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Landeszeitung

22. Oktober 2017 | 19:31 Uhr

Plakatwerbung : Lückenhafter Wahlkampf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seit Wochenbeginn hat die Stadt Rendsburg 16 Stellwände, jede 30 Meter lang, offiziell zum Plakatieren freigegeben. Die Resonanz der Parteien ist bislang jedoch verhalten.

Während einige Städte Schleswig-Holsteins in Wahlwerbung versinken, herrscht an Rendsburgs Straßenrändern noch Plakat-Ebbe. Seit Beginn dieser Woche, nämlich genau vier Wochen vor der Landtagswahl, dürfen die Parteien ihre politische Reklame mit knackigem Slogan verteilen – allerdings nur auf den von der Stadt aufgestellten und finanzierten Plakatwänden. 16 jeweils etwa 30 Meter lange, braune Tafeln sind in ganz Rendsburg verteilt. In jedem Sektor steht eine. Parteien, die sich bei der Stadt für einen Werbeplatz anmelden, bekommen in jedem Wahlbezirk ein Feld zugeordnet.

„Die Anordnung auf den Plakatwänden entspricht der Reihenfolge, in der die Volksvertreter beim Fachdienst für Ordnung und Verkehr eine Werbefläche angefragt haben“, sagt Fachdienstleiter Matthias Galow. Auf diese Weise nehme die Stadt keinerlei Einfluss durch eine inhaltliche Sortierung.

„Wenn wir mehr Platz brauchen, als auf den Tafeln verfügbar ist, müssen wir flexibel reagieren“, so Galow. Bis zu 25 zusätzliche Stellschilder können laut Richtlinie zur Wahlwerbung im Vorfeld wichtiger Veranstaltungen im Stadt- und Kreisgebiet genehmigt werden. Im innerstädtischen Bereich wie dem Paradeplatz, dem Altstädter Markt und dem Schiffbrückenplatz ist es nach Absprache mit der Stadt grundsätzlich möglich, Informationsstände, Wagen oder Busse aufzustellen. „Die endgültige Entscheidung darüber, ob ein Standort für den Stimmenfang geeignet ist, trifft unser Fachdienst. Denn bei allen Sondernutzungen muss die öffentliche Sicherheit beachtet werden.“ Das heißt, die Schilder dürfen nicht so groß oder auffällig sein, dass sie vom Straßenverkehr ablenken. Mindestens ein halber Meter Abstand zur Straße ist wie bei Verkehrszeichen oder Laternen Pflicht.

Bei befragten Rendsburgern kommt dieses Konzept größtenteils gut an. Plakate werden eher als Erinnerung an den Urnengang wahrgenommen, als dass sie tatsächlich einen Einfluss auf die Entscheidung hätten. Die Inhalte der Parteiprogramme können an anderer Stelle wie Internet, Zeitung, Wahlveranstaltungen oder Wurfzetteln ausführlicher untergebracht werden. Plakate sollen vor allem aus der Ferne erkennbar sein und bieten deshalb textlich wenig Spielraum. 1,7 Sekunden lang schenkt ein Autofahrer ihnen im Schnitt seine Aufmerksamkeit.

Dennoch – Rendsburg wurde weder vergessen, noch ist es Absicht der Parteien, Plakate im Stadtgebiet zu reduzieren. Dass noch wenig Bildmaterial an den Straßenrändern zu sehen ist, hat verschiedene Gründe. Die FDP, bis gestern unter anderem an der Kieler Straße optisch nicht vertreten, ist personell dünn besetzt und verlegt die Klebeaktion voraussichtlich auf die Woche nach Ostern. Die AfD hadert generell landesweit mit der Zerstörung ihrer Plakate und kann nicht so schnell nachproduzieren, wie ihre Wahlwerbung heruntergerissen wird. Die Grünen bekleben ihre Werbeflächen am Karfreitag, wenn alle berufstätigen Ehrenamtler frei haben. „Eine Materialschlacht soll es nicht werden“, so Landessprecherin Claudia Jakob, „aber ein paar Plakate gehören zur Wahl dazu“.

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