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Landeszeitung

23. August 2017 | 04:33 Uhr

Lesung : Literarische Liebesreise

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Lesung mit Schauspielerin Nina Petri und Christian Maintz über „Komische Liebesgedichte“ im Atrium des Nortorfer Rathauses. Die „Literatur-Live“ Veranstaltung überzeugte mit Klassikern, aber auch erotischen neuen Werken.

„Für manchen hat ein Mädchen Reiz, nur bleibt die Liebe seinerseits“ – Mit diesem Zweizeiler, der aus dem Prolog zur Geschichte um Balduin Bählamm aus der Feder Wilhelm Busch’s stammt, begann die Lesung der „Komischen Liebesgedichte“, die Nina Petri und ihr Partner Christian Maintz im Atrium des Nortorfer Rathauses mit großer Verve präsentierten. Maintz, seines Zeichens Germanist, komischer Lyriker und Duo-Partner von Harry Rowohlt, hat sie in seinem Buch unter diesem Titel gesammelt, und was er da zusammengetragen hatte, riss die rund 50 Zuschauer, die der Einladung von „Literatur-Live“ gefolgt waren, von einer Lachsalve zur anderen.

Das Duo ergänzte sich hervorragend, einerseits das professionelle Gespür der Schauspielerin für perfektes Timing, andererseits der Herausgeber mit Sinn für Absurditäten und reichlich Provokantes. Im ersten Teil gliederten sich Themen wie erste Liebe, Moralisch/Amoralisches, Sexualität und Frivoles, Liebe und Alter aneinander. Da waren Wedekinds „Stallknecht und Viehmagd“ zu hören, „Tobias Knopp“ von Busch, Tucholskys „Danach“ ebenso wie die verschmitzte Liebe eines Nagels zu einer Messingschraube, die Ringelnatz beschrieb. Spontan viel Beifall brachte die gesungene Interpretation durch Nina Petri von Kästners „Sachlicher Romanze“.

War der erste Teil für manchen schon etwas gewagt, ging es dann im zweiten Teil zur Sache. Nachdem Maintz mit seinem eigenen Gedicht „Huldigung an meine Frau“, das sich keinesfalls hinter berühmten Namen verstecken musste, den Reigen eröffnet hatte, ging es dann, nach Epochen gegliedert, fröhlich weiter. Animalisch Erotisches wechselte in schneller Folge mit doppeldeutigen Wortspielen, das eine oder andere Tabuthema wurde aufs Korn genommen und Doppelmoral andächtig seziert. Auch Kulinarisch-erotisches kam aufs Tableau, so „Das Pflaumenlied“ von Brecht oder Robert Gernhards „Scheiden und Schneiden.“

Den Vogel eindeutig abgeschossen hatte allerdings das Gedicht von Ror Wolf „Die Pflege der Geselligkeit“. Wolf, der eigentlich Richard Wolf heißt und ein Sprachakrobat mit Sinn für lüsterne Lyrik ist, schildert genüsslich und in drastischen Bildern den Ablauf einer Kulinarischen Sex-Orgie, was dann doch den einen oder anderen leicht aufstöhnen ließ. Wilhelm Busch sagt dazu: „Und wahrlich! Preis und Dank gebührt der Kunst, die diese Welt verziert“.

Nach zwei Stunden war dann der Ausflug in die Sinnlichkeit vorbei, und das Publikum, noch etwas erschöpft vom Lachen, trug seinen Applaus zu den beiden Künstlern.


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erstellt am 27.Sep.2013 | 13:45 Uhr

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