Oldtimertreffen : Männerträume am Muttertag

Ein Lieferwagen der besonderen Art: Andreas Kirstein und seine viel bewunderte „Dieselameise“ aus DDR-Produktion.
Ein Lieferwagen der besonderen Art: Andreas Kirstein und seine viel bewunderte „Dieselameise“ aus DDR-Produktion.

Schaulaufen der motorisierten Schönheiten auf dem Messegelände in Rendsburg-Süd.

shz.de von
14. Mai 2018, 07:10 Uhr

Vom chromblitzenden US-Straßenkreuzer mit gewaltigen Heckflossen bis zum Scania-Lkw-Abschleppfahrzeug, Baujahr 1972 – Freunde alter Fahrzeuge kamen gestern beim Oldtimertreffen auf dem Messegelände in Rendsburg-Süd voll auf ihre Kosten.

Ein Hingucker war der „Multicar M21“, genannt „Dieselameise“, produziert 1962 von den Fahrzeugwerken Waltershausen in der ehemaligen DDR. Der kleine Transporter wird von dem Fahrer, der vorne im Fahrzeug steht, durch Gewichtsverlagerung gelenkt. „In der Landwirtschaft, beim Straßenbau und bei der Auslieferung von Kohle kam er zum Einsatz, denn der Wagen hat eine Zuladung von immerhin 1,8 Tonnen“, erklärte der Besitzer Andreas Kirstein. Unter dem Namen „Hako“ habe der Hersteller als einziger DDR-Fahrzeugbauer die Wende überstanden und produziere heute Kommunalschlepper, berichtete der Elmshorner. 14 000 „Dieselameisen“ liefen vom Band. „Aber nur die wenigsten fahren noch“, so Kirstein.

Jan Detlefsen aus Sörupholz (Kreis Schleswig-Flensburg) ist der stolze Besitzer eines Dodge Brothers Baujahr 1928 – und das schon seit 1968. Damals lebte der Maschinenbauer mit seiner Familie in Australien und hat dort den „Schrottwagen“ drei Jahre lang restauriert. Als der heute 78-Jährige 1970 nach Deutschland zurückkehrte, musste sein Dodge natürlich mit – per Schiff von Melbourne nach Italien und dann 2500 Kilometer über die Alpen bis nach Schleswig-Holstein. Heute fährt Detlefsen mit seinem Oldtimer etwa 700 Kilometer im Jahr. Auffällig bei dem Fahrzeug sind die Holzspeichen an den Felgen. „Das ist Hickoryholz, wie es auch für Hammerstiele verwendet wird“, berichtete Detlefsen. Wichtig für den festen Sitz in der Stahlfelge sei, dass das Holz nicht austrocknen dürfe, fügt er hinzu. „Da muss man schon einmal einen Eimer Wasser darüber kippen oder durch eine große Pfütze fahren.“ Das Oldtimertreffen in Rendsburg wird als das größte seiner Art in Schleswig-Holstein gesehen. „Zumindest habe ich noch nichts Gegenteiliges gehört“, freute sich Dirk Schülldorf, der die Veranstaltung zusammen mit Lars Lütje organisiert. Der Gründer des Oldtimertreffens, Erwin Schröder aus Jevenstedt, wirkt nach 23 Jahren nur noch im Hintergrund mit. Schülldorf zeigte sich überzeugt, dass das Treffen am Muttertag neue Rekordzahlen erbrachte. „Mehr als tausend alte Fahrzeuge und etwa 150 Teilehändler – so viele waren noch nie hier.“

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