‘ erzählt dem Besucher seine Lebensgeschichte, die ihn als Seemann um die ganze Welt geführt hat. Die fünf Jahrzehnte umspannende Haupthandlung spielt vorwiegend in Hamburg, aber es gibt auch Abstecher nach Rio und Kapstadt. Dies alles nun in eine anderthalbstündige Bühnenfassung zu verwandeln, war eine Herausforderung, die Düwel mit Bravour gemeistert hat. In kraftvollen Szenenbildern, die dem Theaterbesucher noch lange im Gedächtnis bleiben, werden die tragischen Lebensläufe von John Riews Freund Rick und dessen Tochter Anna auf die Bühne gebracht. Die meisterliche dramatische Umsetzung von „John Riew“ müssen die Laudatoren von der Stadt Husum unbedingt noch aktuell in ihre Lobreden einbauen, wenn sie Düwel am 7. September den Storm-Preis 2018 verleihen.

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