Hohenwestedt : Lokalpolitiker schockiert von Freibadkosten

Noch eine Badesaison ist für das Freibad vorgesehen, dann soll es saniert werden.
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Noch eine Badesaison ist für das Freibad vorgesehen, dann soll es saniert werden.

Die Sanierung des Bades „Ludwigslust“ kostet Millionenbeträge.

shz.de von
31. Januar 2015, 06:00 Uhr

Mit einer „Schockstarre“ reagierten die Hohenwestedter Kommunalpolitiker auf die Zahlen, die Dr. Nicole Riedle jetzt im Ratssaal präsentierte: Die „abgespeckteste“ Fassung des Freibad-Ausbaus würde rund sechs Millionen Euro kosten, die luxuriöseste Variante mit wintertauglicher Traglufthalle neun Millionen Euro. Angesichts dieser Zahlen beschlossen die Politiker, mit den Bauarbeiten nicht – wie bisher geplant – nach der Badesaison 2015, sondern frühestens im kommenden Jahr zu beginnen.

Nicole Riedle vom Planungsbüro „balneatechnik“ (Wiesbaden) referierte vor dem Bau- und Finanzausschuss über Ausbauvarianten für das Freibad „Ludwigslust“. Im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Kleinere Städte und Gemeinden“ wollen die Hohenwestedter die Attraktivität der Badeanstalt steigern. Der Zustand der Einrichtung ist nach Einschätzung von Riedle desolat: Die über 30 Jahre alte Beckenfolie ist porös und verursacht Wasserverluste, der Steg zwischen den Becken „ein Störglied, das die Hydraulik zunichte macht“, die Wasseraufbereitungstechnik von 1973 nicht zeitgemäß, die Filterfläche zu klein. „Das ist ein Fischteich, in den man eine Folie gehängt hat“, bilanzierte die Expertin. Sie präsentierte drei Ausbauvarianten für ein Mehrgenerationenbecken mit Attraktionen wie Schaukelwippe, Strömungskanal, Wasserpilz und Gymnastikstangen. Im dritten Konzeptvorschlag wird das Springerbecken zugeschüttet und eine neue Sprunganlage mit Fünf-Meter-Turm in ein neues Kombi-Becken integriert (Kosten: 3,4 Millionen Euro). Zudem müsse die Infrastruktur der Badeanstalt für mehr als eine Million Euro erneuert werden. So kommt Riedle auf Netto-Gesamtkosten von über sieben Millionen Euro. Eine Traglufthalle für den Ganzjahresbetrieb wäre für 1,3 Millionen Euro zu haben (Lebensdauer: zehn Jahre). Eine „abgespeckte“ (Riedle) Variante ohne Parkplätze, Piratenschiff und Torpedo-Rutsche würde rund sechs Millionen Euro kosten.

„Ich bin sprachlos“, meinte der zweite stellvertretende Bürgermeister Werner Butenschön. „Das sind nicht die Zahlen, von der die Gemeindevertretung ausgegangen ist“, stellte Ortsentwicklungs-Projektmanager Jan Butenschön fest. „Ich befinde mich gerade in einer Schockstarre“, so Gemeindevertreterin Iris Ploog. „Alle haben bis heute gedacht, dass wir ein schönes Freibad haben“, bilanzierte Werner Butenschön, „wir haben bisher nicht in diesen Größenordnungen gedacht.“

In einer Arbeitsgruppe (mit Vertretern aller Fraktionen sowie der Gemeindewerke) sollen nun alle Varianten begutachtet und ein Konzept entwickelt werden, das Aussichten auf Zuschüsse von Bund und Land hat.

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