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Meisterliche Hüter : „Lyns“ Abschied vom Wettbewerb

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Meggerdorfer Eckhard Sievers war mit seinen Border Collies erneut erfolgreich beim Hütehundwettbewerb. Border Collie „Sid“ gewannt die Deutsche Meisterschaft, und auch die anderen Hunde überzeugten mit so guten Platzierungen, dass die Teilnahme an Europa- und Weltmeisterschaft im nächsten Jahr gesichert ist. Nicht mehr dabei sein wird „Lyn“, die in den wohlverdienten Ruhestand geht.

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erstellt am 11.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Eckhard Sievers und sein Border Collie „Sid“ haben die Deutsche Meisterschaft im Hütehundewettkampf (englisch: trial) gewonnen. Für Sievers und „Sid“ ist es der zweite Triumph auf nationaler Ebene nach 2011. Platz 2 hinter „Sid“ belegte dessen schon zwölf Jahre alte Stallgefährtin „Lyn“, die sich mit ihrem insgesamt dritten Vizemeistertitel und als erfolgreichste deutsche Trial-Hündin aller Zeiten in den Ruhestand verabschiedete.

An fünf großen EM- und WM-Qualifikationsturnieren in ganz Deutschland hat Eckhard Sievers in diesem Sommer mit seinen Hütehunden „Lyn“, „Sid“ und „Sam“ teilgenommen, und alle drei Border Collies haben im Laufe der Saison bemerkenswerte Leistungen abgeliefert: „Sid“ sicherte sich ganz souverän seinen zweiten Deutschen Meistertitel, „Sam“ belegt in der deutschen Qualifikationsrangliste für die WM 2014 aktuell den zweiten Platz, und auch „Lyn“ lief in ihrer letzten Wettkampfsaison noch einmal zu großer Form auf. „Lyn“ hatte eigentlich nach der Saison 2011 – im Alter von zehn Jahren – ihre erfolgreiche Trial-Laufbahn beenden sollen. „Alle meine Hunde gehen mit neun oder zehn Jahren in den Ruhestand“, betont Sievers, der seit 1997 an Hütewettkämpfen teilnimmt und seit 2002 alljährlich zum deutschen EM-Team zählt, „aber zu Saisonbeginn 2012 hat mir Lyn mitgeteilt, dass sie unbedingt noch weiter arbeiten will.“

Was für den Meggerdorfer nicht allzu überraschend kam, denn eine unbändige Leistungsbereitschaft liegt den Border Collies im Blut. „Vor 550 Jahren hat man diesen Hunden einen Bringe-Instinkt angezüchtet, damit sie in den Bergen von Schottland das Vieh einsammeln und ins Tal bringen“, erklärt Sievers, „die Hunde wurden gezüchtet, um zu arbeiten – für Border Collies ist Arbeit gleichbedeutend mit Lebensfreude.“ „Lyn“ zeigte 2012, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehört und gewann drei von vier EM-Qualifikationsturnieren.

Nach der Saison 2012 brachte „Lyn“ vier Welpen zur Welt, erkrankte an Schwangerschaftsdiabetes, wurde aber wieder gesund. „Für mich war klar, dass sie nun endgültig nicht mehr hüten würde“, meint Sievers, aber die mittlerweile elfjährige „Lyn“ sah das ganz anders: „Sie hat mir auch vor dieser Saison wieder gezeigt, dass sie fit ist und unbedingt weiter mit zu den Wettkämpfen fahren will.“ Also ging „Lyn“ auch in diesem Sommer noch einmal mit ihren Stallgefährten „Sid“ und „Sam“ auf Reisen: am 15./16. Juli zur Norddeutschen Meisterschaft nach Kühsen (wo „Sid“ 3. wurde), am 20./21. Juli nach St. Peter im Südschwarzwald (wo „Sam“ den 3. Platz belegte), am 10./11. August zur schleswig-holsteinischen Meisterschaft nach Ahrenviöl (wo wieder „Sid“ 3. wurde) und am 30. August zur EM nach Belgien. Am 1. September feierte „Lyn“ in Antwerpen ihren zwölften Geburtstag, verpasste ganz knapp die Qualifikation fürs EM-Finale, wurde aber als 17. in der Gesamtwertung bester deutscher Hund bei der EM, was mit einem Sonderpreis belohnt wurde.

„Wenn man ihre zwölf Jahre mal auf Menschenjahre umrechnet, wären das 84, und damit ist sie ja schon eine Oma“, sagt Sievers, „aber wie sie immer noch über den Parcours rennt, das ist sensationell, sie hat einfach keinen Rückwartsgang.“ In der deutschen Trial-Szene hat sich die Hündin mit ihren vielen Erfolgen einen Namen gemacht: „Lyn“ hat an zwei Weltmeisterschaften (2008 in Wales und 2011 in England) sowie an sieben Europameisterschaften teilgenommen, war einmal WM- und dreimal EM-Kapitänin der deutschen Trial-Nationalmannschaft und hat so viele Qualifikationsturniere (zehn) gewonnen wie kein anderer deutscher Hütehund. „Von ihrer Qualität her ist sie Miss Germany, und das wird in der ganzen Trial-Szene neidlos anerkannt.“

Was sich am vergangenen Wochenende bei der Deutschen Meisterschaft in Oster-Ohrstedt (Nordfriesland) auf eindrucksvolle Weise zeigte. Als „Lyn“ da nämlich nach einer wieder erstklassigen Leistung im DM-Finale das letzte Mal den Trial-Platz verließ, schwenkten die anderen Hundeführer ein Banner, auf dem „Danke, Lyn!“ stand. Nach den ersten beiden DM-Wettkampftagen hatten sich alle drei Border Collies von Sievers fürs Finale qualifiziert: „Sam“ war 1., „Sid“ 3. und „Lyn“ 5. der Rangliste. In einem großen Finale darf ein Hundeführer aber nur mit maximal zwei Hunden an den Start gehen. „Zur Überraschung aller hab ich Sam draußen gelassen und zugunsten von Lyn entschieden, um ihr einen ehrenvollen Abschied zu ermöglichen“, berichtet Sievers, der eigene Konzentrationsmängel dafür verantwortlich macht, dass „Lyn“ sich dem Vater ihrer Welpen, „Sid“, geschlagen geben musste. Während also „Sid“ mit großem Punktevorsprung seinen zweiten DM-Titel feierte, blieb „Lyn“ ihrer Linie treu und erweiterte ihre DM-Karrierebilanz um einen weiteren Podestplatz. „Lyn“ war insgesamt dreimal Deutsche Vizemeisterin (2010, 2011, 2013) und zweimal DM-Dritte (2008, 2009).

Den DM-Titel, den er in Oster-Ohrstedt mit „Sid“ errungen hat, widmet Eckhard Sievers seiner Gattin Silke: „Wir sind ein tolles Team, alle meine Erfolge habe ich mindestens zur Hälfte meiner Frau zu verdanken, die sich um die Welpenaufzucht und die Versorgung der Tiere kümmert.“ Die Hunde des Meggerdorfers liegen in den aktuellen Qualifikationsranglisten so gut im Rennen, dass Sievers 2014 auf jeden Fall bei der EM in Dänemark und bei der WM in Schottland dabei sein wird. Aber ohne „Lyn“. „Jetzt ist definitiv Schluss, da gibt’s keine Verhandlungsbasis“, sagt Sievers, „Lyn soll’s jetzt nur noch gut haben, das hat sie sich mehr als verdient!“

 

 

>www.bordercollie-es.de

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