Literarischer Schatz kommt ans Licht

Luhnstedt: Die Lektüre zeigt, wie nachhaltig Autor Peters seinem Heimatdorf und den Menschen ein Denkmal gesetzt hat.
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Luhnstedt: Die Lektüre zeigt, wie nachhaltig Autor Peters seinem Heimatdorf und den Menschen ein Denkmal gesetzt hat.

Neuer Roman von Friedrich Ernst Peters erscheint als Buch / Flensburgerin half bei der plattdeutschen Version / Vorstellung am 27. November

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21. November 2012, 07:06 Uhr

luhnstedt/Flensburg | Gemeinsamer Lesegenuss für Hoch- und Plattdeutsche - dass das möglich ist, möchte die ausgewiesene Niederdeutsch-Expertin und pensionierte Flensburger Ärztin Dr. Annemarie Jensen am 27. November ab 15 Uhr im Vortragssaal der Volkshochschule und Stadtbibliothek in der Flensburg-Galerie am Südermarkt beweisen. Im Beisein von Verleger Ingwert Paulsen von Husum Druck wird Annemarie Jensen den erst kürzlich im Nachlass des Dichters und Schriftstellers Friedrich Ernst Peters (1890 bis 1962) entdeckten, bisher unveröffentlichten hoch- und plattdeutschen Roman "Heine Steenhagen wöll ju dat wiesen!" vorstellen.

Peters wuchs in Luhnstedt auf, wirkte als Lehrer und Leiter der Taubstummenschule in Schleswig, war neben seinem Beruf als anerkannter Schriftsteller tätig. Ein Großteil seiner hochdeutschen Werke wird erst jetzt von seiner Enkelin, der Literaturwissenschaftlerin und Direktorin der Universitätsbibliothek Potsdam, Dr. Ulrike Michalowski, veröffentlicht.

1975 sei die damalige Nachwelt von Peters’ großartigem Roman "Baasdörper Krönk" überrascht worden, erklärt Annemarie Jensen: "Der Chronikroman über ein fiktives holsteinisches Dorf fand schnell eine begeisterte Leserschaft", habe unter Plattdeutschen immer noch eine Art Kultstatus. Kein Wunder, dass Jensen "elektrisiert" war, als sie im Februar auf einer Gedenkveranstaltung für den Dichter über dessen Enkelin von dem neuen Nachlassfund erfuhr. Es sollte ein fruchtbares Treffen sein: Gern nahm Michalowski die Hilfe für die Bearbeitung des plattdeutschen Teils an. "Der Roman "Heine Steenhagen wöll ju dat wiesen!", Beleg für die Schönheit der plattdeutschen Sprache, würde nicht in dieser Qualität vorliegen, wenn Annemarie Jensen nicht ihre außergewöhnliche Kenntnis des Nie-derdeutschen und ihr in dieser Umfänglichkeit seltenes Wissen um die norddeutsche Kulturlandschaft in den Dienst der Veröffentlichung gestellt und die Transskribierung des plattdeutschen Teils mit der ihr eigenen Sorgfalt und Kompetenz begleitet hätte", schreibt Michalowski als Herausgeberin.

Der spannende Roman versetzt in die vorige Jahrhundertwende, erzählt die Geschichte Heine Steenhagens, der, als unehelicher Sohn einer Landarbeiterin geboren, unter den Demütigungen sei-ner Kindheit leidet, der Schmach, kein privilegierter Bauernsohn zu sein. Ein-drucksvoll und mit ironischer Distanz zum Protagonisten erzählt Friedrich Ernst Peters vom Werdegang eines Ehrgeizigen, der als "Heinrich Steinhagen" die militärische Karriere, schließlich die Denunziation zum sozialen Aufstieg nutzt, seinem Ehrgeiz letztendlich mit dem Selbstmord zum Opfer fällt. In seinem Heine sah Peters eine Parallele zum Ikarus der griechischen Sage; beide "stürzen ab", beiden wird die eigene Überheblichkeit zum Verhängnis.

Ulrike Michalowski hat dem Werk ihres Großvaters eine ausführliche Zusammenfassung des plattdeutschen Teils auf Hochdeutsch angefügt, in Fußnoten geschichtliche und literarische Zusammenhänge erklärt, den "Heine Steenhagen" literarisch wissenschaftlich eingeordnet. "Der Roman ist spannend zu lesen und kulturgeschichtlich sehr interessant", betont Annemarie Jensen.

Ab Mitte November ist das Buch (ISBN 978-3-89876-644-9) für 24,95 Euro im Buchhandel erhältlich. Der Eintritt zur Romanvorstellung am kommenden Dienstag (15 Uhr) ist frei.

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