Nach Havarie in Rendsburg : Maschinist der Schwebefähre wird angeklagt

Stunden nach der Kollision: Ein Mitarbeiter der Kanalverwaltung begutachtet von einem Motorschiff aus den Schaden an der Schwebefähre. Später stellte sich heraus: er ist nicht zu reparieren.
Stunden nach der Kollision: Ein Mitarbeiter der Kanalverwaltung begutachtet von einem Motorschiff aus den Schaden an der Schwebefähre. Später stellte sich heraus: er ist nicht zu reparieren.

Nach der Kollision mit einem Frachter sollte der Fährführer 2400 Euro zahlen – die Strafe will der 53-Jährige nicht akzeptieren.

shz.de von
11. Januar 2018, 17:58 Uhr

Rendsburg | Die Havarie der Schwebefähre zieht nun doch einen Prozess nach sich. Das Amtsgericht Rendsburg hatte dem 53-jährigen Fährführer im vergangenen Jahr einen Strafbefehl in Höhe von 2400 Euro zugestellt, zahlbar in Monatsraten von 100 Euro. Der Fall schien erledigt. Die Geldstrafe will der Maschinist jedoch nicht akzeptieren. „Damit kommt es jetzt zur Hauptverhandlung“, sagte Axel Bieler, Sprecher der Kieler Staatsanwaltschaft. „Wir sehen keine Möglichkeit für eine außergerichtliche Einigung.“

Diese strebte der Verteidiger des Fährführers bis gestern an. „Gegen den Strafbefehl ist Einspruch eingelegt worden“, bestätigte Anwalt Gerald Goecke. Der erfahrene Verteidiger aus Kiel will erreichen, dass sein Mandant straffrei davonkommt. Ihm könne „kein subjektives Verschulden“ vorgeworfen werden, argumentiert der Jurist. Verhandelt wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft voraussichtlich Ende Februar oder Anfang März vor dem Amtsgericht Rendsburg. Ein Termin steht noch nicht fest.

Die Strafverfolger sind der Überzeugung, dass der Mann auf der Kommandobrücke der Schwebefähre zumindest eine Mitschuld trägt. Der Maschinist habe am Morgen des 8. Januar 2016 fahrlässig gehandelt, so Bieler im Oktober. „Er hat den vorfahrtsberechtigten Schiffsverkehr nicht beobachtet, damit fahrlässig Leib und Leben des Passagiers gefährdet und einen Sachschaden in Millionenhöhe angerichtet.“ Für Vorsatz gebe es nach Aktenlage keine Anhaltspunkte.

Die Schwebefähre kollidierte am schwarzen Freitag vor zwei Jahren und vier Tagen mit einem Frachter und wurde irreparabel zerstört. Der Fährführer wurde schwer verletzt, der einzige Passagier kam mit Prellungen, Schrammen und dem Schrecken davon. Wegen der Folgen für den geschädigten Fahrgast sei man dem Vorschlag der Verteidigung nicht gefolgt, das Verfahren unter Auflagen einzustellen, führte Oberstaatsanwalt Axel Bieler weiter aus.

Die Ermittlungen stützen sich auf Zeugenaussagen, Radardaten und die Bilder einer Webcam, die das Unglück vom Ufer aus filmte. Per Gutachten wurde geklärt, dass die Schwebefähre voll funktionstüchtig war. Dem Kapitän und dem Kanallotsen auf der ebenfalls schwer beschädigten „Evert Prahm“ sind laut Staatsanwaltschaft keine Vorwürfe zu machen. In einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) heißt es, die Besatzung habe sofort ein „Voll-zurück“-Manöver eingeleitet, verbunden mit dem Steuerbefehl „Hart Backbord“ (in Fahrtrichtung links). Ein Abschlussbericht der BSU liegt noch nicht vor.

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