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Landeszeitung

21. Oktober 2017 | 12:54 Uhr

Maritime Texte bei Kajütenfeeling

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Kultur im Hinterhof“: Erfolgreicher Abschluss der diesjährigen Reihe – auch wenn es regnete

„Das Wetter hat fast immer mitgespielt, wir haben ein interessiertes Publikum und gleichmäßige Besucherzahlen“, freute sich Peter Feuser zum Schluss der diesjährigen Saison von „Kultur im Hinterhof“. Um die 30 Besucher kommen jedes Mal, bei bestimmten Themen mehr. Die 35. Veranstaltung fand im Hof des Schifffahrtsarchivs in der Königstraße statt.

Dort gibt es keinen Hinterhof im üblichen Sinn, sondern eine gepflegte Oase abseits der Straße. 500 Jahre ist das Haus alt. Es war einst Schankwirtschaft mit Ausspannplatz für die Pferde, Kolonialwarenladen, Café, Pelzhandlung und Fischrestaurant. Dann hatte es Reeder Jens Peter Schlüter erworben, aufwändig renovieren lassen und darin das Schifffahrtsarchiv eingerichtet.

Passend zum Ort hatte Peter Feuser Gedichte und Texte des Seemannes Hans Gustav Bötticher alias Joachim Ringelnatz (1883-1934) ausgesucht. „Er hat mehr als nur Kuttel-Daddeldu geschrieben: Zartes, Poetisches, Leises, Heftiges, Derbes, Grobes, Anmachendes, Humorvolles.“ Von allem gab es an diesem Abend zu hören, gewürzt mit maritimen Klängen von Meike Salzmann (Konzertakkordeon). „Biscaya“, wie von ihr gekonnt und fantasiereich gespielt und von von Gerhard Breier (Saxofon, Klarinette) begleitet, berührte so sehr, dass der Himmel anfing zu weinen: Nach einer viertel Stunde musste die Vorstellung drinnen fortgesetzt werden. Nun mit maritimem Kajütenfeeling.

Bei Wein und Wasser rezitierte Peter Feuser aus dem breiten Schaffen von Ringelnatz, der auch Kommandant eines Minensuchbootes war. „Als Mariner im Krieg“ lautet der Titel seiner persönlichen und sehr anschaulichen Zeitgeschichte. Persönliches überwog aber, darin wie Kuttel Daddeldu nach 18 Monaten auf See seine Heuer verteilt hatte: „Kuttel Daddeldu ging an Land. Die Rü Albani war ihm bekannt. Er kannte nahezu alle Hafenplätze. Weil vor dem ersten Hause ein Mädchen stand, holte er sich im ersten Haus von dem Mädchen die Krätze.“

Seemannslieder – mit viel Lust und Humor von Gerhard Breier begleitet – verführten das textsichere Publikum zum Mitsingen. Bei den „Ostseewellen“ mit perfekt imitiertem Möwengeschrei, der „Liebe der Matrosen“ vor dem makabren Ringelnatz-Text von der „Seemannstreue“ bis zum Schluss mit dem absoluten Lieblingslied „La Paloma“ war es ein Abend mit gelungenem Spagat zwischen Anspruch und Spaß.

Im kommenden Jahr wird „Kultur im Hinterhof“ mit fünf Folgen fortgesetzt.



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