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Zirkus Krone in Rendsburg : Manege frei für Artisten, Tiger und Tierschützer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Ab morgen gastiert Zirkus Krone auf dem Willy-Brandt-Platz. Einige Demonstrationen wurden bereits angekündigt.

Rendsburg | Seit Dienstagvormittag schlägt der Zirkus Krone auf dem Willy-Brandt-Platz seine Zelte auf. Ein 40-köpfiges „Vorkommando“ richtete vorab die vier Hauptmasten auf dem Festplatz auf, schlug Anker in den Boden und vermaß das Areal nach einem „Generalstabsplan“. Während in den vergangenen Tagen der „Grundriss“ für das größte Zirkuszelt der Welt gelegt wurde, wird heute das Hauptzelt hochgezogen. „Es bietet Platz für etwa 4500 Zuschauer“, berichtet Max Siemoneit-Barum, zweiter Betriebsinspektor und Tierschutzbeauftragter des Zirkus. Insgesamt entstehe im Laufe weniger Tage eine Stadt in der Stadt, die Platz für etwa 300 Mitarbeiter und rund 200 Tiere bietet. Immer mit dabei sind außer den Artisten beispielsweise Schneider, Schlosser, Schreiner und eine Zirkus-Schule sowie zahlreiche Tiere. Darunter Elefanten, ein Nashorn, Zebras, Pferde, weiße und braune Löwen und Tiger sowie Kamele, Ziegen und Seelöwen.

Wie an jedem Ort ihrer Tournee rechnet Siemoneit-Barum auch in Rendsburg mit Protesten von Tierschützern. Mitglieder von Animal Rights Watch (Ariwa) haben bereits in den vergangenen Tagen an einem Stand auf dem Schiffbrückenplatz über ihre Ziele informiert. Während der Zirkus in der Stadt gastiert, wollen sie gegen dessen Tierhaltung demonstrieren. In Flyern informieren sie unter anderem darüber, dass die Tierarten, die man im Zirkus sieht, in ihrer natürlichen Umgebung sehr viel Platz zur Verfügung haben – im Gegensatz zu den Zuständen in einem Zirkus. Während Max Siemoneit-Barum jedoch von ungebrochenen Besucherströmen berichtet, erleben die Ariwa-Aktivisten ein Umdenken in der Bevölkerung: „Es gibt immer mehr junge Familien mit Kindern, die uns erzählen, dass es für sie selbstverständlich ist, nicht in den Zirkus zu gehen“, freut sich Ulla Jäckle.

„Ich würde mir wünschen, dass die Tierrechtler hier herkommen, sich informieren und dann kritisieren, wenn es noch etwas zu meckern gibt“, so Siemoneit-Barum. Es sei täglich eine Tierschau geöffnet, in der man bei der Pflege, Fütterung und den Proben mit den Tieren zusehen könne. Außerdem unterstehe man an jedem Ort der Kontrolle eines Amtsveterinärs. In Rendsburg entfällt diese Kontrolle, da der Zirkus schon eine Weile durch Schleswig-Holstein tourt und sich die Tierärzte untereinander über ein System informieren können. „Der Zirkus Krone ist ein professioneller Betrieb, der entsprechend den Vorgaben agiert und deshalb unproblematisch ist“, begründet Amtstierärztin Dr. Kristina Hein, warum eine Kontrolle in Rendsburg nicht nötig sei, zumal sie den Zirkus bereits kenne. Grundsätzlich würden vor allem die Haltungsbedingungen sowie die Papierlage kontrolliert. So lange der Zirkus den Richtlinien für Tierhaltung im Zirkus entspricht, ist alles in Ordnung. Das sei bei Krone der Fall. Doch jene Richtlinien kritisieren die Tierschützer: „Wildtiere wie Elefanten, Tiger und Co. können im Zirkus nicht artgerecht gehalten werden. Die in den Leitlinien genannten Anforderungen an die Haltung von Tieren im Zirkus sind absolut minimal“, weiß Dr. Martina Stephany, Kampagnenleiterin bei „Vier Pfoten“ Deutschland. Ihr zufolge beweisen viele wissenschaftliche Arbeiten, dass Wildtiere im Zirkus sehr verhaltensauffällig sind. „Es ist zum Beispiel belegt, dass insbesondere große, karnivore Arten mit großen Streifgebieten – wie etwa Löwen und Tiger – in Gefangenschaft viele Anzeichen von Stress und Verhaltensstörungen zeigen.“

Wer im Publikum sitzt, wenn es morgen heißt „Manege frei für Löwe, Tiger und Co.“ entscheidet jeder selbst.


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erstellt am 06.Aug.2015 | 10:11 Uhr

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