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Toplage am Kanal : Lokal „Brückenterrassen“ gerät in schwere See

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Betreiberin des Ausflugsziels an der Schwebefähre hat Insolvenz angemeldet. Der Betrieb läuft jedoch weiter.

Es ist das Rendsburger Lokal mit dem wohl prominentesten Standort: Wer am Südufer des Kanals steht und ein Foto von der Schwebefähre schießt, lichtet fast immer auch die „Brückenterrassen“ gleich daneben ab. Jetzt steckt der Traditionsbetrieb in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Ende August hat das Amtsgericht Neumünster die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Betreiberin Marina Seifert angeordnet. Dies teilte der vorläufige Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Wilhelm Salim Khan Durani, gestern mit. Der Kieler Jurist prüft nun die Sanierungsaussichten für die Gaststätte und sucht einen Käufer.

Der Restaurantbetrieb werde im vollen Umfang fortgeführt, heißt es in einer gestern verbreiteten Pressemitteilung. Die Löhne und Gehälter der 40 überwiegend in Teilzeit beschäftigten Mitarbeiter seien gesichert, es werde Insolvenzgeld gezahlt. „Wir erarbeiten eine langfristige Perspektive für die ,Brückenterrassen‘. Ich gehe aufgrund der sehr guten Lage davon aus, dass wir den Betrieb dauerhaft erhalten können“, sagte Durani. Bei der Sanierung stünden neben der Gläubigerbefriedigung vor allem der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze im Fokus. Es lägen bereits erste Anfragen von Interessenten vor, die das Restaurant übernehmen möchten. Durani: „Wir werden alle Möglichkeiten sehr genau prüfen. Die Substanz und Langfristigkeit möglicher Übernahmeangebote haben Priorität.“

Die „Brückenterrassen“ waren in Schieflage geraten, nachdem Bruno Witt, der Lebensgefährte der Betreiberin, im Sommer vergangenen Jahres verstorben ist. Witt führte das Restaurant seit fast 30 Jahren in kaufmännischer Hinsicht. Das Ausflugsziel hat eine steile Karriere hinter sich. Der Treffpunkt am Kanal war 1946 zunächst als kleiner Kiosk an der Schwebefähre eröffnet worden. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich die Traditionsadresse zu einem landesweit bekannten Café-Restaurant inklusive einer Gartenterrasse mit insgesamt etwa 200 Plätzen. Für den Erfolg des Unternehmens sorgte vor allem die Schiffsbegrüßungsanlage, die zwar auf dem Gelände des Wasser- und Schifffahrtsamtes liegt, aber von den Besitzern der „Brückenterrassen“ betrieben wird. Im Glaspavillon vor dem Lokal haben die bei dem Restaurant angestellten Schiffsbegrüßer ihren Arbeitsplatz und servieren den Gästen etwas Besonders: Zum Essen oder zu Kaffee und Kuchen erklingen die Nationalhymnen der Länder, aus denen die vorbeifahrenden Schiffe stammen. Diese Attraktion steht bei vielen Busunternehmen, die Tagesausflüge organisieren, auf dem Programm.

Bereits seit 1997 ist die einzigartige Anlage in Betrieb und versorgt Touristen und einheimische Schiffsfreunde nicht nur mit ausführlichen Informationen und Hymnen, sondern liefert den Besuchern zudem die Schiffe aus aller Welt quasi „zum Anfassen“ – die Ozeanriesen ziehen nämlich so nah wie sonst an keiner Stelle des Kanals, in weniger als 50 Metern, vorbei. Kapitäne grüßen die Schaulustigen persönlich, und die Passagiere der Luxusliner sind ebenso begeistert von der Stimmung an Land wie die Fans der Ozeanriesen.

„Die Schiffsbegrüßungsanlage direkt unter der Hochbrücke ist ein echtes touristisches Highlight und eines der beliebtesten Ausflugsziele am gesamten Kanal“, erklärt Monika Heise, Vorsitzende der Touristischen Arbeitsgemeinschaft Nord-Ostsee-Kanal. Die ursprüngliche Idee für das Projekt hatte der ehemalige Landtagsabgeordnete Günter Neugebauer. Das damalige Regionalmarketing Rendsburg nahm die Idee auf, die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung stimmte zu, ein Standort war an den „Brückenterrassen“ schnell gefunden. „Die Touristen wollen den Kanal, die Hochbrücke, die Schwebefähre und Schiffe sehen und auch bei einer Tasse Kaffee verweilen“, weiß Monika Heise. Das alles sei mit einem Besuch der „Brückenterrassen“ machbar. Ein mögliches Ende dieses Publikumsmagneten wäre „ein herber Verlust“.

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erstellt am 09.Sep.2015 | 06:15 Uhr

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