Hochwertige Handwagen : Made in Osterrönfeld: Bollerwagen zum Falten

Unternehmer, Erfinder, Musiker: Norbert Hämmerling hat viele Talente. Seit zehn Jahren baut er Bollerwagen.  Foto: höfer
1 von 3
Unternehmer, Erfinder, Musiker: Norbert Hämmerling hat viele Talente. Seit zehn Jahren baut er Bollerwagen. Foto: höfer

Norbert Hämmerling aus Osterrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) stellt faltbare Bollerwagen her. Und das - nach eher holprigen Anfangsjahren - inzwischen sehr erfolgreich.

Avatar_shz von
18. Februar 2011, 09:12 Uhr

Osterrönfeld | "Und das entsteht in Osterrönfeld?" Norbert Hämmerling hört diese Frage immer wieder. Selbst die meisten Menschen aus der Region kennen sein Unternehmen nicht. Dabei ist der 46-jährige Inhaber von "ulfBo" mit seiner Erfindung bereits seit zehn Jahren im Geschäft. Hämmerling, den viele als Bassist der Eagles-Coverband "Eaglez" schon einmal live auf der Bühne gesehen haben, stellt faltbare Bollerwagen her. Und das - nach eher holprigen Anfangsjahren - inzwischen sehr erfolgreich.
"ulfBo" steht für ultraleicht faltbarer Bollerwagen. Die Handwagen können nicht nur bis auf Trolley-Größe zusammengeklappt werden. Sie wiegen auch weniger als elf Kilo - halb so viel wie herkömmliche Bollerwagen. Diese Vorteile machen das Gefährt zu einem Renner vor allem für Familien. Oder für Hundebesitzer, deren Tiere lauffaul oder gehbehindert sind. Oder für Forscher und Fotografen, die ihre schwere Ausrüstung nicht schleppen wollen. Die rollende Erleichterung ist allerdings nicht billig. Knapp 400 Euro kostet das Basismodell. Wer Sitzpolster, Cabrioverdeck, Rück- und Frontlicht oder Flaschenhalter als Sonderausstattung ordert, muss schnell 600 Euro oder mehr investieren.
Zwei Jahre tüftelte Hämmerling an seiner Erfindung bis zur Marktreife
Werbung macht Hämmerling nicht. "Das Produkt wirbt für sich", sagt der studierte Agrarwissenschaftler. "Die Kunden sehen den Bollerwagen bei anderen und sagen: das will ich auch." Wer mit einem "ulfBo" in der Stadt oder Natur unterwegs ist, muss sich auf viele neugierige Fragen gefasst machen.
Der Weg zum Erfolg war für Hämmerling beschwerlich. Es begann mit einer privaten Reise. 1999 wollte der in Westerrönfeld lebende Firmenchef mit Frau und Kindern nach Australien fliegen. Am liebsten hätte Hämmerling einen Bollerwagen aus Holz mit in den Flieger genommen, um das Gepäck vor Ort leichter zu transportieren. Doch das Ding war zu schwer und sperrig. "Es müsste einen faltbaren Bollerwagen geben", dachte der technisch versierte Familienvater damals. Da er kein entsprechendes Produkt finden konnte, griff er vor dem Urlaub noch schnell selbst zum Werkzeug. Der Ur-"ulfBo" war geboren. "Er hatte nur drei Räder, sonst aber schon viel Ähnlichkeit mit unserem heutigen Produkt", erinnert sich Hämmerling. Und weil sich der faltbare Transportwagen aus Alu "down under" bewährte, wurde Hämmerling nicht etwa Landwirt, sondern selbstständiger Handwagen-Entwickler. Zwei Jahre schraubte und tüftelte er an seiner Erfindung bis zur Marktreife.
Viele Bollerwagen vertreibt Hämmerling über das Internet weiter selbst
2002 wurde der erste Bollerwagen ausgeliefert. Die Kunden waren begeistert, schickten "ulfBo"-Urlaubsfotos aus aller Welt nach Osterrönfeld. Doch der Ausstoß blieb zunächst bei unter hundert Exemplaren pro Jahr. Hämmerling war kurz davor aufzugeben. Dass es dazu nicht kam, verdankt der 46-Jährige auch Joachim Freyermuth, seinem Bandkollegen von den "Eaglez". "Er hat mir immer wieder Mut zugesprochen, wenn es nicht so gut lief", sagt Hämmerling. ",Deine Idee ist gut, du bietest Qualität und Service, bleib dran!, hat er mir immer wieder gesagt." Freyermuth muss es wissen - er ist Mitinhaber einer Kieler Firma, die sich auf Slipwagen für Wassersportgeräte spezialisiert hat (www.cadkat.com).
Als eine große deutsche Handelskette auf Hämmerlings Erfindung aufmerksam wurde und sie in ihr Sortiment aufnahm, ging die Erfolgskurve steil nach oben. Ausgerechnet in den Jahren der Wirtschaftskrise verdoppelte Hämmerling Stückzahl und Umsatz. Geblieben ist die handwerkliche Qualität "made in Osterrönfeld". Und viele Bollerwagen vertreibt Hämmerling über das Internet weiter selbst. Inzwischen sind es sieben Mitarbeiter, die in einer kleinen Halle im Osterrönfelder Gewerbegebiet arbeiten. Vieles dort erinnert an die Anfangsjahre der durch Erfindergeist geprägten Unternehmenskultur des Hobby-Wohnwagenwerks in Fockbek. Eine Innovation aus der Hämmerling-Schmiede ist ein guter Beleg: Mit einem Kaminwagen nach dem Roll-on/Roll-off-Prinzip lässt sich Brennholz kinderleicht vom Lagerplatz bis an den Ofen transportieren.
Die Bollerwagen gehen vor allem an Kunden in Schleswig-Holstein und Süddeutschland, aber auch nach Österreich, in die Schweiz und nach Holland. Selbst in Australien und Dubai gibt es Käufer. Im vergangenen Jahr lieferte Hämmerling etwa 1500 Exemplare aus, in diesem Jahr könnte erstmals die 2000er-Grenze erreicht werden. "Diese Entwicklung habe ich so nicht vorausgesehen", sagt der Unternehmer. "Es macht mir viel Spaß, auch wenn der Sprung der letzten Jahre schon auch eine große Belastung ist."
(hof, shz)

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen