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Angenehm gruselig : Literarischer Spaß der Sonderklasse

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Unterhaltsame Lesung mit Krischan Koch. Autor stellt neuen Küstenkrimi „Rollmopskommando“ vor. Detailreiche Szenen aus Fredenbüll.

Wenn Krischan Koch, der in Hamburg lebende NDR-Filmkritiker, Zweitwohnsitz Amrum, einen Krimi mit regionalem Bezug schreibt, ist eigentlich klar, dass er lebendig, bilder- und detailreich das typisch norddeutsche Wesen und ihre Landschaft schildert.

Aber wie! Auf den Punkt trifft er die Typen im viel zu ruhigen nordfriesischen Fredenbüll, schildert das Leben von in die Jahre gekommenen Ex-Rockern, Kiffern und Öko-Freaks in der traditionell geprägten Umgebung mit drei Deichen, 176 Einwohnern, 600 Schafen, einem Edeka-Laden, Friseursalon, Kneipe „De Hidde Kist“, einer Feuerwehr und der von Schließung bedrohten Polizeistation. „Eigentlich ist der Ort ungeeignet für einen Krimi. Deshalb ist der Polizist Thies Detlefsen dringend auf der Suche nach Kriminalität.“ Die gibt es in seinem neuen Roman „Rollmopskommando“, aus dem Krischan Koch am Donnerstag in der Buchhandlung Liesegang vorlas, dann auch plötzlich und reichlich: Der Althippie und Pilz-Kenner „Bounty“ findet beim Pilze-Suchen nach dem „spitzkegeligen Kahlkopf“ einen Koffer voller Dollars. Oma Ahlbeck, die Mutter des Kaufmanns, überlebt nach ihrem Friseurbesuch mit frischer Dauerwelle einen rabiaten Banküberfall, bei dem die Zahnärztin Dr. Ute Butz-Christensen erschossen wird.

Plötzlich ist in Fredenbüll nichts mehr, wie es früher war. Die Ausläufer einer anderen Zeit drängen sich ins traditionelle Dorfleben. Ein Banküberfall mit Geiselnahme und einer Toten war bis dahin unvorstellbar.

Mit Krischan Kochs Stimmen-Kunst wurde diese Lesung zu einem Spaß der Sonderklasse. Schon die Namen passten bestens zu den eingewanderten und eingeborenen Menschen von Fredenbüll. Krischan Koch beschreibt die Charaktere treffend und setzte mit typischem Tonfall noch einen drauf. Reichlich anerkennende Zustimmung gab es dafür. Auch zeigte sich Krischan Koch – bei einen Filmkritiker kaum verwunderlich – als genauer Beobachter: „Bürgermeister Ahlbeck, der ohne Edeka-Kittel irgendwie verkleidet aussieht!“ Immer wieder wurden die Fredenbüller Typen in der Fantasie lebendig. Ein Vergnügen, das man sich selbst auch laut vorlesen sollte.

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