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Urteil in Kiel : Massivhaus-Pleite war Betrug: Bewährungsstrafe für Klaus K.

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kieler Strafkammer fällt Urteil sieben Jahre nach dem Niedergang von Idea-Haus in Büdelsdorf.

Am Ende ging’s ganz schnell und glimpflich aus. Ein Jahr und zehn Monate zur Bewährung. Mit diesem Urteil verließ Klaus K. das Kieler Landgericht als freier Mann. Der Spruch der 3. Strafkammer war der Schlussstrich unter zwei Bauchlandungen, die der 59-Jährige mit maroden Bauträgerfirmen hingelegt hatte: 2006 mit Idea-Haus in Büdelsdorf, 2011 mit Partner Massivhaus in Flensburg.

Fast sieben Monate hatte sich das komplexe Doppelverfahren zäh dahingeschleppt. 101 Fälle galt es zu untersuchen, um die Anklagevorwürfe des Betrugs, der Insolvenzverschleppung, der Vorenthaltung von Arbeitsentgelt, des Verstoßes gegen Buchführungspflichten zu untermauern. Am Ende blieben von 101 Tatvorwürfen nur noch 10 übrig. Der Rest wurde eingestellt, als K. im November sein Schweigen aufgab und mit einem Geständnis den Weg zu einer prozessökonomischen Lösung des Falles frei machte. Es dürfte nicht wenige Häuslebauer und Handwerker geben, denen das Urteil von Kiel sauer aufstößt. Am Rande des Weges, den K. mit wechselnden Geschäftspartnern beschritt, blieben Menschen in Existenznot zurück.

Es war jedes Mal dieselbe Masche. Als im Oktober 2006 mit idea-Haus der nach eigenen Angaben größte Anbieter von Design-Häusern in Norddeutschland in die Pleite rauschte, blieben ebenso wie fünf Jahre später in Flensburg Bauherren auf völlig überzahlten Rohbauten und Handwerker und Lieferanten auf unbezahlten Rechnungen sitzen. Die zu Niedrigst-Konditionen angebotenen schlüsselfertigen Häuser waren zu Preisen ab 90 000 Euro einfach nicht zu bauen.

Besonders heftig hatte idea-Haus die Branche durchgeschüttelt. Im Unternehmen fand der Insolvenzverwalter gerade noch 23 000 Euro. Demgegenüber aber standen Forderungen in Millionenhöhe. Partner Massivhaus hingegen war zu schnell in kritische Schräglage geraten. Das Unternehmen war nur gut ein Jahr am Markt tätig gewesen und ging konkurs, bevor der Schaden ins Uferlose ansteigen konnte. Beispielhaft für viele Kunden stand eine Flensburger Familie, die ihr Haus im voraus fast vollständig bezahlt hatte, aber nur einen Rohbau geliefert bekommen hatte. In einer beispiellosen Aktion hatte 2011/2012 die Flensburger Kreishandwerkerschaft die Ruine in ein Einfamilienhaus verwandelt und diese Aktion genutzt, um vor den Billigheimern auf dem Markt zu warnen.

In passender Orchestrierung dazu ging mit IBG-Haus im Dezember 2012 die Urmutter der Bauträgerfirmen in die Insolvenz. Und zwar nach dem gleichen Muster: Hausdurchsuchungen, Haftbefehle, Ermittlungen der Kieler Schwerpunktstaatsanwaltschaft. Hier, bei IBG, hatte Klaus K. in den 90er-Jahren übrigens seine Karriere begonnen.

Und obwohl er Millionen bewegte, scheint ihm an Ende nur wenig geblieben zu sein. Für eine finanzielle Wiedergutmachung reichte es offenbar nicht. Die 3. Kammer verurteilte Klaus K. zur Ableistung von 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

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erstellt am 04.Okt.2013 | 18:56 Uhr

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