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Mehr Geld soll Personalnot der Kreisverwaltung lindern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hauptausschuss hebt Etat für Mitarbeiter stark an / Landrat erhält Finanzmittel zur freien Verfügung

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2016 | 13:01 Uhr

Die Sparpolitik des Kreises der vergangenen Jahre rächt sich: Die Verwaltung steckt deshalb nun offenbar in einer tiefgreifenden Personalkrise. Weil am Markt derzeit kaum noch neue Mitarbeiter zu finden sind, bleiben viele Stellen unbesetzt. Die Folge: Beamte und Angestellte des Kreises sind überlastet. Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer zog jetzt die Reißleine. Im Hauptausschuss bat er um Geld für zusätzliche Stellen. Über alle Fraktionen hinweg stimmten die Politiker daraufhin zu, das Personalbudget der Kreisverwaltung für das kommende Jahr noch einmal kräftig zu erhöhen.

Die sparsame Personalpolitik habe es bereits vor seiner Zeit als Landrat gegeben, sagte Schwemer. Der zwei Jahre nach seiner Amtsübernahme eingeführte Personalkostendeckel sei zudem ein bewährtes Instrument. „Aber jetzt stoßen wir an unsere Grenzen“, beschrieb er die Situation. Durch die Flüchtlingskrise gebe es in allen Abteilungen der Verwaltung Engpässe. Die werden ihm zufolge auch dadurch hervorgerufen, dass in der Vergangenheit viele staatliche Stellen neu geschaffen wurden. Das habe eine starke Fluktuation zur Folge – die Mitarbeiter wechseln ihre Stellen viel häufiger als früher. Immer wieder müssen Nachfolger gefunden werden. Das gestaltet sich zunehmend schwieriger, unterstrich Nina Fiedler, Fachbereichsleiterin der Zentralen Dienste im Kreishaus. Viele vakante Stellen, aber kaum noch Bewerber – so lautet die simple Formel, die den Kreis in Schwierigkeiten bringt. Im Gesundheits- und im Veterinäramt ist die Not am größten. „Lebensmittelkontrolleure sind kaum noch zu finden. Deshalb bilden wir die inzwischen selbst aus“, sagte Kreissprecher Martin Schmedtje auf Nachfrage. Auch an ausgebildeten Verwaltungsfachangestellten mangelt es: „Wir haben kaum noch Resonanz auf Stellenausschreibungen“, so Schmedtje. Einen pikanten Grund für den Engpass nannte Nina Fiedler im Hauptausschuss: „Andere Behörden zahlen mehr als der Kreis.“ Dabei dürfen im öffentlichen Dienst laut Martin Schmedtje keine übertariflichen Löhne als Lockmittel eingesetzt werden. Und: „Wir zahlen tarifgerecht.“ Hintergrund könnte sein, dass Behörden einzelne Stellen unterschiedlich bewerten. Dabei spiele zum Beispiel eine Rolle, wie viel Verantwortung ein Mitarbeiter trägt. Fakt ist, dass der Kreis Rendsburg-Eckernförde laut Rolf-Oliver Schwemer im Vergleich zu den anderen Kreisen sehr geringe Personalkosten hat. Pro Einwohner beträgt der Aufwand für die Mitarbeiter hier 138 Euro, während der Landesdurchschnitt bei mehr als 170 Euro liegt.

Schon in der Vergangenheit hatte Personalratsvorsitzender Hans-Joachim Krieger den Kreis-Politikern von hohen Krankenständen durch Überlastung berichtet. Im Jugend- und Sozialdienst gebe es 13 Stellen weniger als im Landesdurchschnitt, sagte er jetzt im Ausschuss. Auch Nina Fiedler berichtete davon, dass die hohe Arbeitsverdichtung Demotivation unter der Belegschaft hervorrufe.

Deshalb stimmten die Politiker einmütig zu, den Personaletat um 1,2 Millionen Euro gegenüber den bisherigen Planungen für 2017 anzuheben. Vorgesehen waren rund 32,5 Millionen Euro. Nun kommen zusätzliche Ausbildungsplätze, zwei Stellen im Fachdienst Umwelt, eine zur Planung des öffentlichen Nahverkehrs, zwei im IT-Service sowie 4,7 im Fachbereich Jugend und Familie hinzu. Zudem gewähren die Politiker dem Landrat zusätzlich 333  000 Euro (ein Prozent des Gesamtetats), über den er je nach Bedarf frei verfügen kann. Insgesamt steigen die Personalkosten um 2,5 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr – so viel wie selten. Von 2013 auf 2014 stieg der Etat beispielsweise nur um 600  000 Euro, ein Jahr später um 1,3 Millionen Euro.

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