Maisernte: Neun Tage Dauereinsatz

Luken auf: 13 Tonnen Mais-Häcksel werden entladen.
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Luken auf: 13 Tonnen Mais-Häcksel werden entladen.

Landwirt Timo Rohwer aus Schülp (Kreis Rendsburg-Eckernförde) erntet rund 14.500 Tonnen Mais-Häcksel. Zwei Drittel davon landen in der Biogasanlage.

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19. Oktober 2012, 09:27 Uhr

Schülp/N. | Donnernd rauschen die Mais-Häcksel vom Anhänger. Tonne um Tonne der grün-braunen Masse entleeren sich vor dem riesigen Silo. Es ist Maisernte. Ein Treckergespann nach dem nächsten rollt auf das Grundstück der Biogasanlage am Schülper Weg. "34.660 Kilogramm" zeigt die Anzeige. Ein vollbeladener schwarzer Schlepper macht Zwischenstopp auf der Waage. Mittendrin im Geschehen: Timo Rohwer, dessen Vater Carsten gemeinsam mit Hans-Herrmann Harder und Torsten Pöhls die Anlage betreibt. Den überwiegenden Teil des Maises kaufen sie anderen Bauern ab. Vor zwei Jahren ging die Schülper Anlage ans Netz. 650 Kilowatt produziert sie pro Stunde. Timo fährt mit ab, organisiert Fahrer, plant Abläufe und steht in Kontakt mit Lohnunternehmern und den insgesamt 23 Landwirten - neun Tage Dauereinsatz.
"Das Telefon geht alle zwei Minuten", berichtet der 31-Jährige und unterbricht ein Gespräch mit einem Mitarbeiter. Einer der Fahrer steht vor einem bereits leeren Feld. Timo muss ihn zu der neuen Fläche lotsen. "Eigentlich sind alle Trecker mit Funk ausgerüstet - außer der eine", erklärt er. Der Stress der vergangenen Tage ist ihm nicht anzumerken. Der Schülper wirkt, als könne ihn so leicht nichts aus der Ruhe bringen. Wenn er am Sonnabend das letzte Stück Plane über den Silo zieht, werden die Betreiber der Anlage mit Hilfe zweier Lohnunternehmer rund 14 500 Tonnen Mais-Häcksel von einer Gesamtfläche von 320 Hektar abgetragen haben. Was einer Fläche von rund 450 Fußballfeldern entspricht. Zwei Drittel des Futtermaises gehen in die Biogasanlage.
"Alles voller Mais"
"Um sechs Uhr muss ich hoch, gegen ein Uhr nachts bin ich im Bett", berichtet Timo Rohwer. In Ausnahmefällen fahre man auch mal bis in die frühen Morgenstunden. "Wenn eine Fläche noch fertig werden soll oder Regen angekündigt ist." Heute Vormittag aber strahlt die Sonne vom Himmel. Einer der Lohnunternehmer hatte gleich fünf Fahrer bereitgestellt. Timo Rohwer hatte deshalb beschlossen, zunächst die am weitesten entfernten Flächen abzutragen. Insgesamt acht Gespanne sind zwischen Schülp und Einfeld unterwegs. Erst um 11 Uhr sitzt auch der Familienvater hinter dem Lenkrad. Für den Vormittag hat sich zunächst der Umweltgutachter angekündigt.
Nun rollt der Trecker von Timo Rohwer mit 40 Stundenkilometern über die enge Landstraße. Es ist ein älteres Modell. Man muss noch selber schalten. Der Motor dröhnt. Es ist laut - und heiß. Die Herbstsonne knallt durch das verschmutzte Fenster. "Die Klimaanlage ist kaputt, und das Dach kann ich leider nicht aufmachen. Alles voller Mais", sagt der Landwirt lachend. Dicht hinter dem Gespann kurvt ein weißer Golf von links nach rechts. Ob den 31-Jährigen das nervös mache? "Überhaupt nicht. Aber man muss sich schon konzentrieren." Immer wieder erlebe er riskante Überholmanöver. "Meist lösen sich Autoschlangen aber schnell wieder auf. Etwaigen Dreck entfernen wir im Laufe des Tages wieder."
Der Betrieb muss schließlich weiterlaufen
Verkehrsbehinderung und Straßenverschmutzung - es sind nicht die einzigen Vorwürfe, die Maisbauern entgegengebracht werden. Die sogenannte "Vermaisung" der Landschaft im Zuge des Bioggasbooms sei eine große Gefahr für das heimische Ökosystem, sagen Kritiker. Die Diskussion hält Timo Rohwer für "etwas zu breit getreten". "In der Marsch gibt es seit jeher Weizen-Monokulturen. Da redet keiner drüber." Landwirte müssten auch wirtschaftlich denken, so der 31-Jährige weiter. "Auf dem sandigen Boden hier gibt es nur wenig Alternativen zum ertrag- und energiereichen Mais." Der junge Landwirt setzt den Blinker, biegt mit seinem langen Gefährt links ab. Vor ihm liegen zehn Hektar Maisanbaufläche. "Natürlich muss es ein gesundes Gleichgewicht geben", fügt er noch hinzu. "Die Fruchtfolge wird aber eingehalten. Außerdem wird bereits wieder zurückgerudert. Die Anbauflächen in Schleswig-Holstein werden kleiner."
Timo Rohwer muss zunächst warten. Ein anderer Trecker rollt neben dem Häcksler. Über den Auswurfkrümmer der riesigen Maschine schießen die Mais-Häcksel auf den Anhänger. Vier Stunden brauche man für eine solche Fläche in etwa, erklärt der Fachmann. "Wenn alles gut läuft und der Häcksler keine langen Wartezeiten hat." Rund 45 Minuten dauert eine Fahrt zu den Flächen in Einfeld - hin und zurück. Noch zehnmal wird der 31-Jährige an diesem Tag seinen Anhänger dort vollladen.
Zurück in Schülp gibt es dann aber erst einmal Mittagessen - Erbsen mit Kartoffeln und Hackfleisch. Die drei Landwirtsfamilien wechseln sich mit der Versorgung der Mitarbeiter ab. Die wiederum wechseln sich mit dem Essen ab. "Keine Rudelbildung", betont Timo und füllt seinen Teller. "Der Betrieb muss schließlich weiterlaufen. Der Silo muss zu."

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