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Polizei-Statistik : Mehr Kinder in Unfälle verwickelt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Insgesamt krachte es 2016 auf den Straßen im Kreis Rendsburg-Eckernförde öfter als sonst. Die Zahl der verletzten Fußgänger erreichte aber ein Fünfjahrestief.

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 12:01 Uhr

Wenn es auf den Straßen kracht, sind Kinder häufiger die Leidtragenden: 15 Prozent mehr von ihnen als 2015 waren im vergangenen Jahr in Unfälle auf den Straßen von Rendsburg-Eckernförde verwickelt. Der Wert steigt erstmals seit drei Jahren – und zwar doppelt hoch wie in Schleswig-Holstein insgesamt (6,9 Prozent). Das geht es dem aktuellen Verkehrssicherheitsbericht der Polizei hervor. Demnach gab es 2016 im Kreis 115 Unfälle, von denen Kinder betroffen waren. 123 Kinder verunglückten dabei. In der Mehrzahl waren sie Radfahrer (60).

Gefährlich lebten Jungen und Mädchen auch als Beifahrer (48 Fälle). „Wir überlegen deswegen, wie wir eine ordnungsgemäße Sicherung der Kinder im Auto noch besser prüfen können“, sagt Lutz Kraack. Dem Leiter des Sachgebiets Verkehr der Polizeidirektion Neumünster geht es zum Beispiel um die Kontrolle von Kindersitzen und der Anschnallpflicht. Das Klischee vom Kind, das achtlos vors Auto rennt, bewahrheitete sich 2016 dagegen nur in den seltensten Fällen. Lediglich 15 Kinder waren zum Unfallzeitpunkt zu Fuß unterwegs. Die Gesamtzahl der Unfälle mit Fußgängern pendelte in den vergangenen Jahren zwischen 74 und 76. 2016 erreichte sie mit 68 ein Fünfjahrestief. Trotzdem krachte es häufiger.


>Deutlich mehr Verkehrsunfälle: Insgesamt stellten die Beamten mit 6871 Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr ein Fünfjahreshoch fest. 2013 wurden am Tiefpunkt lediglich 5140 Fälle registriert. Allerdings lag der Anstieg 2016 mit einem Prozent unter dem Landestrend von 2,4 Prozent. Und während es auf Schleswig-Holsteins Straßen im vergangenen Jahr insgesamt 114 Tote (nach zuvor 107) gab, waren zehn Todesopfer im Kreis die wenigsten in den vergangenen fünf Jahren. Ein Wermutstropfen: 259 Schwerverletzte waren zu beklagen – der zweithöchste Wert im Fünfjahresvergleich.

>Auch Radfahrer trifft die Schuld: Über die hohe Zahl der Unfälle mit Fahrradfahrern und insbesondere die fatalen Fehler der Nachwuchsradler hat die Landeszeitung bereits berichtet. In 53 Prozent der Fälle waren die Radfahrer schuld an den 329 Unfällen, in die sie verwickelt waren. Hauptursachen waren zu hohe Geschwindigkeit (24 Prozent), falsche Straßenbenutzung (22 Prozent), Alkohol und Drogen (20 Prozent), Fehler beim Abbiegen (16 Prozent) und das Missachten der Vorfahrt (elf Prozent). Immerhin gab es im vergangenen Jahr kein Todesopfer unter den Radfahrern zu beklagen.

>Rendsburg/Büdelsdorf: Etwas deutlicher als im Kreis sind im Stadtgebiet Rendsburg und Büdelsdorf die Unfallzahlen angestiegen (2016 um 5,5 Prozent). Zwischen 2012 und 2016 erhöhte sich die Zahl der polizeilich registrierten Verkehrsunfälle von 208 auf 309. Dabei starb im vergangenen Jahr eine Person. Es gab 31 Schwerverletzte und 235 Leichtverletzte. Hauptursachen: Vorfahrtsmissachtung und Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren.

>Unfallflucht: Mehr als jeder fünfte Unfallbeteiligte in Schleswig-Holstein entfernt sich unerlaubt vom Unfallort. Im Stadtgebiet Rendsburg und Büdelsdorf war es mehr als jeder vierte (28,7 Prozent). Im gesamten Kreis Rendsburg-Eckernförde waren es im Durchschnitt 18 Prozent (gleicher Stand wie 2015). „Die Tendenz ist in den Städten allgemein etwas höher“, sagt Lutz Kraack. Im ländlichen Raum werden kleinere Unfälle ihm zufolge oft gar nicht erst angezeigt. In Städten herrsche dagegen ein anderes „Anzeige-Verhalten“. So komme vermutlich der Unterschied bei den Zahlen zustande, erläutert Knaack.

>Alkohol, Drogen und Wildunfälle: Während die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinwirkung in den vergangenen Jahren relativ konstant blieb, ist die Zahl der erwischten alkoholisierten Fahrer im selben Zeitraum um mehr als ein Drittel auf 148 gesunken. Drogen sind eher ein Randthema: Fahrer unter Drogeneinfluss verursachten im vergangenen Jahr lediglich fünf Unfälle. Nach einem stetigen Anstieg hat sich die Zahl der erwischten Fahrer unter Drogeneinfluss mit 149 in etwa auf dem Vorjahresniveau (154) eingependelt. Die Zahl der Wildunfälle hingegen hat im Vergleich zum Vorjahr (2246) noch mal leicht zugenommen (2254) und ein neues Fünfjahreshoch erreicht.


>Unfallursachen: Hauptgründe für die Unfälle waren Vorfahrtsfehler, zu hohe Geschwindigkeit und Fehler beim Abbiegen. Dann folgt „fehlerhafte Straßenbenutzung“. Unter diesem Punkt werden Unfälle verbucht, bei denen Fahrer aus der Spur geraten sind. Über die Ursachen kann die Polizei oft nur spekulieren: Ablenkung durch Smartphones und überhöhte Geschwindigkeit werden unter anderem vermutet.


>Unfallstellen: Erneut wurden Unfallschwerpunkte im Kreis identifiziert. Diese werden mit der Unfallkommission der Straßenverkehrsbehörde erläutert. „Die Polizei kann dabei Maßnahmen vorschlagen, um Gefahrenstellen zu entschärfen“, sagt Knaack. Doch bei aller Vorsicht und vorbeugenden Maßnahmen: Nicht jedes Unglück lässt sich ausschließen. Einer der tragischsten Fälle ereignete sich 2016 am stürmischen zweiten Weihnachtsfeiertag. Ein umstürzender Baum fiel auf ein Auto auf der Landesstraße 48. Eine 34-Jährige aus dem Raum Nortorf kam ums Leben. Ihr Begleiter wurde schwer verletzt.

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