zur Navigation springen

Loge Nordstern öffnet ihren "Tempel" unter der Hochbrücke

vom

shz.de von
erstellt am 07.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Rendsburg | Was sind Freimaurer? Welche Ziele verfolgen die Mitglieder der Loge Nordstern? Antworten erhielten Interessierte beim Tag des offenen Logenhauses in der Sonderburger Allee unterhalb der Hochbrücke.

Und auch der "Tempel", der sonst für Nichtmitglieder verschlossen ist, wurde an diesem Tag geöffnet. Hier gab Eberhard Nadjé, einer der beiden "Aufseher", den 40 Besuchern einen Einblick in das Wesen der Freimaurerei und in die Geschichte der Loge Nordstern, die 1865 in Rendsburg gegründet wurde. Das freimaurerische Leben in Rendsburg habe damals einen rasanten Aufschwung genommen, erklärte Nadjé, so dass 1874 ein repräsentatives Logenhaus am Untereiderbecken bezogen werden konnte. Es habe sich um das heutige Haus "Schuh-Kay" am Jungfernstieg gehandelt. "Es gehörte damals zum guten Ton, die Mitgliedschaft in der Loge anzustreben", betonte Nadjé. Mit dem Ende des 1. Weltkriegs seien die guten Zeiten der Loge beendet gewesen, durch die Nationalsozialisten sei es durch Hetzkampagnen noch schlimmer geworden. 1935 wurden die Logen verboten. "Unter dem bestehenden Druck wurde das Logenhaus ,zu einem Schleuderpreis verkauft und der Erlös von 40 000 Reichsmark dem Stift ,Zum Heiligen Geist am Schlossplatz gespendet", berichtete Klaus Krabbenhöft, "Meister" der Loge Nordstern und damit ihr amtierender Vorsitzender. Von den Verleumdungen und der Verfolgung durch die Nationalsozialisten habe sich die Freimaurerei bis heute nicht erholt, beklagte Krabbenhöft. "Nach wie vor werden die unsinnigsten Vorstellungen verbreitet."

"Die Freimaurer tanzen in ihrem Tempel um Särge, sie kegeln mit Totenköpfen", nannte Nadjé als Beispiele für Klischees, die sich immer noch hielten, aber jeder Wahrheit entbehrten. Bei der "Tempelarbeit" spielten zwar Rituale, Symbole und eine alte Sprache eine bedeutende Rolle, was aber auf die Ursprünge der Freimaurer, nämlich die Dombaumeister und ihre Gesellen und Lehrlinge zurückzuführen sei. Diese seien nicht in Zünften organisiert gewesen, sondern hätten das "Privileg der freien Menschen" besessen. Um ihr Wissen um das Bauen für sich zu behalten, hätten sie sich durch eine eigene Sprache, Zeichen und Symbole verständigt, um ihre Freiheit zu schützen. Winkelmaß und Zirkel sind noch heute ein Zeichen der Freimaurer und im Türgriff zum Eingang ins Logenhaus verewigt (Foto).

Bei der "Tempelarbeit" mit Vorträgen und Gesprächen gehe es für die Logenbrüder darum, "sich selbst zu vervollkommnen". Wichtig für die Freimaurer der Loge Nordstern sei eine christliche Grundhaltung. "Aber es gibt kein Dogma und keine Lehrmeinung", so Krabbenhöft.

In Rendsburg wurde die Logenarbeit 1947 unter Leitung von Timm Heinrich Sievers wieder aufgenommen, zunächst in Gaststätten, dann im "Haus der Wirtschaft", später in gemieteten Räumen in der Hollesenstraße. 1983 wurde das Logenhaus in der Sonderburger Allee fertig. Es sei ein Fehler gewesen, auch nach der Neugründung 1947 nichts über die Freimaurer nach außen dringen zu lassen, räumte Krabbenhöft ein. Das solle jetzt anders werden. Deshalb habe man das Logenhaus der zurzeit 23 Freimaurer erstmals für die Öffentlichkeit geöffnet. "Wir wollen bekannter werden, wir wollen Interesse wecken." Weitere Informationen bei Klaus Krabbenhöft unter Tel. 04871/76 11 21.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen