zur Navigation springen

Hiobsbotschaft : Mehrzweckhalle in Rendsburg wird noch teurer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der von der Politik beschlossene Kostendeckel wird um 300.000 Euro gesprengt.

shz.de von
erstellt am 14.Sep.2017 | 09:45 Uhr

Der Bau der Mehrzweckhalle Mastbrook wird wider Erwarten doch teurer als berechnet. Noch im April war die Rendsburger Bauverwaltung davon ausgegangen, den von der Politik gesetzten und als unantastbar geltenden Kostendeckel von 6,547 Millionen Euro halten zu können. Sogar von einer möglichen Unterschreitung um etwa 100.000 Euro war zu diesem Zeitpunkt die Rede.

Damit ist es vorbei. Am Dienstagabend verkündete Bauamtsleiter Frank Thomsen im Bauausschuss die Hiobsbotschaft: „Wir können den Kostendeckel nicht halten.“ Als Grund gab er „große Probleme bei den Ausschreibungen im Bereich der Tischler- und Metallbauarbeiten“ an. Die Preise, die die Baufirmen für bestimmte Teilgewerke aufrufen, liegen bis zu 230 Prozent über dem von den Hallenarchitekten veranschlagten Niveau. Die Türen und Tore in der Halle etwa hätten laut Planung 41.000 Euro kosten sollen. Tatsächlich liegt das günstigste von vier Angeboten, die dem Rathaus vorliegen, bei 108.000 Euro. Für den Bau der Eingangstüren, Windfänge und Flurtüren wurde insgesamt 16 Firmen angeschrieben. Rücklauf: eine einzige Offerte, die 101 Prozent über dem Soll liegt.

Im Durchschnitt beträgt die Differenz zwischen der Kalkulation eines Berliner Architekturbüros und den günstigsten Preisen am Markt 90 Prozent oder in der Summe knapp 288.000 Euro. Mit einem weiteren Anstieg ist zu rechnen. Bei zwei noch ausstehenden Ausschreibungen, die den Garten- und Landschaftsbau betreffen, zeichne sich wegen „sehr wenig Resonanz“ ein ähnliches Ergebnis ab, so Thomas Siegel, Fachdienstleiter Hochbau im Rathaus.

In der Bauverwaltung erwartet man nun 300.000 Euro Mehrkosten, die Thomsen als „unabwendbar“ bezeichnete. Man habe keine andere Wahl, als die Arbeiten ohne Verzug ausführen zu lassen. „Wir werden die Gewerke vergeben müssen, um andere Gewerke nicht zu behindern.“ Notwendig sei zudem ein Ratsbeschluss, um den Kostendeckel aufzuheben.

Die Politik nahm die neuen Zahlen sichtlich fassungslos, aber ohne Diskussion zur Kenntnis. Thomsen hatte sie unter „Anfrage und Mitteilungen“ verkündet, also ohne schriftliche Vorlage – obwohl dies zeitlich möglich gewesen wäre. Die Bilanz der Ausschreibungsergebnisse wurde am 1. September erstellt, elf Tage vor der Sitzung.

Die Kosten der Halle zählen zu den am heftigsten diskutierten politischen Themen der vergangenen Jahre. 2015 wurde bekannt, dass das Projekt statt der avisierten 3,8 Millionen Euro rund 6,5 Millionen verschlingen soll. Die Politik gab grünes Licht – zähneknirschend und mit der Auflage, das Limit auf keinen Fall zu überschreiten.

Und wie sieht’s auf der Baustelle aus? Wände und Dach des Sporthallenteils sind im Rohbau fertig. Bei den Bereichen um die Halle herum – Umkleiden, Geräteräume, Jugendräume, Foyer – sind 75 Prozent der Arbeiten erledigt. Ab Dezember wird die Haustechnik installiert, im Frühjahr folgen der weitere Innenausbau und die Außenanlagen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen