Deutschlands WM-Gegner : Mama Boateng fiebert mit Ghana

Ghana vor, noch ein Tor: Comfort Afia Boateng (Mitte) mit ihren Kindern Philip, Precious, Frieda und Priscilla (von links).
Foto:
1 von 2
Ghana vor, noch ein Tor: Comfort Afia Boateng (Mitte) mit ihren Kindern Philip, Precious, Frieda und Priscilla (von links).

Eine Rendsburger Familie möchte heute Abend lieber Kevin-Prince als seinen Halbbruder Jerome Boateng siegen sehen, der für Deutschland spielt.

shz.de von
21. Juni 2014, 16:00 Uhr

Im ihrem Wohnzimmer muss es einfach extrem unterhaltsam zugehen, wenn heute Abend das Spiel zwischen Deutschland und Ghana bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien um 21 Uhr angepfiffen wird. Denn Comfort Afia Boateng strahlt die pure Lebensfreude aus und ist mit vollem Herzen dabei, wenn der Ball rollt. Wenn Deutschland gegen Ghana spielt, dann stehen sich auch zwei andere Boatengs gegenüber. Jerome spielt für Deutschland, sein älterer Halbbruder Kevin-Prince für die „Black Stars“, wie die Nationalmannschaft Ghanas auch genannt wird. „Nein, verwandt sind wir nicht“, sagt sie und lacht. Boateng sei in Ghana ein Name so wie in Deutschland Müller.

Zusammen mit den vier Kindern – Philip (16), Priscilla (13), Precious (6) und Frieda (5) – saß Comfort Afia Boateng schon beim ersten Gruppenspiel der Ghanaer gegen die USA auf der Couch. „Nach 30 Sekunden das 0:1, das gibt’s doch nicht“, kann die 42-Jährige auch heute den frühen Rückstand gegen die US-Amerikaner noch immer nicht recht fassen. Lange Zeit saß Kevin-Prince Boateng gegen die USA auf der Bank. Comfort Afia Boateng hätte ihn und auch den zweiten Star der Ghanaer, Michael Essien, lieber in der Startelf gesehen. „Warum lässt der Trainer so gute Spieler draußen?“, fragt sie und guckt, als müsse man ihr sofort eine Antwort präsentieren. Alles Zittern, Hoffen und Anfeuern half am Ende nichts. Zwar glich Ghana kurz vor Schluss aus, kassierte aber postwendend durch einen Kopfball das 1:2 und verlor. „Jetzt müssen wir gegen Deutschland gewinnen“, sagt Mama Boateng: „Aber das wird schwierig. Deutschland ist gut.“

Seit sechs Jahren lebt Comfort Afia Boateng in Rendsburg, ihre älteren Kinder sind erst vor wenigen Monaten aus dem ghanaischen Sunyani nach Deutschland gekommen. Nach dem 4:0-Erfolg der Deutschen gegen Portugal sei hier erstaunlich wenig los gewesen, sagt sie. Und die hupenden Autos? Die vielen Leute auf der Straße? „In Ghana wäre da mehr los“, sagt sie und strahlt.

Heute gegen Deutschland sollte ein Sieg für Ghana her, ansonsten käme das Aus für die Afrikaner wohl ehe das Turnier so recht begonnen hat. „Wir müssen einfach gewinnen, wir brauchen die Punkte dringender als Deutschland“, behauptet Comfort Afia Boateng. „Deutschland und Ghana kommen weiter, USA und Portugal fliegen raus“, orakelt sie. Sollte aber doch Ghana schon in der Vorrunde ausscheiden, dann will sie Deutschland anfeuern. Doch so weit ist es noch nicht. „Ich werde beten, die ganze Zeit“, sagt die 42-Jährige – vor und während des Spiels. 2:1 lautet ihr Tipp, mindestens ein Tor von Kevin-Prince Boateng sagt sie voraus, auch wenn Jerome Boateng ein guter Verteidiger ist. Tochter Priscilla glaubt auch an ein 2:1, Philip setzt auf ein 3:1 für die „Black Stars“. „Aber wir müssen vorsichtig sein, denn Deutschland hat Thomas Müller“, sagt Comfort Afia Boateng. Aber Müller – das ist ja wie Boateng in Ghana, und Ghana hat davon auch einen. Der Ausgang des Spiels ist also völlig offen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen