Rendsburg : Mehr als 200 Apfelsorten

Den100-Sorten-Baum hat Jochen Bock mit bis zu 600 Jahre alten Sorten veredelt. Auf dem ganzen Gelände  sind mehr als 200 zu finden.
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Den100-Sorten-Baum hat Jochen Bock mit bis zu 600 Jahre alten Sorten veredelt. Auf dem ganzen Gelände sind mehr als 200 zu finden.

Hobby und Beruf zugleich: Gärtner Jochen Bock blüht im 10 000 Quadratmeter großen Garten des Nordkollegs sichtlich auf. An einem Apfelbaum wachsen 100 Sorten Äpfel.

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24. Juni 2014, 06:00 Uhr

Eine grüne Oase, etwa fußballfeldgroß, umgibt die Gebäude des Nordkollegs. Das ist das Reich von Jochen Bock. Hier arbeitet der Gärtner seit 23 Jahren und ist – das merkt man sofort – mit viel Leidenschaft bei der Sache. Wenn er durch den großen Garten läuft, ist er mit langen, zügigen Schritten unterwegs, sieht immer wieder Pflanzen oder Beete, zu denen es etwas zu erzählen gibt. Dabei sprudeln die Erklärungen und Geschichten beinahe aus dem zurückhaltend wirkenden 46-Jährigen heraus.

Früher, sagt er, ging es ihm darum, die perfekte Rose zu züchten. Heute hat er zwar immer noch Edelrosen im Garten, diese seien aber sehr empfindlich, sodass er lieber auf gesunde Rosen setzt, die auch ohne Spritzung auskommen und mit offenen Blüten seinen Bienen nützen. Seit fünf Jahren spritzt Bock seine Pflanzen nicht mehr, düngt ausschließlich mit Kompost und denkt stets auch an seine zwei Bienenvölker.

Für die hat Bock auf einigen Quadratmetern eine Saat namens „Blühende Landschaft“ gelegt. Auf dieser Wildblumenwiese wachsen unter anderem Margeriten, Majoran, schmalblättriger Spitzwegerich, wilde Möhren und Natternkopf – ein Paradies für Wildbienen. „So kann jeder Gartenbesitzer ganz einfach was für den Umweltschutz tun“, erklärt Bock. „Einfach mal zehn Quadratmeter Wildwiese aussäen.“

Auch grundsätzlich sei der Garten des Nordkollegs mit der Zeit immer wilder geworden, sagt er und unterbricht sich dann selbst: „Wild klingt immer komisch. Viele erwarten ja so saubere Beete. Das hier ist ein Naturgarten. Auch wenn er wild ist, ist er gepflegt.“ Liebhabern von akurat gestutzten Hecken und mit der Nagelschere in Form gehaltenem Rasen, wird es hier nicht gefallen. Gänseblümchen wachsen auf der Wiese, schmale Wege führen leicht geschwungen durch die üppig begrünten Rabatten, in vielen gemütlichen Ecken stehen Sitzgruppen – mal einfache Gartenstühle, mal umfunktionierte Baumstämme – und laden zum Verweilen ein.

Jochen Bock wird man dort aber nicht die Füße hochlegen sehen. „Ich kann’s einfach nicht genießen, ich will immer so viel schaffen“, sagt er. „Hier wird man nie fertig, man muss immer wieder ran und renovieren.“ Dass er das mit viel Liebe fürs Detail tut, fällt sofort ins Auge: Kleine Schilder mit Erklärungen stehen alle paar Meter in den Beeten oder hängen von den Bäumen. Sie geben Auskunft darüber, was hier grünt und blüht.

Vor dem so genannten Finnenbaum, der auf den Namen „Puu Hilppa“ getauft wurde (Puu heißt Baum und Hilppa ist ein weiblicher Vorname) ist auf der Infotafel auch ein Foto abgedruckt. Schüler einer finnischen Partnerschule des Nordkollegs lachen fröhlich in die Kamera. Von ihnen hatte Jochen Bock finnische Apfelsorten mitgebracht bekommen und damit einen seiner Bäume veredelt. Genau so kam auch ein Baum mit schwedischen Sorten zu Stande und am Schleswig-Holstein-Baum hat der Gärtner rund 30 Sorten aus der Region gesammelt. „Ich bin ständig auf der Suchen nach alten Sorten“, erzählt er begeistert. Eine stattliche Anzahl hat er aber in den letzten Jahren schon in seinem Garten untergebracht. Über 200 seien es mittlerweile, die Hälfte davon wächst am so genannten 100-Sorten-Baum. Den erkennen sogar Laien auf Anhieb, schließlich führen Bindfäden von jedem Ast zu einem Schild, auf dem der Name der Sorte vermerkt ist. Manche Schilder weisen auf Sorten hin, die es bereits vor 600 Jahren gab. Zwar ist der Baum mittlerweile ziemlich voll, trotzdem möchte Bock weiterhin auf Vielfalt setzen, um alte Obstsorten zu erhalten.

Deshalb ist er auch gern behilflich, wenn Gartenliebhaber ihre eigenen Bäume veredeln wollen. Dann hilft Bock mit praktischen Tipps und gibt auch bei Bedarf Edelreiser an Interessierte heraus. Reichlich Gelegenheit zur Erkundung des Gartens gibt es am 21. Juni. Beim Midsommar-Fest des Nordkollegs ist gleichzeitig auch Tag des offenen Gartens – ein Ereignis, auf das Bock bereits jetzt hinarbeitet, obwohl er sagt: „Eigentlich ist hier jeden Tag offener Garten, ich freu mich immer über Besuch.“

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