Hanerau-Hademarschen : Matrosen-Ausstellung: Auch eine von Granatsplittern durchlöcherte Uniform gehört dazu

Gelungene Kooperation: Ausstellungsmacherin Dr. Birte Gaethke (links) mit der 2. Vorsitzenden des Museumsvereins, Dr. Erika Hartmann.
Gelungene Kooperation: Ausstellungsmacherin Dr. Birte Gaethke (links) mit der 2. Vorsitzenden des Museumsvereins, Dr. Erika Hartmann.

Im Heimatmuseum ist eine Schau zur Kulturgeschichte der Marine zum Beginn des 20. Jahrhunderts zu sehen.

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29. November 2019, 08:42 Uhr

HANERAU-HADEMARSCHEN | Von der Kieler Universitätsbibliothek nach Hanerau-Hademarschen: Das Heimatmuseum im Kloster ist die zweite Station einer Ausstellung unter dem Motto „Matrosenliebe“.

Für ihre „Kulturgeschichte der Marine und Seefahrt am Anfang des 20. Jahrhunderts auf zeitgenössischen Postkarten“ hat Dr. Birte Gaethke rund 200 Exponate zusammengetragen. Im Hademarscher Museum gibt es nun noch mehr zu sehen als bei der Ausstellungspremiere in Kiel, nämlich: Bücher eines Admirals und eine von Granatsplittern durchlöcherte Uniform eines Matrosen.

Matrosenliiebe mit Heimatbezug

Was es mit den exklusiv in Hanerau-Hademarschen gezeigten Exponaten auf sich hat, erläuterte der Vorsitzende des Museumsvereins, Fritz-Hermann Barnstedt, in seiner Begrüßungsansprache. „Wir haben hier einige regionale Besonderheiten“, sagte Barnstedt und wies als erstes auf die Schriften des kaiserlichen Vizeadmirals Hermann Kirchhoff hin, die das Museum seit fünf Jahren sammelt.

Seit fünf Jahren sammelt Fritz-Hermann Barnstedt Bücher des kaiserlichen Vizeadmirals Hermann Kirchhoff (1851 bis 1932).
Hans-Jürgen Kühl
Seit fünf Jahren sammelt Fritz-Hermann Barnstedt Bücher des kaiserlichen Vizeadmirals Hermann Kirchhoff (1851 bis 1932).
 

Kirchhoff ist 1851 in Hanerau zur Welt gekommen und im Alter von 16 Jahren zur Marine gegangen, erzählte Barnstedt: „Er hat unter anderem 1900 an der Niederschlagung des Boxeraufstands in China mitgewirkt und wurde dann ein bedeutender Militärhistoriker, dessen Bücher heute noch neue Auflagen erleben.“

Ausgehuniform des Seekadetten Karl Reitz

Ein gebürtiger Hademarscher war Karl Reitz, der im Ersten Weltkrieg als Marinesoldat auf dem Torpedoboot V69 Dienst tat. Bei der großen Seeschlacht vor dem Skagerrak am 31. Mai 1918 geriet die V69 dermaßen unter Beschuss, dass die im Spind hängende Ausgehuniform des Seekadetten Reitz von Granatsplittern durchsiebt wurde. 101 Jahre später gehört diese Uniform zu den Exponaten der „Matrosenliebe“-Ausstellung im Hademarscher Heimatmuseum.

Kinder in Matrosenanzügen: eine Postkarte aus dem Jahr 1912.
Hans-Jürgen Kühl
Kinder in Matrosenanzügen: eine Postkarte aus dem Jahr 1912.
 

Die Exponate von Ausstellungsmacherin Dr. Birte Gaethke sind ebenfalls größtenteils 100 Jahre oder älter. „Wenn Matrosen, Seefahrt und Postkarten aufeinandertreffen, wird das kulturell sehr spannend“, bemerkte Gaethe zum Auftakt ihres einführenden Vortrags.

Blütezeit der Postkarte

Vor 100 Jahren sei das angesagte „Medium der Zeit“ die Postkarte gewesen: „So wie man heute per SMS oder Whatsapp Nachrichten verschickt, machte man das damals mit Postkarten.“ Die Blütezeit der Postkarte war zwischen 1890 und 1918.

Also haben wir genug Material, um es kulturell auszuwerten. Ausstellungsmacherin Dr. Birte Gaethke.
 

Im Jahr 1892 wurden in Deutschland 342 Millionen Postkarten verschickt. Wegen dieser schieren Menge sind viele Exemplare bis heute erhalten geblieben. „Also haben wir genug Material, um es kulturell auszuwerten“, stellte Gaethke fest.

Serienkarten mit Atelierfotos

Eine neue Technik begünstigte die Massenproduktion: „Brom-Silber-Postkarten konnten in kurzer Zeit in großen Mengen hergestellt werden.“ Es entstanden Serienkarten mit Atelierfotos zu Themen wie Abschiedsschmerz, Einsamkeit auf hoher See oder Sehnsucht nach der Heimat, die „schon damals gesammelt und als Sammelobjekte bezeichnet wurden.“

Die Verse auf diesen Serienkarten kommen uns heute „extrem verkitscht“ vor, befand Gaethke. Ein Vorbehalt, der aber zum Teil auf der Unkenntnis der zitierten berühmten Dichterverse beruhe: „Somit handelt es sich um ein Kulturgut, das für uns heute ein bisschen versackt ist.“

Aus den 1950er Jahren: Porzellanfiguren aus Kiel, die als Rumbehältnisse dienten.
Hans-Jürgen Kühl
Aus den 1950er Jahren: Porzellanfiguren aus Kiel, die als Rumbehältnisse dienten.
 

Die Ausstellung zeige „einen kleinen Ausschnitt des Matrosenbildes der Kaiserzeit in seinen vielfältigen Facetten“, resümierte Gaethke und wandte sich an die Eröffnungsgäste: „Ich hoffe, dass Sie genauso viel Spaß beim Betrachten habe wie ich beim Zusammenstellen! Ahoi!“

Die Sonderschau bleibt bis Ende März aufgebaut. Das Heimatmuseum hat an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Besichtigungstermine können unter Telefon 0 48 72 / 1017 vereinbart werden.

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