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Landeszeitung

23. Oktober 2017 | 07:19 Uhr

auf dem Rummel : Lohnt sich Jahrmarkt noch?

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Betreiber müssen häufig lange auf Fahrgäste warten. Rendsburg ist trotzdem ein zuverlässiger Standort, sagen die Schausteller.

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Die beiden Pferdchen auf dem klassischen Kinderkarussell sind leer. Fast 15 Minuten dauert es, bis sich ein Kind nähert und sich auf eines der Tiere setzt. Auf einen weiteren Mitfahrer wartete der Karussell-Betreiber noch einmal fünf Minuten. Dann geht die Fahrt los, ein paar Runden drehen sich Pferdchen, Entchen, Kutsche und Co. im Kreis – nur für die beiden Kinder.

Doch dass der Herbstjahrmarkt auf dem Willy-Brandt-Platz schlecht angenommen wird – davon wollen die Betreiber nichts wissen. Für sie sei Rendsburg noch immer ein wichtiger Standort, auch wenn es zwischendurch immer mal wieder Phasen mit nur wenigen Besuchern gebe. Ludolf Fock ist einer der 62 Schausteller des Jahrmarkts. Ihm gehört der Autoscooter, dazu noch ein Crêpes-Stand. Für ihn sei Rendsburg einer der zuverlässigen Plätze. „Die Leute kommen regelmäßig, auf sie ist Verlass. Das ist Stammkundschaft hier“, sagt er. Der Jahrmarkt sei außerdem für viele Rendsburger noch immer ein Highlight, das Konkurrenzangebot in der Stadt sei nicht so groß. In Kiel oder Lübeck habe man da mehr zu kämpfen, sagte Fock.

Ein Riesenrad oder eine Achterbahn sucht man auf dem Willy-Brandt-Platz allerdings vergeblich. Die größeren Fahrgeschäfte kommen nur noch zum Frühjahrs- oder Sommerjahrmarkt, erklärt Fock. Dafür gebe es mehr Aktionen für die kleinen Besucher. „Das passt gut“, findet er, denn schließlich ist der Markt auf dasselbe Wochenende wie die Babybörse in der Nordmarkhalle nebenan gefallen. Beide Veranstaltungen könnten so voneinander profitieren. „Und das ist ja auch unsere Zielgruppe: Familien mit kleinen Kindern.“

Familie Green aus Oha passt da genau ins Schema. Sie sind mit ihren beiden ein und fünf Jahre alten Kindern Gäste bei den Veranstaltungen. „Für meine Kleine ist das super hier“, sagt Britta Green, während sie ihrer Tochter bei der Fahrt im Mini-Start-Lifter zusieht. Doch die Mutter gibt zu: „Wir waren ewig nicht mehr auf dem Jahrmarkt. Wir sind dafür häufiger im Freizeitpark.“ Es sei einfach kostengünstiger, wenn man nur einmal Eintritt zahle und dann so oft fahren kann, wie man möchte.

Dieses Argument kann Gert Hagelstein, Betreiber des Eisstandes, nicht verstehen. In den großen Parks sei das Essen viel teurer, außerdem müsse man lange Warteschlangen in Kauf nehmen. Für Hagelstein ist der Rendsburger Jahrmarkt noch immer wichtig fürs Geschäft: „Ich mache hier mehr Umsatz als in Kiel.“ Er sei fast nur noch auf kleineren Jahrmärkten unterwegs – die großen Stadtfeste wie der Rendsburger Herbst lohnen sich für ihn wegen der hohen Standgebühren nicht mehr.

Doch der Zukunft sehen Hagelstein und Fock kritisch entgegen. Eine EU-Richtlinie mache eine teure Überprüfung aller Fahrgeschäfte notwendig. Viele könnten sich das kaum leisten und überlegen deshalb schon, zu verkaufen.

Der Jahrmarkt hat heute noch von 14 bis 21 Uhr geöffnet.

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