Mein neuer Name: Gestatten, Schmidt

Vorher Szysz (Sprich 'Schisch'), jetzt Schmidt: Alice (21) aus Rendsburg.  Foto: Schmidt
Vorher Szysz (Sprich "Schisch"), jetzt Schmidt: Alice (21) aus Rendsburg. Foto: Schmidt

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22. März 2011, 08:14 Uhr

rendsburg | "Was? Du möchtest wirklich deinen Nachnamen ändern?" - Dies war eine der häufigsten Reaktionen, als ich Freunden und Bekannten von meinem Vorhaben erzählte, meinen Nachnamen ändern zu wollen. Bereits mit 16 Jahren hatte ich diese Idee, da mein ursprünglich polnischer Nachname "Szysz" für mich im Alltag zu vielen Problemen führte. Sowohl die Aussprache als auch die Schriftweise sorgten oft für Missverständnisse und erschwerten mir den Alltag. Aus diesem Grund stand für mich schon relativ früh fest, dass ich meinen Nachnamen ändern wollte.

Als ich mit 18 Jahren mit meinem Anliegen das erste Mal zum Rathaus ging, erlebte ich zunächst eine böse Überraschung: Nachnamensänderungen können in Deutschland je nach Ermessen der Behörde von rund 200 Euro bis zu mehreren tausend Euro kosten. Daher verschob ich mein Vorhaben zunächst und kam mit 20 Jahren noch einmal darauf zurück. Erst einmal wurde mir eine lange Liste an Dokumenten vorgelegt, die ich besorgen sollte. Erstaunt war ich dann auch, als mir ein Blatt gezeigt wurde, auf dem ich eine längere Begründung für meine Entscheidung darlegen musste. Da das Rathaus Rendsburg sich sehr kooperativ verhielt und mir beratend zur Seite stand, konnte ich relativ sicher sein, dass meine Begründung anerkannt wird. Es kann aber auch sein, dass eine Begründung abgelehnt wird. Auch dann ist man dazu verpflichtet, einen vergleichsweise hohen Betrag allein für die Befassung mit dem Antrag zu zahlen.

Natürlich durfte ich mir auch nicht irgendeinen beliebigen Nachnamen aussuchen, sondern musste meine Entscheidung gut begründen können. Da es in meiner näheren Verwandtschaft auch den Namen Schmidt gab, lag es nahe, sich für diesen Namen zu entscheiden. So reichte ich schließlich meinen Antrag samt aller Dokumente ein.

Als sich auch nach mehreren Monaten niemand meldete, ging ich fast schon davon aus, dass man den Antrag vergessen hatte. Irgendwann meldete sich die Behörde dann doch und teilte mir mit, dass ich die Anerkennungsurkunde zur Nachnamensänderung nun abholen könnte. Glücklicherweise kostete die Nachnamensänderung letztlich aufgrund der Sozialstaffelung nicht ganz so viel, wie ich ursprünglich angenommen hatte. Die nächsten Schritte waren unproblematischer, als ich dachte, weil ich der Universität in Kiel, der Krankenkasse oder dem Arbeitgeber meistens nur die Urkunde vorzeigen musste. Am meisten Probleme bereitete mir die Bank. Ich musste viele Wochen auf meine Bankkarte warten.

Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Einige gratulierten mir zu meiner vermeintlichen Hochzeit. Andere fanden es schade, dass ich den alten Namen aufgegeben hatte, da er in Deutschland kaum vorkommt und etwas Besonderes war. Anfangs war es für mich auch ungewöhnlich, auf einen neuen Nachnamen zu hören - aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt. Rückblickend muss ich sagen, dass die deutsche Gesetzgebung hier sehr konservativ ist und es den Bürgern besonders schwer gemacht wird, eine Nachnamensänderung durchzuführen. Der Nachname hat einen sehr persönlichen Bezug und betrifft jeden im alltäglichen Leben. Darum sollte in meinen Augen weder der Staat noch eine Behörde darüber entscheiden können, wer seinen Nachnamen ändern darf.

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