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Rendsburg : Mehr als 300 neue Chefs gesucht

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Inhaber regionaler Firmen sorgen sich um ihre Nachfolge. Geldinstitute wollen helfen und geeignete Käufer mit Eigenkapital ausstatten.

Innerhalb der kommenden zehn Jahre benötigen mehr als 300 Firmeninhaber aus der Region einen Nachfolger. Scheitert die Suche, droht im schlimmsten Fall die Schließung des Unternehmens und der Verlust aller Arbeitsplätze. Um das zu verhindern, üben die beiden größten Rendsburger Geldinstitute zum ersten Mal den Schulterschluss. Die Sparkasse Mittelholstein und die Volksbank Raiffeisenbank wollen dazu beitragen, den Generationswechsel in den Chefbüros der Firmen reibungslos zu gestalten. Mit im Boot haben sie landesweit tätige Geldhäuser: die Investitionsbank Schleswig-Holstein und ihre Partner.

Wenn der Chef in den Ruhestand gehen will, aber mangels geregelter Nachfolge nicht kann, hat das meist zwei Gründe: Niemand aus seiner Familie will die Firma fortführen, und leitende Angestellte, die sich den Wechsel auf den Chefsessel vorstellen könnten, verfügen nicht über das nötige Geld, um die Firma zu kaufen. Erk Westermann-Lammers, Vorstandsvorsitzender der Investitionsbank, schildert das Dilemma: Die erforderlichen Summen lassen sich mit einem Angestelltengehalt kaum ersparen.

Das fehlende Eigenkapital stellen die Investitionsbank und ihre Partner zur Verfügung (siehe Info-Kasten rechts). Um jedoch in den Genuss dieses Kreditkonstrukts zu kommen, muss der künftige Unternehmer den Banken zunächst beweisen, dass er der Aufgabe gewachsen ist und die Firma eine Perspektive hat. Und auch hier arbeiten die beteiligten Kreditinstitute Hand in Hand. Die Investitionsbank durchleuchtet gemeinsam mit der Hausbank das zu kaufende Unternehmen. Wichtiger Aspekt: „Unsere Experten sind neutral und schauen auch, ob die Unternehmensbewertung nachvollziehbar ist“, so Westermann-Lammers. Anders formuliert: Die Fachleute ermitteln einen fairen Kaufpreis. Sparkasse und Volksbank wiederum bringen zusätzlich ihre regionale Kompetenz mit ein. „Wir kennen die handelnden Personen hinter den Geschäftszahlen meist viele Jahre“, sagt VR-Bank-Vorstand Georg Schäfer, „daher können wir einschätzen, ob der potenzielle Käufer die Leitung der Firma übernehmen kann“.

Die erfolgreiche Unternehmensnachfolge zu unterstützen, steht auf der Agenda der Geldhäuser mittlerweile ganz oben. Sparkassen-Vorstand Bernd Jäger sagt: „Wir haben zwar auch in der Vergangenheit Existenzgründern und Firmenkäufern geholfen, aber in dieser Intensität ist das neu.“ Damit soll der Mittelstand gestärkt und vor Entwicklungen geschützt werden, die im südlichen Schleswig-Holstein keine Seltenheit mehr sind: Großunternehmen kaufen sich in Firmen ein oder übernehmen sie komplett. Das könnte letztlich nicht nur Arbeitsplätze kosten, sondern auch die regionalen Banken belasten, wie Georg Schäfer ausführt: „International tätige Unternehmen arbeiten mit international tätigen Banken zusammen und kommen nicht zu uns.“

Selbst Investoren aus China haben den schleswig-holsteinischen Mittelstand für sich entdeckt. „In Neumünster gibt es bereits eine kleine Kolonie chinesischer Unternehmer“, erklärt Bernd Jäger. Es sei grundsätzlich positiv, dass sich internationale Unternehmen für den Norden interessierten. Für die Wirtschaftsstruktur im Norden könne das gravierende Folgen haben. Denn mit der Übernahme durch ein internationales Unternehmen geht nach den Erfahrungen der Banker die Entscheidungskompetenz vor Ort und die Verbundenheit mit der Region meist verloren. Erk Westermann-Lammers: „Sollte es uns nicht gelingen, Unternehmensnachfolgen innerhalb Schleswig-Holsteins zu organisieren, kann es zu einem teilweisen Ausverkauf der Firmen kommen.“

Damit in der Region tätige Unternehmen regional verankert bleiben, müsse jeder Inhaber rechtzeitig die Weichen für seine Nachfolge stellen, zumal die demographische Entwicklung die Situation noch verschärft. Der Vorstandschef der Investitionsbank warnt: „Eine vergleichsweise hohe Zahl an abgebenden Unternehmern trifft auf eine geringe Zahl an Interessenten aus dem Kreis der geburtenschwachen Jahrgänge.“

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erstellt am 19.Okt.2015 | 06:00 Uhr

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