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Landeszeitung

22. August 2017 | 23:07 Uhr

Mahnmale unter unseren Füßen

vom

Gunter Demnig verlegte 13 neue Stolpersteine / Gedenken an politisch Verfolgte, Euthanasie-Opfer, Homosexuelle und Zeugen Jehovas

Rendsburg | Widerstand gegen die Nationalsozialisten leisteten nicht nur Graf von Stauffenberg und die Männer des 20. Juli 1944. SPD-Angehörige, KPD-Funktionäre oder Handwerker wurden ebenfalls verfolgt. Auch in Rendsburg und Umgebung waren sie unter den Opfern. "Stellvertretend für viele politisch Verfolgte, gegen die die Nazis in Rendsburg rigoros vorgingen, erinnern wir mit diesem Stolperstein an Ernst Friedrich Meggers", hieß es gestern vor dem Haus Prinzessinstraße 21. Der Initiator der Aktion, Gunter Demnig, versenkte den Stein mit der Messingtafel eigenhändig im Kopfsteinpflaster. Insgesamt waren es 13 Steine - elf in Rendsburg, je einer in Büdelsdorf und Schacht-Audorf.

"Meggers ist einer der wenigen, zu denen ich ein paar Details herausgefunden habe", sagt Matthias Lauer. Er absolvierte ein Freiwilliges Bildungsjahr Politik (FBJ) am Jüdischen Museum und begab sich in dieser Zeit auf die Spuren der NS-Opfer. Meist war es nicht viel, was sie hinterließen. Oft nicht mehr als ein Name und ein paar dürre Daten.

Aber: "Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist, heißt es im Talmud." Dieser Spruch war unter anderem Motivation für Gunter Demnig zur Stolperstein-Aktion. Und so kam gestern der Name Meggers wieder ins Gespräch. Ernst Friedrich Meggers wurde am 16. Februar 1883 in Pahlen geboren und lebte mit Frau Anna und Sohn Ernst Heinrich an verschiedenen Orten in Rendsburg. Von 1910 bis 1930 gehörte der Arbeiter der SPD an, ergaben die Recherchen von Matthias Lauer. Aber in der Weltwirtschaftskrise zog es ihn in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), in der er nach der Nazi-Machtübernahme im Untergrund mitarbeitete. Unter anderem verteilte er Schutzblätter - weswegen er im September 1933 in Schutzhaft genommen wurde. Der Arbeiter ließ sich davon nicht abschrecken. Im Alter von 57 Jahren wurde er deportiert und starb am 16. Januar 1942 im Konzentrationslager Dachau - angeblich an "Versagen von Herz und Kreislauf".

Insgesamt 35 Stolpersteine liegen nun in Rendsburg. 29 davon erinnern an jüdische Mitbürger. "Das ist relativ viel", weiß Dr. Christian Walda. Unterstützt wird die Forschungsarbeit vom Jüdischen Museum und die Verlegung der Steine vom Freundeskreis des Museums - denn 120 Euro kostet eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines. Dieses Mal übernahm einen maßgeblichen Anteil die Antifaschistische Aktion Rendsburg, so Walda. Einen weiteren Teil zahlte Dr. Norbert Klause, vor dessen Haus ein Stein verlegt wurde. In Schacht-Audorf leuchtet die kleine quadratische Messingtafel jetzt im roten Pflaster vor dem Gemeindezentrum, denn die Gemeinde übernahm auch die Kosten.

Gewidmet ist der Stein Friedrich Streich, dem ehemaligen KPD-Vorsitzenden von Schacht-Audorf. Er war mit seiner Frau 1911 aus der Nordukrainie an den Kanal gekommen. Sie arbeiteten erst in der Landwirtschaft, bis Streich bei den Rütgerswerken in Schacht-Audorf Stelle und Wohnung bekam. "Bis dahin war die Familie fromm, heilig und vaterlandstreu" heißt es in den Aufzeichnungen von Heinz Föllscher. Friedrich Streich starb im KZ Buchenwald. Er hatte 13 Kinder, von denen Sohn Werner nach dem Krieg wieder für die KPD tätig wurde. Doch er bekam Schwierigkeiten, so dass er sein politisches Engagement einstellte.

Seine politischen Aktivitäten in Form von Stolpersteinen will Gunter Demnig noch lange beibehalten. Die Verlegung geht ihm inzwischen schnell und geschickt von der Hand. Eimer, Hammer und Mörtel hat er im dunkelroten Transporter immer dabei. Er ist auch viel in Osteuropa unterwegs. Über diese Aktivitäten berichtet er gestern Abend im Jüdischen Museum.

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erstellt am 13.Aug.2013 | 03:59 Uhr

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