Hohenwestedt : Manganknollensuche im Pazifik

Die neue „Sonne“: Das deutsche Forschungsschiff hat vor ein paar Tagen große Manganknollenfelder im westlichen Atlantik entdeckt.
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Die neue „Sonne“: Das deutsche Forschungsschiff hat vor ein paar Tagen große Manganknollenfelder im westlichen Atlantik entdeckt.

Hohenwestedter Forscher fährt mit dem Forschungsschiff „Sonne“. Auswirkungen auf die Tierwelt sollen untersucht werden.

shz.de von
17. Januar 2015, 12:00 Uhr

Vor ein paar Tagen wurde vom deutschen Forschungsschiff „Sonne“ ein Vorkommen von Manganknollen entdeckt, das möglicherweise alle bisher im Atlantik bekannten Manganknollenfelder in den Schatten stellt. Das Spezialgerät, das bei dieser eher zufälligen Entdeckung zum Einsatz kam, wurde von der Hohenwestedter Firma „Oktopus“ entwickelt. Die „Sonne“ war bei ihrer Jungfernfahrt Richtung Pazifik (über Panama) im westlichen Teil des Atlantiks unterwegs, und die Wissenschaftler an Bord wollten eigentlich das „Epibenthos“ (griechisch) untersuchen: die Tierwelt auf dem Meeresboden. Das wichtigste Hilfsmittel der Forscher dabei ist ein sogenannter Epibenthosschlitten: ein rund drei Meter langes Spezialgerät, das in mehreren tausend Metern Tiefe biologische Proben sammelt und gleichzeitig Bilder aufnimmt. Ebendieser Epibenthosschlitten wurde von Dr. Gerd Schrievers Firma „Oktopus“ entwickelt. Schriever leitet von Hohenwestedt aus zwei Firmen: Während „Oktopus“ (gegründet 1998) Geräte für die Meeresforschung produziert, bietet „Biolab“ (1993) Forschung und Beratung im Bereich des maritimen Umweltschutzes an.

Die Manganknollen, die der „Oktopus“-Schlitten an die Oberfläche mitbrachte, sind „sehr gleichmäßig geformt und reichen von Golfball- bis Kegelkugel-Größe“, heißt es in einer gemeinsamem Pressemitteilung der Universität Hamburg und des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel: „Bei Wachstumsraten zwischen einem und fünf Millimetern in einer Million Jahren könnten einige der Knollen über zehn Millionen Jahre alt sein. Fotos, die der Epibenthosschlittens aufgenommen hat, ergaben, dass die Knollen in dem untersuchten Bereich dicht an dicht auf dem Boden des Atlantiks liegen.“ Manganknollen sind metallhaltige Gebilde auf dem Meeresboden, die – wie der Name schon andeutet – hauptsächlich Mangan, aber auch Eisen, Kupfer, Zink und Kobalt enthalten können. „Zu einem geringen Anteil sind darin auch seltene Erden enthalten“, ergänzt Schriever, der bereits von 1989 bis 1996 im Ostpazifik die möglichen Umweltauswirkungen großflächigen Manganknollenabbaus untersucht hat und in einem halben Jahr in gleicher Mission in Ecuador an Bord des Forschungsschiffs „Sonne“ gehen wird.

Die neue „Sonne“ ist das gerade in Dienst gestellte Nachfolgemodell der alten „Sonne“, auf der Schriever 1989 zu einem Manganknollenfeld südlich der Galapagosinseln vor der Küste Perus schipperte. „Wir sollten damals im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Technologie herausfinden, wie schnell sich ein großes gestörtes Meeresbodengebiet wieder regeneriert“, erzählt Schriever, der genau der richtige Mann für die Projektleitung war, denn von 1988 bis 1993 beschäftigte sich der Hohenwestedter als Mitarbeiter des Instituts für Hydrobiologe der Universität Hamburg vor allem mit den möglichen Auswirkungen des Manganknollenabbaus in der Tiefsee.

In einem Großversuch pflügten Schriever und sein Team ein elf Quadratkilometer großes Manganknollenfeld bei den Galapagosinseln um – in 4150 Metern Tiefe, mithilfe einer Pflugegge. „Wir wollten eine Störung erzeugen, die mit der Störung vergleichbar ist, die zukünftige Abbaugeräte am Meeresboden erzeugen würden“, erklärt Schriever. Dreimal kamen die Wissenschaftler zurück, um die Auswirkungen ihres Tiefseepflügens zu inspizieren: noch im gleichen Jahr 1989, 1992 und 1996. „Die Fläche hat sich schneller entwickelt, als wir gedacht hätten“, bilanziert Schriever, „aber es ist klar, dass sie nie wieder den Urzustand erreichen kann.“ Zum Leidwesen der Tiere, denen die Manganknollen als Lebensraum dienen: Seeanemonen, kleine Krebse und Würmer.

Nachdem sich die Bundesregierung Mitte der 90-er Jahre auf Initiative der „Grünen“ vom Thema Manganknollenabbau verabschiedet und alle Untersuchungen eingestellt hatte, sind die deutschen Forscher seit 2005 wieder auf dies Thema angesetzt. Deutschland hat sich sogar zwei jeweils 75  000 Quadratkilometer große Manganknollen-Anspruchsgebiete im Pazifik gesichert, die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Hannover) verwaltet werden. Die neue „Sonne“ will im März genau diese deutschen Manganknollenfeldern im Pazifik zwischen Hawaii und Mexiko untersuchen. Anschließend macht sie einen Abstecher zu den Galapagosinseln – und bei diesem Teil der Expedition wird Dr. Schriever dann dabei sein. Der Hohenwestedter wird am 28. Juli im Hafen von Guayaquil (Ecuador) an Bord der „Sonne“ gehen und das Forscherteam vier Wochen lang als Berater verstärken. „Es wird spannend sein zu sehen, wie sich das Manganknollenfeld, das wir 1989 gestört haben, entwickelt hat“, sagt Schriever, „wir haben ja heutzutage auch deutlich modernere und bessere Foto- und Video- und Probenentnahmegeräte als damals.“

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